• vom 26.09.2017, 18:05 Uhr

Kulturpolitik


Wahlkampf

Förderdschungel und Quotenwünsche




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Von Christoph Irrgeher

  • Die Kultursprecher der Parteien wollen vor allem mehr Geld für die Kunst - und den ORF in die Pflicht nehmen.

Mehr Mammon (hier Jürgen Tarrach in der gleichnamigen Rolle im "Jedermann") wünschen sich die Kulturpolitiker - programmatisch setzen sie freilich unterschiedliche Akzente .

Mehr Mammon (hier Jürgen Tarrach in der gleichnamigen Rolle im "Jedermann") wünschen sich die Kulturpolitiker - programmatisch setzen sie freilich unterschiedliche Akzente .© apa/Barbara Gindl Mehr Mammon (hier Jürgen Tarrach in der gleichnamigen Rolle im "Jedermann") wünschen sich die Kulturpolitiker - programmatisch setzen sie freilich unterschiedliche Akzente .© apa/Barbara Gindl

Wien. Es gibt Themen, die bringen das Wählerblut verlässlich in Wallung: Steuern. Pensionen. Migranten. Jenes Thema, das dagegen wohl die letzte Geige spielt, heißt Kunst und Kultur. Das ist einerseits verständlich: Das Gebiet rührt nicht unmittelbar an der Existenz der Wähler. Andererseits: Auf diesem Feld lassen sich maßgebliche Akzente für ein österreichisches Selbstverständnis setzen. Soll man die großen Staatsbühnen und Museen stärker fördern oder die freien Gruppen? Lieber eine widerständige oder eine patriotische Kunst? Wie ließen sich das heimische Filmschaffen und die Popmusik besser unterstützen, und was könnte der ORF dabei tun?

Mehr Geld, ja - nur wohin?
"Es sind zuletzt viele Themen diskutiert worden, nur zur Kultur hat bisher keiner etwas gesagt", eröffnete Silvia Grünberger am Montagabend eine Diskussion. Die ehemalige ÖVP-Politikerin moderierte ein Gespräch mit den Bereichssprechern der Parteien, eingeladen hatte der Fachverband der Film- und Musikindustrie. Nur die FPÖ war nicht dabei: Kultursprecher Walter Rosenkranz hatte sein Erscheinen zugesagt, hieß es, war dann aber nur durch ein Namensschild auf dem Tisch vertreten. Kulturpolitisch macht sich seine Partei für einen Gratis-Eintritt für Familien in die Museen stark, für mehr österreichische Inhalte im ORF - und Geld für regionale Brauchtumspflege.


Vielleicht lag es auch an dieser FPÖ-Absenz, dass die Diskussion weitgehend harmonisch verlief. Der allgemeine Tenor: Die Kultur stehe unverdient im Wahlkampfschatten, und sie verdiene sich mehr Geld. "Die Menschen wissen über Österreich vor allem Dinge, die mit Kultur zu tun haben", erinnert Georg Willi, neuer Bereichssprecher der Grünen, an das Image als Kunstnation. Verglichen mit anderen Budgetposten geize der Staat in diesem Sektor aber: Nur 0,6 Prozent der Bundesausgaben flössen in Kunst und Kultur. Besonders wenig erhalte der Österreichische Musikfonds, nämlich nicht einmal eine Million Euro.

Das stört nicht nur Willi, sondern auch SPÖ-Sprecherin Elisabeth Hakel. Der Fonds habe sich eindeutig mehr Geld verdient; und es habe ja bereits Erfolge gezeitigt, dass die Filmförderung aufgestockt wurde, sagt die Parteigenossin des aktuellen Kulturministers Thomas Drozda.

Für und wider Förderdschungel
Seitens der Filminstitute und des Kanzleramts wird der Film derzeit mit rund 26 Millionen Euro gefördert. Dabei ist die Zahl der Förderstellen noch wesentlich höher - sie liegt bei ingesamt 19. Ließe sich dies nicht verringern, sollte man nicht den "Förderdschungel" entwirren? Die Forderung hat bereits einen grauen Bart, aktuell wird sie von Maria Großbauer, die für die ÖVP kandidiert, vertreten. Im Förderwesen müsse es "transparenter und schneller" zugehen, sagt sie. Wolfgang Zinggl, ehemaliger Kultursprecher der Grünen und nun für die Liste Pilz tätig, sieht ebenfalls die Schattenseiten des Subventionsdschungels; der Erhalt mehrerer Förderadressen sei aber sinnvoll, wenn die Stellen verschiedene Zielsetzungen verfolgen. Würde man die Anlaufstellen im großen Stil zusammenlegen, drohe außerdem eine "Kannibalisierung" des Sektors.

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Dokument erstellt am 2017-09-26 18:09:08



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