• vom 28.12.2017, 15:33 Uhr

Kulturpolitik

Update: 28.12.2017, 16:41 Uhr

Kulturjahr 2018

Brodeln hinter den Kulissen




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Von Judith Belfkih

  • 2018 wird im Kulturbereich ein Jahr der Vorbereitungen - Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Startet im Jänner als Tanzquartier-Chefin: Bettina Kogler.

Startet im Jänner als Tanzquartier-Chefin: Bettina Kogler.© apa/Elas Okazaki Startet im Jänner als Tanzquartier-Chefin: Bettina Kogler.© apa/Elas Okazaki

Wien. Das Direktoren- und Intendantinnen-Karussell wird 2018 eine recht gemächliche Runde drehen. Besonders rege wird das Kommen und Gehen auf den Spitzenposten der Kulturinstitutionen jedenfalls - zumindest planmäßig - nicht. Wer kommt, wer geht, wer will bleiben? Ein Überblick.

In eine neue Intendanz startet am 25. Jänner Bettina Kogler als Chefin im Tanzquartier Wien - sie will mit einem intensiven Auftaktswochenende ein "Zeichen für Diversität" setzen und das Haus stärker lokal verwurzeln. Ebenfalls eine neue Richtung wird 2018 der Steirische Herbst einschlagen. Nach elf Jahren hat Veronica Kaup-Hasler das Avantgarde-Festival verlassen, neue Intendantin ist die gebürtige Russin Ekaterina Degot - sie leitete zuletzt die städtische Kölner Kunstinstitution "Akademie der Künste der Welt" und steht für politisch engagierte Kunst. Eher der leichten Muse wird sich heuer wohl Peter Edelmann als neuer künstlerischer Direktor in Mörbisch widmen.


Erfolgskurs und Neustart
Wer ebenfalls 2018 starten soll, aber noch nicht bestellt ist: die neue Leitung der Viennale. Für das Wiener Filmfestival sind - nach dem überraschenden Tod des Langzeitdirektors Hans Hurch im vergangenen Juli - 29 Bewerbungen eingegangen. Eine Entscheidung soll im Jänner fallen. Aus dem Festival hört man, man wünsche sich eine internationale Leitung, "die nicht mit den Wiener Cliquen verbunden ist".

Ein kleiner Neustart steht bei den Wiener Festwochen bevor: Intendant Tomas Zierhofer-Kin hat nach einem problematischen Start das Team neu aufgestellt: Zwei Kuratoren mussten gehen, vier neue sind gekommen. Ebenfalls in die zweite Saison, jedoch mit einem fulminanten Start im Rücken geht Markus Hinterhäuser als Intendant der Salzburger Festspiele. Er setzt seinen Weg mit künstlerisch hochwertigen, neuen Zugängen fort. Auch Elisabeth Sobotka geht ihren erfolgreichen Weg in Bregenz weiter, ihr Vertrag als Festspiel-Chefin wurde gerade bis 2022 verlängert.

In ihre letzten Spielzeiten gehen hingegen einige Chefs von großen Wiener Bühnen. Während das Theater in der Josefstadt mit Herbert Föttinger und die Volksoper mit Robert Meyer in bewährten Händen sind und Anna Badora dabei ist, dem Volkstheater nach und nach Kontur zu verleihen, stehen andere Flaggschiffe vor sich bereits abzeichnenden größeren Umwälzungen. An der Wiener Staatsoper bereitet der designierte Chef Bogdan Roščić die Saison 2010/21 vor, am Burgtheater feilt Regisseur Martin Kušej an seinem ersten Programm für 2019/20, das für so manchen politischen oder ästhetischen Theater-Aufreger sorgen könnte. Und im Theater an der Wien plant Stefan Herheim bereits seinen Start 2022. Dass sich an diesen Bestellungen noch etwas ändert, ist unwahrscheinlich.

Im Museumsbereich ist Stella Rollig 2017 fliegend im Belvedere eingezogen, im Kunsthistorischen Museum bereitet sich Eike Schmidt auf seinen Antritt 2019 vor. Nicht zur Disposition stehen derzeit etwa die Posten von Johanna Rachinger in der Nationalbibliothek, Hans-Peter Wipplinger im Leopold und Matti Bunzl im Wien Museum. Bestellungen beziehungsweise Verlängerungen stehen jedoch 2018 in einigen Museen an: Die Verträge von Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder und der Direktorin des Technischen Museums, Gabriele Zuna-Kratky, laufen bis Ende 2019, jene von Christian Köberl im Naturhistorischen Museum und von Karola Kraus im Mumok bis 2020. Spektakuläre personelle Umschichtungen sind hier nicht zu erwarten.

Strukturreform
Doch auch wenn der eingeschlagene Weg für viele Institutionen durch bereits entschiedene neue Intendanzen vorgezeichnet scheint, sind 2018 Überraschungen nicht ausgeschlossen - und sei es durch tektonische Verschiebungen im (politischen) Hintergrund. Das Kulturprogramm der neuen Bundesregierung könnte mit einigen Vorhaben für Unruhe und Veränderungen sorgen - nicht nur durch angekündigte Evaluierung und Neustrukturierung der Subventionen und der Einführung von noch zu definierenden Leistungs- und Qualitätskriterien. Die Neustrukturierung der Bundestheater-Holding könnte zu unerwarteten - auch personellen - Veränderungen führen. Die angekündigten Synergien in Verwaltung und Organisation anderer Kulturinstitutionen des Bundes könnten zumindest für Wirbel sorgen.

Schlanker, effizienter und planbarer soll die heimische Kunst dadurch 2018 werden. Es liegt im Wesen der Kunst und ihrer unabdingbaren Freiheit, sich genau mit diesen Ansinnen auch kritisch auseinanderzusetzen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-28 15:38:06
Letzte Änderung am 2017-12-28 16:41:04


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