Der 42-jährige Norweger Leif Ove Andsnes ist kein unbeschriebenes Blatt bei den Salzburger Festspielen. Man hat ihn hier als Klavierbegleiter von Matthias Goerne gehört und auch als Kammermusiker. Zu Solistenkonzert-Ehren - und das gleich im Großen Festspielhaus - ist er nun als Einspringer für Krystian Zimerman gekommen. Der war aus Krankheitsgründen nicht fertig geworden mit dem genau auf den Tag hin getrimmten Debussy-Programm.

Andsnes hat die Chance bestens genutzt, mit zwei Sonaten von Beethoven und einem überlegt zusammengestellten Chopin-Bukett. Andsnes ist ein fulminanter Techniker. Es gehört schon viel Selbstvertrauen dazu, den Eröffnungssatz der Waldstein-Sonate Nr. 21 C-Dur op. 53 derart eisern im Tempo durchzuziehen, sich und Beethoven nicht ein Rubato zu gönnen.

Hymnische Steigerung

Originell die dynamischen Schattierungen im wirklich Allegretto moderato genommenen Finalsatz, in dem Andsnes aus der ruhig dahinfließenden Bewegung heraus jäh zu hymnischen Steigerungen ansetzt, ganz stufenlos. Da denkt man ans Zuschalten eines Orgelregisters. Der Techniker ist noch mehr im Schwesterwerk, der Sonate Nr. 22 F-Dur op. 54, gefragt. Unglaublich fast, wie man über die Tasten heizen kann und sich doch kantable, plausible Phrasen ergeben. Dann der Schwenk zu Chopin: Da ist Andsnes deutlich nachgiebiger in den Tempi, er koloriert charmant, leuchtet etwa die harmonischen Besonderheiten der Nocturne H-Dur op. 62 Nr.1 auf vielfältige Art aus. Bewundernswert, wie viel Energie Andsnes aus den Läufen gewinnt, besonders bravourös in der Ballade Nr. 1 g-Moll op. 23.

Konzert

Leif Ove Andsnes (Klavier)

Salzburger Festspiele