• vom 11.09.2018, 16:13 Uhr

Kulturpolitik

Update: 11.09.2018, 17:45 Uhr

Ausbau

Schließung als Chance




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Von Christoph Irrgeher

  • Das Wien Museum bereitet sich auf seinen Ausbau vor: Ab Februar 2019 wird das Haus gesperrt sein.

Hoffentlich bald: ein Blick auf das aufgestockte Wien Museum. - © CWR Architekten

Hoffentlich bald: ein Blick auf das aufgestockte Wien Museum. © CWR Architekten

Wien. Selten ist eine Schließung so triumphal verkündet worden. "Wir werden hier am 3. Februar 2019 sperren", erklärte Matti Bunzl am Dienstag vor Journalisten. Der Grund für die gute Laune des Direktors: Seit zehn Jahren wartet das Wien Museum auf einen Umbau, nun nehmen die Pläne endlich Gestalt an.

Zwar wird am besagten 3. Februar noch "nicht der Bagger vor der Tür stehen", sondern erst einmal das Haus ausgeräumt werden. Und es ist auch nicht in Stein gemeißelt, dass die Arbeiten danach umgehend beginnen, gilt es doch, noch einige Vorarbeiten zu leistet: Projektleitung und -management müssen entschieden, Baufirmen ausgeschrieben, Bescheide eingeholt werden. Womöglich könnte sich der Baubeginn ins Jahr 2020 verschleppen, die Neueröffnung gar erst 2024 stattfinden. Bunzls Euphorie hat trotzdem ihre Berechtigung: Das Schließdatum ist der erste konkrete Zipfel für jenes Projekt, das dem beengten Museum zwei zusätzliche Stockwerke bescheren soll.


Raumgewinn en masse
Offiziell ist von einer "vertikalen Erschließung" die Rede: Das Büro Certov, Winkler + Ruck ist damit vor drei Jahren als Sieger aus einem Architekturwettbewerb hervorgegangen. Der aufwendige Plan sieht ein Zusatz-Stockwerk vor, das über dem historischen Bau von Oswald Haerdtl gleichsam schweben soll. Auf dieser Etage, gestützt durch eine raffinierte Trägerkonstruktion, werden künftig die Sonderausstellungen logieren und mit 1200 Quadratmeter fast doppelt so viel Platz besitzen wie bisher. Das Geschoß zwischen Neu- und Altbau soll für Veranstaltungen offen stehen; die Dauerausstellung, bisher auf 2000 Quadratmeter untergebracht, kann sich auf deren 3000 im Haerdtl-Haus ausweiten.

Während des Umbaus will das Museum aber nicht dem dolce far niente frönen. Kernbotschaft von Direktor Bunzl: Die Schließung sei auch eine Chance für die Programmfantasie. Tatsächlich sind für das heurige, aber auch für das nächste Jahr einige Projekte geplant. Vorerst im gewohnten Rahmen: Ab 24. Oktober würdigt die Schau "Die erkämpfte Republik" deren 100-Jahr-Jubiläum; ab November rückt das Haus seine eigene Geschichte in den Blick und weist unter dem Titel "Gemma, gemma" auf den (hoffentlich) baldigen Umbau hin.

Weil das Museum bald auch nicht mehr von Schülern besucht werden kann, wird es selbst in die Klassen kommen und dort Projektwochen abhalten. Die Termine für die aktuelle Saison sind schon ausgebucht, Anmeldungen für das Schuljahr 2019/20 werden angenommen. Ein weiteres Projekt: Da die Dauerausstellung längere Zeit nicht zu sehen sein wird, schickt das Wien Museum einige Kronjuwelen nach Japan. Die Schau "Vienna on the Path to Modernism" zeigt dort im nächsten Jahr unter anderem Arbeiten von Klimt und Schiele.

"Wollen und werden bauen"
Das Wiener Publikum soll aber auch nicht leer ausgehen. Das Museum auf Abruf (Musa) beim Rathaus wird als Ausweichquartier dienen und vorerst zwei Ausstellungen bieten. Die erste gilt - mit einem gewissen Augenzwinkern - dem Thema Lagerung und beleuchtet ab Februar 2019 unter dem Titel "Wo Dinge wohnen" das Phänomen "Selfstorage". Ab Mai wird dem "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit Tribut gezollt.

Laut Bunzl soll mittelfristig auch die Baustelle am Karlsplatz bespielt werden; Ideen gebe es, spruchreif sei aber noch nichts. Fix sei jedenfalls, dass die Bagger kommen: "Wir wollen und wir werden bauen."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-11 16:24:12
Letzte Änderung am 2018-09-11 17:45:29


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