• vom 15.06.2018, 10:08 Uhr

Kulturpolitik

Update: 15.06.2018, 13:16 Uhr

Prüfbericht

Rechnungshof tadelt Staatsoper




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Von Christoph Irrgeher

  • Die Ticket-Vergabe sei zum Teil "intransparent", vor allem orten die Prüfer Luft nach oben bei den Kartenerlösen.

Sieht sich Kritik ausgesetzt: Direktor Dominique Meyer.

Sieht sich Kritik ausgesetzt: Direktor Dominique Meyer.© apa Sieht sich Kritik ausgesetzt: Direktor Dominique Meyer.© apa

Wien. Bereits im Jänner sind die Vorwürfe durchgesickert, nun liegen sie offiziell vor: Der Rechnungshof (RH) durchleuchtete die Wiener Staatsoper und hat in seinem Endbericht einiges zu beanstanden.

In der Hauptsache nehmen die Prüfer (sie untersuchten die Geschäftsjahre 2011/12 bis 2014/15) den Kartenverkauf aufs Korn. Am Beginn der Spielzeit 2014/15 habe die Staatsoper etwa rund 30.000 Tickets an Kartenbüros verkauft. Der RH kritisiert diesen Vorgang nicht, wohl aber, dass das Opernhaus bei diesem "intransparenten" Geschäft an keine Vorgaben gebunden war und auch nicht dem Vier-Augen-Prinzip folgen musste - das Risiko der Korruption sei damit nicht auszuschließen. Der RH rät dem Haus deshalb, Richtlinien zur Kartenvergabe zu erstellen; die Staatsoper hat in ihrer Stellungnahme zu dem Bericht bereits angekündigt, diese Empfehlungen umzusetzen.


Der RH sieht außerdem Luft nach oben bei den Kartenerlösen. Es sei zum Beispiel nicht nachvollziehbar, warum "Vereine, die Karten nicht ausschließlich an Jugendliche verkauften, ohne Gegenleistung Preisermäßigungen von bis zu 60 Prozent erhielten". Wenig Freude haben die Prüfer auch mit den Gratis-Karten für die Ehrengäste des Opernballs: 320 Tickets sind es im Jahr 2016 gewesen. Und: Die Staatsoper, so eine weitere Empfehlung, solle die Tickets für besonders begehrte Vorstellungen zum bestmöglichen Preis verkaufen und dieses Geschäft nicht anderen Anbietern überlassen.

Auch Bühnenorchester
in der Kritik

Überdies monieren die Prüfer, dass das Bühnenorchester unterbeschäftigt sei. Damit ist nicht das Staatsopernorchester im Graben gemeint. Im Unterschied dazu ist das Bühnen-Ensemble für jene Szenen zuständig, in denen eine Oper Musik auf (oder hinter) der Szene verlangt. Diese Musiker sind laut Kollektivvertrag zu durchschnittlich 9794 Diensten im Jahr verpflichtet, aber von diesem Sollwert weit entfernt. Laut RH leisten sie nur 59 Prozent davon - oder 74, wenn man ihre Vertretungsdienste im Orchestergraben dazurechnet. Sollte sich daran nichts ändern, plädiert der RH dafür, "den Anstellungsgrad der Musikerinnen und Musiker zu vermindern".

Insgesamt eine Million Euro bar ausbezahlt
Die Kontrolleure tadeln aber auch Barauszahlungen am Haus: Insgesamt 1,1 Millionen Euro in Scheinen seien im untersuchten Zeitraum geflossen. Diese Praxis sei - wiewohl in stark verringertem Ausmaß - auch weitergeführt worden nach einem diesbezüglichen Verbot durch die Bundestheaterholding im Februar 2014, als die Dimensionen des Finanz-Skandals am Burgtheater allmählich klar zutage traten.

Eine letzte Schelte erntet das Live-Streaming der Wiener Staatsoper: 2013 mit neuester Technologie eingeführt, habe es bis zum Zeitpunkt der RH-Prüfung keine Gewinne eingebracht. In der Saison 2014/15 standen Einnahmen von 81.000 Euro Kosten von deren 413.000 gegenüber.

Auf diese Kritik hat die Staatsoper bereits im Jänner reagiert, als das Magazin "News" die Vorwürfe erstmals öffentlich machte. Das Opernhaus betonte damals, dass für das Streaming 1,4 Millionen Euro an Sponsorengeldern lukriert und dadurch unter anderem sämtliche Investitionen getragen wurden. Die Erlöse kämen daher direkt dem Haus zugute, und diese seien seit der ersten Saison des Vollbetriebs (2013/14) deutlich gestiegen. "Viele Opernhäuser bieten Livestreamings von Vorstellungen als Marketingmaßnahme an, wir sind aber das einzige Haus, das Einnahmen daraus erzielt", erklärte ein Staatsopern-Sprecher.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-15 10:13:24
Letzte Änderung am 2018-06-15 13:16:24


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