• vom 13.10.2017, 21:37 Uhr

Kulturpolitik

Update: 13.10.2017, 21:39 Uhr

Wahl

Unerfahrene Französin muss Unesco-Spaltung kitten




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Von WZ Online, APA, AFP, Stephanie Lob

  • Neue Generaldirektorin Azoulay steht vor gewaltigen Aufgaben.

Die 45-jährige Französin muss die tiefe Spaltung der UN-Organisation kitten und sie neu ausrichten.

Die 45-jährige Französin muss die tiefe Spaltung der UN-Organisation kitten und sie neu ausrichten.© APAweb/AP, Michel Euler Die 45-jährige Französin muss die tiefe Spaltung der UN-Organisation kitten und sie neu ausrichten.© APAweb/AP, Michel Euler

Paris. Gewaltige Aufgaben warten auf die designierte Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay: Die 45-jährige Französin muss die tiefe Spaltung der UN-Organisation kitten und sie neu ausrichten. Denn die Austritte der USA und Israels stellen das selbst erklärte Ziel der 1945 gegründeten Unesco in Frage, durch Kultur, Bildung und Wissenschaft den Frieden in der Welt zu fördern.

Als hätte Azoulay die aktuelle Entwicklung geahnt, hatte sie in ihrer Bewerbung für die Unesco-Spitze ihre "Fähigkeiten zur Mediation und zur Konsens-Bildung" hervorgehoben. Was sie nicht an politischer Erfahrung hat, muss sie durch Instinkt und diplomatisches Geschick ausgleichen.

Denn die Französin mit jüdisch-marokkanischen Wurzeln hat gerade einmal ein gutes Jahr Erfahrung als Ministerin für Kultur und Kommunikation unter dem inzwischen abgewählten Präsidenten Francois Hollande vorzuweisen. Das Amt hatte sie von Februar 2016 bis Mai 2017 inne, seit 2014 beriet sie den Sozialisten.

Dafür beeindruckt die Liste ihrer Unterstützer: Zu ihnen gehören so unterschiedliche Persönlichkeiten wie der deutsche Regisseur Volker Schlöndorff, der bekannte britische Theaterregisseur Peter Brook und der frühere französische Fußball-Nationalspieler Lilian Thuram, der heute einer Stiftung gegen Rassismus vorsitzt.

Diese Kontakte hat Azoulay nicht nur ihrer kurzen Tätigkeit als Kulturministerin zu verdanken, sondern leitenden Posten beim einflussreichen Nationalen Kino-Zentrum (CNC) in Paris, über das Frankreich seine Autorenfilme fördert und gegen die Konkurrenz aus Hollywood verteidigt. Beim CNC war sie seit 2006 Finanzchefin und von 2011 bis 2014 stellvertretende Präsidentin. CNC-Chefin Frederique Bredin lobte Azoulay als "brillante und leidenschaftliche Frau" und als "Freundin der Künstler".

Durchsetzungsfreudig und humorvoll, so beschreiben sie ihre Unterstützer. Als Absolventin von französischen Elite-Hochschulen wie ENA und Sciences-Po bereitete sich Azoulay auf Führungspositionen vor - das hat sie mit dem sechs Jahre jüngeren Präsidenten Emmanuel Macron gemein, der ihre Kandidatur unterstützte.

Azoulay selbst nennt sich eine "Weltbürgerin mit familiären Bindungen nach Marokko". Sie wurde am 4. August 1972 geboren, ihr Vater ist der einflussreiche marokkanische Bankier und Politiker Andre Azoulay, der König Mohammed von Marokko berät wie zuvor dessen Vater Hassan. Azoulays Mutter ist die Schriftstellerin Katia Brami.

Ihre jüdischen Wurzeln und ihr marokkanisches Erbe könnten ihr dabei helfen, die Gräben in der Unesco zu überwinden, die durch die umstrittene Aufnahme Palästinas 2011 aufgerissen wurden und durch eine Reihe von Entscheidungen zum Schutz des palästinensischen Kulturerbes noch vertieft wurden. Ob Azoulay mehrheitsfähig ist, wird sich bei der Generalkonferenz aller Mitgliedstaaten ab dem 10. November zeigen, die ihre Wahl bestätigen muss.

Ihr Ziel beschreibt Azoulay auf Twitter in den Worten des verstorbenen französischen Sozialisten, Regierungschefs und früheren KZ-Insassen Leon Blum: "Die Unesco muss das moralische und intellektuelle Gewissen der Menschheit sein".





Schlagwörter

Wahl, UNESCO, Audrey Azoulay

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-13 21:38:13
Letzte Änderung am 2017-10-13 21:39:47


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