• vom 25.04.2017, 16:47 Uhr

Kulturpolitik

Update: 25.04.2017, 17:00 Uhr

Bundesmuseen

Startsignal oder Staubfänger?




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Von Christoph Irrgeher

  • Das Kulturministerium hat Experten über die Zukunft der Bundesmuseen nachdenken lassen; ihr "Weißbuch" wird demnächst vorgestellt. Bedeutend aber ist vor allem, was der Minister will: Bessere Kontrolle - oder auch inhaltlichen Zugriff?

Agnes Husslein-Arco hat Ai Weiwei im Vorjahr ins Belvedere geholt. Ein Coup - auch wenn die Kunst des Chinesen thematisch besser im Mumok aufgehoben wäre.

Agnes Husslein-Arco hat Ai Weiwei im Vorjahr ins Belvedere geholt. Ein Coup - auch wenn die Kunst des Chinesen thematisch besser im Mumok aufgehoben wäre.© apa/Techt Agnes Husslein-Arco hat Ai Weiwei im Vorjahr ins Belvedere geholt. Ein Coup - auch wenn die Kunst des Chinesen thematisch besser im Mumok aufgehoben wäre.© apa/Techt

Wien. Wenn Schubladen sprechen könnten, sie würden Erstaunliches berichten. Von großen Meisterwerken, die an Kleingeistern scheiterten. Oder von ambitionierten Plänen, die Gewohnheitsrechten zuwiderliefen. Gut möglich, dass die Studie zu den Österreichischen Bundesmuseen aus den Jahren 2007 und ’08 ein solcher Fall gewesen ist. Wirklich erfahren werden wir es nicht - denn das Papier landete im Archiv. Stattdessen erließ Ministerin Claudia Schmied 2009 eine Museumsordnung, die den Status quo einzementierte.

Nun entsteht wieder ein ambitioniertes Papier. Ein "Weißbuch" für die Bundesmuseen soll es sein, ist im Auftrag der Republik durch Experten wie Edelbert Köb, Ex-Mumok-Direktor, erdacht worden und soll bald von Minister Thomas Drozda präsentiert werden. Was danach mit den Vorschlägen dieses neuen "Weißbuchs" passieren wird - das weiß jedoch niemand.


Die Kostenwahrheit sichten
Die Studie verdankt sich jedenfalls einem konkreten Anlass - nämlich dem Eklat rund um Agnes Husslein-Arco. Die Direktorin der Österreichischen Galerie Belvedere stand im Vorjahr vor einer Verlängerung ihres Vertrags; durch das Auftauchen von Compliance-Vorwürfen mutierte sie jedoch zur Persona non grata. Für Drozda, damals erst kurz im Amt, war die Causa nicht nur darum ärgerlich. Der Fall rückte auch das Kuratorium des Belvederes, seinem Zweck nach eigentlich wirtschaftliches Kontrollorgan, in ein schlechtes Licht. Das Tüpfelchen auf dem I war dabei ein Gutachten, das die Kuratoren in Eigenregie über die Husslein-Vorwürfe beauftragt hatte und zu Drozdas Missvergnügen teuer zu Buche schlug.

Konsequenz: Auch der Vorsitzende des Kuratoriums verschwand. Und es erhob sich wieder einmal die Frage: Dienen Kuratorien wirklich ihrem Zweck? Oder verfehlen sie ihn, weil sie entweder zu viel Sympathie für das eigene Haus hegen oder zu wenig Kompetenz und Befugnisse besitzen, um Verfehlungen aufzudecken (wie dies nach dem Burgtheater-Skandal behauptet wurde)?

Drozda war jedenfalls bemüht, die Kontrollzügel zu straffen. Wie Vorgänger Josef Ostermayer setzt er in der Führungsetage großer Kunstbetriebe auf das Vier-Augen-Prinzip mit einem kaufmännischen und künstlerischen Leiter. Zudem soll eine einheitliche Gehaltspyramide (wie vom Rechnungshof empfohlen) künftig Traumgagen verhindern. Und, bereits 2016 beschlossen: Die sieben Bundesmuseen und die Nationalbibliothek werden künftig von einem Wirtschaftsprüfer betreut, nämlich dem Unternehmen PwC. Durch die Vereinheitlichung sollen die Bilanzen vergleichbar werden, wünscht sich Drozda, der als Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien schon früher mit den Geschäftsberichten mehrerer Kulturhäuser befasst war. Außerdem solle PwC eine "objektive Grundlage" zur Aufteilung der Subventionen erarbeiten. Kostenwahrheit sichten, Verschleierung verhindern: Das schien auch Triebfeder für jenes "Weißbuch" zu sein, das Drozda im Juli 2016 mit den Worten ankündigte, es solle "effiziente und verlässliche Strukturen für alle Bundesmuseen" beinhalten.

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Schlagwörter

Bundesmuseen, Weißbuch

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-04-25 16:51:09
Letzte Änderung am 2017-04-25 17:00:09


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