Bilder, die Geschichten erzählen: Arnold Schönberg hielt beim "Begräbnis von Gustav Mahler", 1911, das Unwetter fest. - © Wien Musem
Bilder, die Geschichten erzählen: Arnold Schönberg hielt beim "Begräbnis von Gustav Mahler", 1911, das Unwetter fest. - © Wien Musem

Mehr als ein Jahrzehnt kämpfte das Wien Museum für Umbau und Sanierung des Oswald-Haerdtl-Gebäudes von 1959, das außer einer Überdachung des Atriums und neu gestaltetem Eingangsbereichs durch Dimitris Manikas schon in bedenklichem Zustand eingerüstet vor sich hin bröckelt - nun ist es so weit. Am 4. Februar startet der Archen-ähnliche Neubau auf dem denkmalgeschützten Altbau, bis dahin wird im 1. Stock auf den Flächen der zuletzt gefeierten Otto-Wagner-Schau die Ausstellung "Gemma, Gemma. Das Wien Museum im Aufbruch" Richtung Zukunft geblickt.

Unter Spezialisten

Zu Beginn wird neben einem Video Stefanie Hilgarths zum Erweiterungsprojekt jeden Freitagnachmittag Direktor Matti Bunzl als Auskunftsperson für das Publikum Sprechstunden abhalten. Wünsche, Anregungen und sicher auch so manche Beschwerde werden am runden Tisch entgegengenommen.

Den größten Teil der Schau nimmt der hundert Jahre alte Wandfries Oskar Laskes (1874 - 1951) für das ehemalige Kriegswaisenheim in Rodaun ein. Nicht nur als passendes Thema für den Auszug hat Kuratorin Ursula Storch die Tierpaare der Arche Noah in dynamischer Bewegung ausgewählt, sie ermöglichen auch Einblick in die Museumsarbeit durch eine Schaurestaurierung während der Ausstellung, die ebenso Fragen des Publikums berücksichtigt. Etwa die Hälfte des achtzig Meter langen Frieses in vielen Einzelteilen ist bis jetzt restauriert, dazu kommen Laskes genaue Skizzen zur Anbringung von 1919. Nie zuvor ist er in dieser Dimension als Spezialist für Tiermalerei präsentiert worden, obwohl er als Architekt bei Otto Wagner ausgebildet wurde und im Ersten Weltkrieg nach seiner Offiziers-Laufbahn als Kriegsmaler tätig war. Die dünnen Ölgemälde auf minimaler Grundierung wurden schon beim Umbau 1943 abgenommen und dem Museum übergeben. Seit 2006 arbeiten Studierende der Restaurierungsklasse an der Akademie am gewaltigen Unterfangen mit. Den Nachbarraum nimmt eine besondere Schenkung ein, die auf eine geplante monografische Schau von Kurator Andreas Nierhaus vorausweist: die Erben von Architekt Karl Schwanzer (1918 - 1975) haben den Nachlass dem Wien Museum übergeben. Hier sind drei Bauten ausgewählt, die zu ihrer Entstehungszeit von Sigrid Neubert abgelichtet wurden: Schwanzers Wohnhaus in Währing von 1962, das 2014 abgerissen wurde, die Bauten für BMW in München 1973 und die Österreichische Botschaft in Brasilia 1975. Zum Nachlass in vielen Metallkisten gehören neben Plänen, Fotografien, Filmen und Büchern auch Möbelstücke, die er für seine Gebäude designt hat.

Wechselfälle

Der Verein der Freunde des Wien Museums existiert seit 1987 und hat fehlendes Ankaufsbudget ausgeglichen, dabei kamen in 31 Jahren Fotografien (Robert Haas beispielsweise), Möbel, Kleider, Kupferstiche, eine Sonnenuhr von 1880, Architekturpläne und einige Gemälde in die Sammlungen, die, besondere Geschichten erzählen. Eva-Maria Orosz hat etwa Arnold Schönbergs "Das Begräbnis Gustav Mahlers" von 1911 als besonders Beispiel in die Auswahl integriert, da der bekannte Zwölftonmusiker das Unwetter während der Beerdigung festgehalten hat. Schönberg hatte das Bild beim Pokern an einen Freund verloren, dessen Nachfahren, verkauften es nun an das Museum. Auch das Porträt Julius Tandlers, das Herbert Boeckl 1930 malte, kam durch Spenden der Freunde des Museums hinzu.

Im letzten Saal wurde, nach Wahl der Kuratoren Gerhard Milchram und Matti Bunzl, für jedes Jahrzehnt seit Gründung der Ersten Republik ein typisch erscheinender Gegenstand ausgewählt, dabei sind nicht nur Plakate, Bücher oder Fotografien, sondern auch Bruno Kreiskys Tennisschläger von 1975 und ein Kostüm vom Life-Ball 2014, das Conchita Wurst trug. Alle Exponate kehren hoffentlich 2023 in die erneuerte Arche am Karlsplatz zurück.