• vom 19.03.2013, 17:20 Uhr

Kulturpolitik

Update: 19.03.2013, 17:25 Uhr

Wien

Casanovas Auferstehung




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Von Mathias Ziegler

  • Viktor Gernot als prominenter Schirmherr der runderneuerten Casanova-Kabarettbar
  • Bar in der Dorotheergasse soll als Kabarettbühne wiederbelebt werden.

Wo vor einigen Jahren ein Clubbing-Projekt gescheitert ist, sollen ab Herbst Kabarettisten für volles Haus sorgen. - © CasaNova

Wo vor einigen Jahren ein Clubbing-Projekt gescheitert ist, sollen ab Herbst Kabarettisten für volles Haus sorgen. © CasaNova

Wien. Eigentlich kennt man Harry Diem als Tennisplatzbesitzer. Nun versucht er sich als Betreiber einer Kabarettbühne, und zwar auf altehrwürdigem Boden. Die Casanova-Bar in der Dorotheergasse 6 ist es, die Diem ab September als Kleinkunstbühne wiederbeleben will. Jene Bar, die direkt unter dem legendären Café Hawelka liegt und in der 1958 Josephine Baker "das Ereignis der Saison" war. Auch Karl Farkas und Hugo Wiener wurden hier einst bejubelt. Und die Casanova-Bar war Schauplatz der Dreharbeiten für den Film "Der dritte Mann".

Doch dann war irgendwann Schluss mit Kabarett. Das Etablissement rutschte in Richtung Striptease ab, ehe Besitzer Johann Hans Hirschhofer, der auch Inhaber der Köö-Billardcafés ist, die Bar umbaute und Clubbings veranstaltete. Diese wurden aber 2006 wegen Lärmbelästigung abgedreht. Seither stand das Lokal im zweiten Untergeschoß leer - bis Hirschhofer seinen langjährigen Tennis- und Bergfreund dafür begeistern konnte, die Casanova-Bar zu übernehmen. Diem sagte nach eineinhalb Jahren Bedenkzeit ja. Nicht zuletzt, weil er schon in seinem Tennisclub seit 18 Jahren Kabarettabende veranstaltet und deshalb die Szene doch ganz gut kennt.


"Wien verträgt eine neue Bühne in der Innenstadt"
Jetzt will Diem gemeinsam mit seinem Partner Martin Reiter die Casanova-Bar revitalisieren. Dafür wurde prominente Unterstützung geholt: Viktor Gernot, der am 11. September sein neues Soloprogramm in der Casanova-Bar präsentieren wird. Für den Kabarettisten ist es das Highlight zum 25-jährigen Bühnenjubiläum, für die Bar der offizielle Startschuss zum Neubeginn als Kabarettbühne, für den bekannte Künstler von Klaus Eckel über Herbert Steinböck bis Karlheinz Hackl geangelt werden konnten.

Die "Wiener Zeitung" hat sich in der Szene umgehört, wie diese neue Bühne aufgenommen wird. Fragt man nicht die Betreiber anderer Bühnen, sondern die Künstleragenten, ob Wien noch eine Bühne braucht, so ist die Antwort ein klares Ja. Thomas Amersberger von der gleichnamigen Agentur ist überzeugt: "Wien verträgt auf alle Fälle noch eine Kabarettbühne in der Innenstadt. Rechnet man die Sitzplätze der einzelnen Opernhäuser Wiens zusammen, ist die Zahl der Kabarettsessel, die pro Tag zu füllen sind, noch immer wesentlich geringer." Als mittelgroße Kabarettbühne biete die Casanova-Bar auch Künstlern Platz, die bisher nur sehr schwer Termine in den größeren Häusern Wiens finden. Auch für den Nachwuchs in der Szene werde sie sich hoffentlich positiv auswirken.

Ruf nach Förderung für bestehende Bühnen
Erna Wipplinger von der Agentur Heitere Aussichten hat den Eindruck, "dass diese Art der Programmierung weitgehend auf ein Simpl-Publikum abzielt und somit keine allzu große Konkurrenz für die anderen Bühnen bedeutet". Sie wirft aber auch ein, dass "die Stadt Wien nicht auf die heutige Szene vergessen sollte; eine finanzielle Unterstützung für die beliebte ‚Kulisse‘ wäre längst überfällig". Kabarettbühnen in Wien werden allerdings nicht generell gefördert, sondern nur mit Schwerpunkten. Der zuständige Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny freut sich "natürlich über jeden weiteren Kulturort - eine Stadt kann nie genug Orte haben, wo das Publikum gerne hingeht".

Auch Kabarettagentin Julia Sobieszek, die etwa den Österreichischen Kabarettpreis betreut, findet, dass "man nie genug Kultur haben kann und demzufolge auch nie genug Bühnen". Freilich, die Publikumszahlen könnten nicht ins Unermessliche steigen. Es werde sich zeigen, wer am Ende das Publikum überzeugen kann. Konkurrenz belebe jedenfalls das Geschäft. Dem schließt sich Agentin Susanne Seidl an: "Wer originell und kreativ arbeitet, braucht nicht um seine Pfründe zu fürchten. Außerdem finden sich immer die Häuser und passenden Künstler zusammen."




Schlagwörter

Wien, Kabarett

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Dokument erstellt am 2013-03-19 17:23:04
Letzte Änderung am 2013-03-19 17:25:20


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