• vom 02.02.2017, 16:48 Uhr

Kulturpolitik


Festwochen

Musikfest verliert seine Fördermittel




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Von Christoph Irrgeher

  • Wiener Festwochen stoppen Unterstützung für Klassik in Musikverein und Konzerthaus.

Wien. Vor zehn Jahren lagen die Dinge noch anders. Die Wiener Festwochen waren ein weltoffenes, dabei aber auch bürgerliches Festival, und sie besaßen neben ihrem Theaterprogramm auch eine Schiene mit Klassikkonzerten. Die gestalteten sie nicht selbst, sondern stellten rund 400.000 Euro zur Verfügung - einen Bruchteil jenes Geldes, das ihnen die Stadt gewährte. Der Betrag floss alternierend an das Konzerthaus und den Musikverein, die das "Musikfest" ausrichteten.

Mit diesem Geld ist Schluss. Schon in den Vorjahren reduziert, gibt es ab heuer gar keines mehr. Im Juni 2016, erzählt Musikverein-Intendant Thomas Angyan, hätten er und Konzerthaus-Chef Matthias Naske einen Brief erhalten. Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny, Festival-Aufsichtsrat Rudolf Scholten und Tomas Zierhofer-Kin, der neue Intendant, hätten darin das Ende der Zusammenarbeit mitgeteilt, aus budgetären Gründen. Kein guter Zeitpunkt: Naske hatte bereits das Musikfest 2017 programmiert, eine Werkschau des anspruchsvollen Neutöners Pierre Boulez, Angyan sein Paket für 2018 geschnürt.


"Schwarzen Peter zuschieben"
Steht Zierhofer-Kin hinter der Streichung? Auf Wunsch des Rathauses soll der Ex-Chef des Donaufestivals ab heuer den Festwochen eine Verjüngungskur verpassen. "Jeder Festwochen-Intendant ist frei zu tun, was er will", betont Angyan. Dennoch ärgert ihn die Entscheidung. Dabei sieht es für ihn so aus, als würden "die Stadt und das Festival einander den schwarzen Peter zuschieben." Auf Anfrage der "Wiener Zeitung" bekennen die Festwochen aber Farbe: "Zierhofer-Kin will neue Inhalte und Formate entwickeln, darum können nicht alle Partnerschaften fortgesetzt werden", sagt die Pressesprecherin. Von Budgetproblemen kann übrigens keine Rede sein. Wie es aus dem Kulturamt heißt, müssen die Festwochen heuer schlimmstenfalls eine Subventionseinbuße von 10,8 Millionen auf 10,4 hinnehmen.

Andererseits: Wie wichtig sind die klassischen Festwochen-Konzerte? Verschwammen sie nicht bisher mit dem Normalbetrieb der beiden Häuser? Angyan findet, dass ein "Musikfest" keinen roten Faden bräuchte. Das Zusatzgeld habe es ermöglicht, Qualitätvolles in hoher Dichte zu servieren. Der Musikverein will das "Fest" im bisherigen Rhythmus beibehalten und einen Sponsor suchen - was dem strahlkräftigen Haus gelingen dürfte.

Schwerer könnte sich Konzerthaus-Chef Naske tun, der sein Musikfest am Donnerstag vorstellte und dabei das Aus der Subvention bekannt gab. "Das Ende tut weh", sagte er, "aber wir werden es meistern". Dem aktuellen Programm (7. Mai bis 23. Juni) ist der Einschnitt (noch) nicht anzumerken. Unter anderem werden sich die Wiener Philharmoniker mit Daniel Barenboim an Boulez abarbeiten, zudem gastieren Künstler wie Rudolf Buchbinder, Gerald Finley, Anja Harteros.




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Dokument erstellt am 2017-02-02 16:50:14


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