• vom 18.04.2018, 17:48 Uhr

Kulturpolitik


Wiener Kulturpolitik

Die Baustellen der Stadtkultur




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Von Christoph Irrgeher

  • Mitte Mai erhält Andreas Mailath-Pokorny einen Nachfolger: Welche Aufgaben der neue Stadtrat anzupacken hat.



Starkünstler grüßen, Galas beehren, Auszeichnungen verleihen: Wer folgt Mailath-Pokorny ins Amt des Kulturstadtrats?

Starkünstler grüßen, Galas beehren, Auszeichnungen verleihen: Wer folgt Mailath-Pokorny ins Amt des Kulturstadtrats?© PID/Jobst, Kromus Starkünstler grüßen, Galas beehren, Auszeichnungen verleihen: Wer folgt Mailath-Pokorny ins Amt des Kulturstadtrats?© PID/Jobst, Kromus

Wer sich unter dem Begriff Kulturstadtrat nichts Genaues vorstellen kann, besuche die Website der Wiener Rathauskorrespondenz. 1183 Fotos dokumentieren hier die Tätigkeit von Andreas Mailath-Pokorny. Der Stadtrat, wie er auf der Gala-Bühne spricht. Wie er ein Kleinfestival beehrt. Wie er einem Festspiel-Tanker einen neuen Intendanten zuführt. Und wie er Ehrungen überreicht, deren es insgesamt viele waren. Am 24. Mai legt Mailath-Pokorny seinen Posten nieder, er blickt dann auf 17 Jahre in Kulturamt und -würden zurück.

Freilich: So lichtvoll, wie es die Werke der Rathaus-Fotografen nahelegen, ist im Rückblick nicht alles. Zwar hat Mailath-Pokorny, der mit dem Dienstantritt des neuen SPÖ-Wien-Chefs Michael Ludwig den Hut nimmt, Erfolge vorzuweisen. Er hat sich aber zugleich den Ruf erworben, mit kräftigen Akzenten eher zu geizen. Und nicht zuletzt: Er hinterlässt seinem Nachfolger (bisher gerüchteweise kolportiert: Thomas Drozda, Josef Ostermayer, Ernst Woller) einige Baustellen.


Langzeit-Projekt Wien Museum
Als solche gilt etwa das Wien Museum - jedoch nicht im wörtlichen Sinn. 2008 hat Mailath-Pokorny erstmals einen Um- oder Neubau des städtischen Museums angekündigt; der Plan hat sich aber bis heute nicht zur Betonmasse verdichtet. Zwar wurde inzwischen ein Architekturwettbewerb entschieden, auch die Finanzierungsfrage wurde zuletzt beantwortet. Das Eröffnungsband und die Schere werden aber noch einige Zeit in der Rathaus-Schublade ruhen. Bisher hat die Stadtregierung nur den Willen bekundet, Gesamtkosten in Höhe von 108 Millionen Euro zu schultern - Kritiker gehen aber von einem doppelt so hohen Aufwand aus. Zudem ist der Baubeginn weiterhin ein Fall für die Kristallkugel.



Um Millionenbeträge geht es auch bei den Vereinigten Bühnen Wien (VBW). Hier hat die Stadtregierung Großes bewegt, nämlich das Theater an der Wien 2006 aus seiner Musical-Zwangsjacke befreit. Als neu geborenes Opernhaus hat es seither einen Glanz entwickelt, der auch die internationale Presse lockt. Nun muss man zwar sagen: Die Opernabende des Hauses, von handverlesenen Künstlern für eine Handvoll Aufführungen geschaffen, sind ein kostspieliger Luxus. Er schafft aber künstlerischen Ertrag.

Lässt sich das auch von der anderen VBW-Sparte behaupten? Es scheint mittlerweile ein kommunales Naturgesetz zu sein, dass die Stadt zwei Bühnen (Ronacher und Raimundtheater) mit Musical bespielt. Dabei steht die Praxis auf wackeligem Erfolgsboden: Jedes Musical läuft über Monate, soll Vorstellung für Vorstellung Massen anlocken. Ein Ziel, das nur noch wenige zeitgenössische Musicals stemmen. Ein neuer Kulturstadtrat könnte diesen selbstgewählten Erfolgsdruck hinterfragen. Er müsste dies aber im Einvernehmen mit der Wien Holding tun. Die ist nämlich Konzernmutter der VBW und hat auf ihre Tochter angeblich mehr Einfluss als ein familienfremder Kulturpolitiker.

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Dokument erstellt am 2018-04-18 17:54:22


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