Kunstkammer reloaded: Ausstellungsdetail aus Andersons und Maloufs Auswahl im KHM. - © KHM
Kunstkammer reloaded: Ausstellungsdetail aus Andersons und Maloufs Auswahl im KHM. - © KHM

Nach Ed Rusha und Edmund de Waal waren der prominente Filmemacher Wes Anderson und seine Partnerin Juman Malouf an der Reihe, die Depots der Sammlungen des Kunsthistorischen Museums für eine Ausstellung zu durchforsten, inklusive Schloss Ambras, Theatermuseum, Welt Museum, Schatzkammer und Naturhistorisches Museum. Letzteres lässt in alter Wiedervereinigung von besonderen Mineralien wie Malachitdrusen oder Emu-Eiern von 2018 den alten Traum der "Kunst- und Wunderkammer" der Renaissance-Studiolos an Fürstenhöfen aufleben.

Der Titel "Spitzmaus Mummy in a Coffin and Other Treasures" verrät weiters, dass es dabei weniger um Meisterwerke als um ausgefallene Randphänomene geht, die "kleinen Dinge" oder nach eigenen Kategorien strukturierte Objekte und Gemälde, die außerhalb der normalen Spurensuche der museal tätigen Kuratorenschaft liegen.

Die Ordnung der kleinen Dinge

Das Künstlerpaar ist dabei nach anfänglicher Verzweiflung über die enorme Anzahl der Objekte, die zumeist in den Depots schlummern, aber auch über den zeitlichen Bogen zurück in die Vorzeit bis zu Fossilien einem wahren Rausch verfallen: Anderson und Malouf wählten etwa 430 unterschiedliche Exponate aus, dabei sind an die 200 noch nie der Öffentlichkeit zugänglich gewesen, 350 stammen aus den Depots. Doch auch bekannte Objekte aus den Schausammlungen, wie das kleine Selbstbildnis der Hofmalerin Sofonisba Anguissola oder die Porträtreihe der Familie des Haarmenschen Petrus Gonsalvus aus Ambras, wurden durch die genauen Zeichnungen Maloufs teilweise vor Ort ersetzt, womit sich die im Nepomuk-Berger-Saal der Kunstkammer von Margula Architects eingebauten intimen sechs "Wunderkammern" viel weiter ausbreiten.

Wie kann die Auswahl des erfolgreichen Filmemachers aus Texas (zuletzt: "Isle of Dogs"), der gerade geboren wurde, als Andy Warhol 1969 die erste Intervention eines Künstlers in einem historischen Museum vornahm, charakterisiert werden? Die große Menge der Exponate fällt nicht unbedingt auf, außer vielleicht im Raum für kleine Dinge. Im Fokus stehen jeweils Form, Größe, Farbe, Holz als beispielgebendes Material, sowie schöne Futterale von Kronen und Instrumenten oder eine alte leere Vitrine des Nepomuk-Berger-Saals. Wie Ko-Kurator Jasper Sharp verrät, muss unterschieden werden zwischen ihrer (Maloufs) und seiner (Andersons) Auswahl - doch die Ordnung der Dinge stammt wohl von beiden.

Fast kunsthistorisch gewählt kommen die zahllosen Porträts der Habsburger als stilles Zentrum der Sammlungen weg. Dabei interessierten vor allem die Kinderbildnisse, der Kinderharnisch und natürlich die abstrusen Totenbildnisse der Kaiser. Was manieristisch klingt - eine wilde Mischung aus Natur- und Kunstgegenständen, aus Tierporträts und geschnitzten Spiel- und Scherz-Objekten, Instrumenten, Masken, Helmen und Kostümen -, erinnert natürlich an Werner Hofmanns-Festwochenschau "Zauber der Medusa". Denn auch Hofmann erkor das Depot der Kunstkammer zum Mittelpunkt.