• vom 11.04.2018, 13:38 Uhr

Kulturpolitik

Update: 11.04.2018, 13:49 Uhr

Museum

Hollein wechselt die US-Küste




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  • Max Hollein verlässt San Francisco für die Leitung des New Yorker Metropolitan Museums.

Beeindruckende Vita: der österreichische Kulturmanager Max Hollein. - © Frank Rumpenhorst/dpa

Beeindruckende Vita: der österreichische Kulturmanager Max Hollein. © Frank Rumpenhorst/dpa

New York. (cb/apa) "Ich habe es nie als Kriterium für mich gesehen, dass ich die allergrößte oder bedeutendste Institution führen muss. Ich wollte vielmehr immer an dem Ort, in dem Museum, in der Aufgabe sein, wo ich das Gefühl habe, mit der eigenen Arbeit einen Unterschied zu machen." Bescheidene Worte, die Max Hollein da im Interview mit der "Wiener Zeitung" vor einem Jahr sagte. Vor allem in Anbetracht des schillernden Portfolios an Museumshäusern, die der Österreicher weltweit schon geleitet hat - und dem er nun ein weiteres renommiertes Haus hinzufügt: Hollein wird die Leitung des New Yorker Metropolitan Museums übernehmen.

Der Wiener Museumsmanager, der seit 2016 dem Fine Arts Museum in San Francisco vorsteht, wird ab Sommer das renommierte Metropolitan Museum in New York leiten. Es ist der nächste Schritt auf der Karriereleiter für den 48-Jährigen, dessen Vita sich höchst beeindruckend liest.


Venedig und Frankfurt
Geboren wurde der Sohn des Architekten Hans Hollein am 7. Juli 1969 in Wien. Nachdem er in seiner Heimatstadt Betriebswirtschaft und Kunstgeschichte studiert hatte, zog es ihn bereits ein erstes Mal in den Big Apple, wurde er doch Projektleiter für Ausstellungen am Solomon R. Guggenheim Museum in New York. Später war Hollein unter anderem für den Aufbau der Ausstellungshallen Deutsche Guggenheim Berlin und Guggenheim Las Vegas sowie die Eröffnungsaktivitäten des Guggenheim Museum in Bilbao verantwortlich.

Nachdem er 2000 den amerikanischen Pavillon bei der Architekturbiennale in Venedig kuratierte, übernahm Hollein im Folgejahr sein erstes großes Haus: Er kam an die Spitze der Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2006 erweiterten die Direktion des Städel Museums und der Liebighaus Skulpturensammlung seinen Aufgabenbereich. Die Kunstmuseen machten unter seiner Führung immer wieder mit spektakulären Ausstellungen von sich reden, etwa zu Raffael, Dürer oder Monet. Das Städel wurde saniert und mit einem Neubau erweitert - ein guter Teil der Kosten konnte über Sponsoren und Spenden aufgebracht werden.

Neben seiner erfolgreichen Kulturmanagement-Tätigkeit kuratierte Hollein in dieser Zeit auch selbst etliche Ausstellungen, etwa über Jonathan Meese und Julian Schnabel oder die Themenschau "Shopping". Seinen Abgang bedauerte man in Frankfurt auch angesichts Rekordbesucherzahlen naturgemäß: Hollein sei einer der "erfolgreichsten und visionärsten Direktoren" gewesen und habe die Häuser "in völlig neue Dimensionen geführt". Aber schließlich reizte ihn ein "neues Abenteuer", so Hollein vor seinem Amtsantritt in San Francisco.

Mit 1. Juni 2016 übernahm er das Fine Arts Museum an der Westküsten-Metropole. Unter seiner Leitung wurde Ausstellungen zum "Summer of Love" oder Edgar Degas realisiert, aber auch seine österreichischen Wurzeln bediente Hollein. So brachte er mit Kurator Tobias Natter die erste große Klimt-Schau nach San Francisco.

Schulden und Restitution
Seine Tätigkeit für das Fine Arts Museum definierte er aber auch als "Managementaufgabe", seien die unter diesem Dach vereinten Museen doch mehrere Jahre ohne Führung gewesen. "Die Leute merken, dass das große Flaggschiff jetzt stark Segel setzt", verwies er auf neuerliche Besucherrekorde unter seiner Führung sowie teils intensiv diskutierte Interventionen etwa von Sarah Lucas und Urs Fischer.

Nun stehen für Hollein, der 2005 Kommissär des Österreich-Pavillons der Biennale di Venezia war sowie anlässlich des Mozart-Jahres 2006 das Salzburger Avantgardefestivals "kontra.com" verantwortete, neue Aufgaben an: Immerhin gehört das 1870 gegründete Metropolitan Museum, kurz Met genannt, zu den bekanntesten Häusern weltweit und umspannt mit seinen Sammlungen mehr als 5000 Jahre Kunst- und Kulturgeschichte. Das jährliche Budget liegt bei mehr als 300 Millionen Dollar, zuletzt verzeichnete man mit rund sieben Millionen Besuchern einen Rekord.

Das Haus machte im Vorjahr aber auch negative Schlagzeilen: Ein hoher Schuldenstand sowie die Absage eines geplanten Anbaus sorgten für Kritik. Im Sommer 2017 legte der Brite Thomas Campbell schließlich den Direktionsposten zurück.

Zudem wird sich Hollein intensiv mit der Provenienz vieler Kunstwerke beschäftigen müssen. Denn auch im "Met" ist Raubkunst ein großes Thema. Mehr als 90 Prozent der Bestände kommen von Privatpersonen - mit oft ungeklärter Provenienz. Die "Welt" berichtet, dass sich das Museum in der Vergangenheit gegenüber rechtmäßigen Erben oft nicht kooperativ gezeigt hat.




Schlagwörter

Museum, New York, Max Hollein

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-11 13:42:09
Letzte Änderung am 2018-04-11 13:49:18


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