• vom 31.07.2018, 15:22 Uhr

Kulturpolitik

Update: 21.08.2018, 14:51 Uhr

Causa Erl

Maestro auf Zwangspause




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  • Schwere Vorwürfe zwingen den Festspiele-Erl-Intendant Gustav Kuhn zum Rückzug.

ABD0043_20180330 - ERL - ...STERREICH: Intendant Gustav Kuhn wŠhrend der ProgrammprŠsentation fŸr die Wintersaison 2018/19 der Tiroler Festspiele Erl, am Freitag 30. MŠrz 2018, in Erl. - - © APA/EXPA/JOHANN GRODER

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Wien/Erl. (irr) Der Druck war offenbar zu groß geworden: Nachdem fünf Frauen mit vollem Namen Belästigungsvorwürfe erhoben und zwei von ihnen Details in der "ZiB 2" geschildert hatten, zog der Betroffene die Konsequenzen: Gustav Kuhn, Intendant und Dirigent der Tiroler Festspiele Erl, stellt seine Funktion mit sofortiger Wirkung vorläufig ruhend. Er wolle damit weiteren Schaden von dem Festival abwenden.

Die Entscheidung fiel am Dienstag bei einer Sitzung des Stiftungsvorstandes der Festspiele. Kuhn weist die Vorwürfe weiterhin zurück, hieß es. Gleichwohl begrüßt der Vorstand – darin vertreten: das Land Tirol, der Bund und Sponsor Hans Peter Haselsteiner – die Entscheidung. Mit der interimistischen Leitung wird Stellvertreter Andreas Leisner betraut. Die Vorwürfe würden ernst genommen und untersucht, wurde versichert. Ob Kuhn zurückkehre, hänge nicht nur von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, sondern auch von der Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt ab.

Der Fall war im Februar ins Rollen gekommen. Der Tiroler Blogger Markus Wilhelm veröffentlichte auf seiner Homepage dietiwag.org anonyme Anschuldigungen, die in polemischen Worten ein "modernes Sklaventum", Lohndumping und sexuelle Belästigungen durch Kuhn anprangerten. Ein Gerichtsstreit folgte: Sowohl das Festival als auch Kuhn, der die Vorwürfe bestreitet, klagten Wilhelm. Auch der Industrielle Haselsteiner nahm den Dirigenten in Schutz. Sein Strabag-Konzern unterstützt das Festival jährlich mit 1,3 Millionen Euro, der Tycoon spendet außerdem einen Betrag, über den er den Mantel des Schweigens hüllt.

Vermeintliche Beruhigung

In der Folge stieg der politische Druck – immerhin wird das Festival auch von der öffentlichen Hand finanziert: Bund und Land Tirol steuern je 1,1 Millionen Euro pro Jahr bei. Die Festspiele versuchten es mit einem Befreiungsschlag: Sie legten ihre Finanzen offen und richten eine Ombudsstelle für (präsumtive) Opfer sexueller Gewalt ein. Es schien, dass weitere Konsequenzen ausbleiben würden: Im Juni schickte die Richterin den Akt aus dem Prozess Kuhn gegen Wilhelm an die Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde prüfte die Aussagen, die Vorwürfe waren verjährt. Wenig später stand eine außergerichtliche Einigung mit Wilhelm im Raum. Zu Festspielbeginn im Juli sparte Mäzen Haselsteiner in seiner Rede nicht mit Spitzen an den Kritikern – und stärkt seinem Maestro jovial den Rücken: dessen Vorlieben "Wein, Weib und Gesang sind etwas, was wir gut nachvollziehen können".

Fünf ehemalige Mitwirkende konnten das offenbar nicht: Sie schrieben in der Vorwoche einen Brief, in dem Vorwürfe erstmals mit vollem Namen erhoben werden; die Anschuldigungen reichen von sexuellen Avancen über Mobbing bis zum Grapschen auf Brüste und in den Schritt. Die Grünen und die SPÖ forderten daraufhin Konsequenzen. Diese sind nun am Dienstag – vorerst – gezogen worden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-31 15:23:39
Letzte Änderung am 2018-08-21 14:51:23


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