• vom 25.06.2018, 17:37 Uhr

Kulturpolitik

Update: 25.06.2018, 17:49 Uhr

Wiener Festwochen

Neugier auf Irritation




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  • Der Belgier Christophe Slagmuylder folgt Tomas Zierhofer-Kin als Chef der Wiener Festwochen.

Will zeitgenössisches Theater nicht als etwas Elitäres verstehen: Christophe Slagmuylder. - © Bea Borgers

Will zeitgenössisches Theater nicht als etwas Elitäres verstehen: Christophe Slagmuylder. © Bea Borgers

Wien. (cb) Die erst wenige Wochen amtierende Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler zeigt sich auch weiterhin als eine Frau schneller Entscheidungen - oder als ausgesprochen gut vorbereitet. Einen Tag nach Ende der aktuellen Ausgabe der Wiener Festwochen verkündete sie das Vertragsende des umstrittenen Intendanten Tomas Zierhofer-Kin. Eine knappe Woche später hat Kaup-Hasler nun auch bereits eine Lösung für das angeschlagene Festival gefunden. Am Montagnachmittag wurde bestätigt, dass Christophe Slagmuylder das Festival 2019 leiten soll.

Der 51-jährige Belgier gilt als Spezialist für Gegenwartstheater, zeitgenössische Kunst, visuelle Theorie und ist ein umtriebiger Geist: Slagmuylder leitet seit 2007 als Nachfolger von Frie Leysen (sie war 2014 Schauspielchefin der Festwochen) das renommierte "Kunstenfestivaldesarts" in Brüssel. Das Festival zeigt Bühnenkunst, die die Grenzen zwischen Sprechtheater, Tanz und bildender Kunst aufhebt.


Slagmuylder ging dort bereits 2002 an Bord, seit 2007 leitet er das Festival. Ende Februar war er zum Programmdirektor des Festivals "Theater der Welt" designiert worden, das im Mai 2020 in Düsseldorf stattfinden wird. Slagmuylder wird daher die Wiener Festwochen vorerst nur interimistisch 2019 leiten. Eine Ausschreibung für die Festival-Ausgaben ab 2020 sei alsbald geplant, hieß es am Montag aus dem Büro der Stadträtin, Details dazu und zum Vertrag mit Slagmuylder sollen am Mittwoch bekanntgegeben werden.

Slagmuylder wurde 1967 in Brüssel geboren, studierte dort Kunstgeschichte und wurde Dozent für visuelle Theorie. Mitte der 1990er Jahre fing er an, sich für darstellende Kunst zu interessieren, zunächst als Produzent, dann als Programmplaner für Künstler seiner Heimatstadt.

Austausch von Ideen
"Festivals sind besondere Orte", hat Slagmuylder kürzlich erklärt: "Sie können es sich erlauben, sich abseits der ausgetretenen Pfade zu bewegen. Sie bieten eine außergewöhnliche Erfahrung der Gegenwart, indem sie Künstler und künstlerische Arbeiten aus verschiedenen Teilen der Welt auf Zeit zusammen bringen. Sie eröffnen die Möglichkeit, die Zukunft zu denken, indem sie den Austausch von Ideen befördern."

Seine Mission ist es, für Avantgarde zu begeistern: "Zeitgenössisches Theater kann jeden erreichen, es ist nichts Elitäres", sagt Christophe Slagmuylder, "man muss die Leute nur neugierig machen, sie spüren lassen, dass sie willkommen und gemeint sind. Dann sind sie auch bereit, Unbekanntes anzusehen und irritierende Erfahrungen zu machen."

Das klingt zumindest nach einer einladenderen Vermittlung des Festival-Programms, als sie Bald-Ex-Festwochen-Chef Tomas Zierhofer-Kin gelungen ist. Ein Blick auf die heurige Ausgabe des von Christophe Slagmuylder verantworteten "Kunstenfestivaldesarts" offenbart freilich alte Bekannte: Das spanische Künstlerkollektiv von El Conde de Torrefiel war heuer, die analfixierte Performance der brasilianischen Truppe Macaquinhos war im Vorjahr bei den Wiener Festwochen mit überschaubar freundlicher Resonanz zu Gast.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-25 17:43:37
Letzte Änderung am 2018-06-25 17:49:36


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