• vom 06.11.2018, 15:57 Uhr

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Update: 06.11.2018, 16:49 Uhr

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Maiscalibur: Wer hat denn diesen Maiskolben in den harten Beton getrieben? Der Merlin natürlich. Nachname: Kratky.

Maiscalibur: Wer hat denn diesen Maiskolben in den harten Beton getrieben? Der Merlin natürlich. Nachname: Kratky.© Merlin Kratky Maiscalibur: Wer hat denn diesen Maiskolben in den harten Beton getrieben? Der Merlin natürlich. Nachname: Kratky.© Merlin Kratky

Skulpturen sind die besseren Haustiere

(cai) Angezogen sind sie wie Autos. Einige von ihnen zumindest. Wieso, was haben Autos denn so an? Üblicherweise Lack.

Nein, ich besitze keinen Führerschein. Auf die glänzenden Skulpturen vom Mario Dalpra (fremdartige Kreaturen, Mischwesen, sinnliche Exotik) darf aber sogar ich abfahren. Und ein paar von denen, die in der Galerie Gans parken, enthüllen jetzt endlich, was sich unterm Lack befindet. Sie zeigen ihre Unterwäsche? Falsch. Nackte Haut. Aus klassischer Bronze sind sie also. Es hätte ja auch Kunststoff sein können, oder? "Sunny Figure": ein Gute-Laune-Gelb, das mit seinen geschmeidigen Schlangenbewegungen jeden Anflug von Winterdepression wegräkelt. Eigentlich eine Liegende im Lack-Catsuit. Bloß Kopf oder Füße schauen reizvoll metallisch heraus. Eher extrovertiert: "The big all direction." Eine Art Pflanze, die in alle Richtungen grapscht (oder winkt). Der wurden die Fingerspitzen poliert, von einer blaugrünen Patina befreit. Witzig: Der Grapscher (oder ist das dieser ominöse Watschenbaum?) hat 13 "Hände" und auf der Preisliste zufällig die Nummer 13. Und Nummer sechs auf der Liste ist sexy. Und männlich. Geradezu phallisch. Dabei unschuldig weiß. Aber mit einem verschmitzten rosa Schimmer.

Von den Maori-Tätowierungen inspiriert sind die Muster der "Tattoo Figures". Dekorativ. (Und das ist kein Schimpfwort.) He, ist das ein Leopard? Ein bissl weniger handzahm ist er, kantiger, als der Rest, den man schon zwanghaft streicheln muss. Dalpra: "Ich liebe ästhetische Formen, die Harmonie, die Perfektion." Na ja, vielleicht nicht nur. Seine "Schreitende" hat er jedenfalls im Schritt hochglanzpoliert. Aber das mit der Ästhetik, der Harmonie und der Perfektion kriegt er echt gut hin. Okay, dafür sind seine Acrylbilder - sehr bunt.

Galerie Gans
(Kirchberggasse 4)
Mario Dalpra, bis 17. November
Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 12 - 15 Uhr

Hinten ist das neue Vorn

(cai) Keine Angst, die Ausstellung heißt zwar "Dead or Alive", aber es ist niemand in Lebensgefahr. In der Galerie Frey. Oder natürlich schon. Denn eigentlich werden ja alle Besucher sterben. Irgendwann halt. Der Merlin Kratky allerdings wird der Nachwelt wenigstens was hinterlassen: seine Knochen.

Ja, die aus seinem Körper vermutlich auch. Doch definitiv diese Monsterdinger, die locker von einem Titanosaurier stammen könnten, also diese einschüchternden Mahnmale der Sterblichkeit (oder gleich des Aussterbens). Die sind nämlich aus Beton. Und der ist extrem haltbar. Kratky: "Wenn man noch viel von uns ausgraben wird, wird’s wahrscheinlich Beton sein. Das Ikonenmaterial der Neuzeit." Und da sorgt er ja fleißig vor. Dass die Archäologen von ihm einmal etwas finden werden. Den skurrilen Zickzack-Knochen etwa. Ist das schwarzer Humor? Oder einfach ein Z, der letzte Buchstabe des Alphabets, das Ende? Der rohe Beton bleibt oft brutal sichtbar. Die Erde ist sowieso bald der graue Planet. Wenn sie weiter so zubetoniert wird. Der Erwin-Wurm-Schüler macht das Grau freilich eh bunter. Und gesünder. Reichert es mit Vitaminen an. Und wie hat er den Maiskolben oder die Banane reingerammt? Vielleicht wie dieser andere Merlin das Schwert Excalibur in den Stein? Mit Magie? Nein, vielmehr hat er das gar nicht. Er hat das (perfekt gefälschte) Obst und Gemüse bloß auseinandergeschnitten. Der Beton ist übrigens schon echt. Nur eben mit Polyester optisch bekömmlicher gemacht. Originelle Früchtestillleben. (Und die halten still, die Früchte. Die sind quasi einbetoniert, hallo?)

Während Kratky selber gern einen Blick unter die Oberfläche wirft, lässt er uns bei seinem Brennholz ("Firewood") nicht unter die Rinde spechteln. (Holz: ein lebendiger Werkstoff. Der Baum ist tot, aber das Holz lebt weiter.) Jedes Guckloch hat er bunt verschlossen, die Schnittflächen versiegelt. Gemein. (Oder lustig.) "The Day Philosophy Becomes Mainstream": Patchworkbilder, die die andere graue Masse herausfordern - das Hirn. Ein paar sind offenbar verkehrt herum aufgespannt. Ist das wahre Bild also auf der Rückseite? Oder gibt’s jetzt zwei Rückseiten? Eine vorn, eine hinten? Knifflig. Hier wird überhaupt frech hinter die Dinge geschaut. Oder zumindest unterstellt, dass dahinter was wäre.

Galerie Frey
(Gluckgasse 3)
Merlin Kratky, bis 14. November
Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-11-06 16:07:10
Letzte Änderung am 2018-11-06 16:49:20


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Geboren 1979 in Bregenz, 2001- 2005 Studium Medienübergreifende Kunst bei Prof. Bernhard Leitner, Universität für Angewandte Kunst... weiter




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Geboren 1985 in Wien; 2004- 2011 Studium der Bildenden und Medialen Kunst, Fotografie, an der Universität für Angewandte Kunst Wien... weiter




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