• vom 13.11.2018, 16:18 Uhr

Kunst

Update: 13.11.2018, 16:42 Uhr

Galerien

Kunst




  • Artikel
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Galerien

Satanismus? Nein, Physik. Allein Spannung hält die Edelstahlbänder von Karl Vonmetz zusammen.

Satanismus? Nein, Physik. Allein Spannung hält die Edelstahlbänder von Karl Vonmetz zusammen.© Galerie Straihammer & Seidenschwann Satanismus? Nein, Physik. Allein Spannung hält die Edelstahlbänder von Karl Vonmetz zusammen.© Galerie Straihammer & Seidenschwann

Zebras tragen keine Karos

(cai) Ordnung - ist das nicht bloß was für Zwangsneurotiker? Oder gibt’s auch eine zwangsneurotische Unordung? (Ja, bei mir daheim.) Und ist Ordnung nicht sowieso das halbe Chaos? Ein bissl dürfte das wie mit der Henne und dem Ei sein. Was war zuerst da? Nicht, dass die Ordnung das Chaos legen und ausbrüten würde, um dann selber daraus zu schlüpfen. Oder warum eigentlich nicht? Was, wenn das Chaos einfach eine komplexere Form der Ordnung wäre? Eine höhere Ordnung?

Esther Stocker (eine Schwarzweißmalerin - manchmal sogar mit Grautönen) hat sichtlich Freude an den Ausnahmen von der Regel: "Systemlosigkeit lässt sich nur durch Systeme beschreiben. Sie ist Teil des Systems." Oder wie Peter Krobath das in seiner Galerie vor einem ihrer Rasterbilder formuliert hat: "Im Prinzip ist das a komplett geordnetes Bild. Wenn net die Unordnung drin wär." (Ist nicht die ganze Welt ein Raster? Aus Längen- und Breitengraden?) Taumelnde konzentrische Quadrate, Streifen rutschen ab. Und ein Muster hat das alte Zebraproblem. (Nur dass Zebras halt keine Karos tragen.) Also schwarzer Raster auf Weiß oder lauter weiße Quadrate auf Schwarz? Na ja, da die Quadrate anfangen, aus ihrer Ordnung rauszubröckeln: weiße Quadrate auf Schwarz. Problem gelöst.

Sogar die Fehler sind makellos. Präzise Störungen der Perfektion. (Sind das dann überhaupt Fehler?) Und sorgen für Bewegung auf der Fläche. Für dynamische Raumillusionen. Für Spannung und geile Irritation. Raum und Bewegung holt Stocker aber auch viel direkter aus der gerasterten Fläche raus. Indem sie sie wie Papier zerknüllt und förmlich in die Galerie hineinwirft. Theoretisch als Sitzmöbel verwendbar. In der Praxis hab ich mich allerdings wie eine Vandalin gefühlt. Wie jemand, der einen Fehler macht, der nicht perfekt ist.

Galerie Krobath
(Eschenbachgasse 9)
Esther Stocker, bis 20. November
Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr

Kunst ist echt nix für Schwächlinge

(cai) Vier Männer braucht der Karl Vonmetz, der Stahlbändiger, schon einmal, um seine widerspenstigen Edelstahlbänder zu zähmen, die sich hier so genüsslich und sexy in ihrem Spiegelglanz räkeln. Welche Kräfte und Energien in diesen komplex verschlungenen Endlosschleifen gespeichert sind (nicht, dass man einen Schlag bekommen würde, wenn man sie berührt - hab’s vorsichtig ausprobiert), lässt sich höchstens erahnen.

He, ein Pentagramm! Noch dazu ein umgekehrtes. Keine Angst, das ist kein Satanismus, das ist Physik. Die fünf Stahlbänder halten allein durch Spannung zusammen. Und die Sinnlichkeit des Materials wird sowieso überall voll ausgekostet. Farbeffekte, eine Sonne glüht im Metall, das Vonmetz auch gern wie ein Bild aufhängt. Sein "Tragbarer Ring" (Goldschmied ist er ebenfalls): Humor ist, wenn man das trotzdem ernst nimmt, also das mit dem "tragbar". Denn man schleppt sich mit dem Ding ja total ab und die Schwerkraft will es einem dauernd vom Finger ziehen. Wäre das ein Edelstein, nicht Edelstahl, so hätte der locker 15.000 Karat. Tja, nix für Schwächlinge eben.

Im Kabinett der Galerie Straihammer und Seidenschwann legt dann der H. H. Capor ein umfassendes Geständnis ab. Mit Beweisfotos und -videos. Obwohl nicht ganz klar ist, um welches Delikt genau es sich eigentlich handelt. Sachbeschädigung? (Einmal hat er schließlich einen Nagel eingeschlagen.) Dummheit? Weil er am Tatort doch immer sein Foto mit seinem Namen hinterlässt. Diebstahl ist das jedenfalls keiner. Im Gegenteil. Er hat ja was gebracht. Sein Porträt eben. Hat es in den Hotels zu den Gesichtern der berühmten Gäste dazugeschummelt. ("Warum hängt der dort - und ich nicht?") Mit enormer krimineller Energie.

Hat in Phnom Penh gar die Vitrine mit Jackie Kennedys Cocktailglas aufgebro- . . . geöffnet. Okay, dass er selber Lippenstift aufgetragen, in der Hotelbar was getrunken und das leere Glas nachher zu dem von der Jackie gestellt hätte, so weit ist er nicht gegangen. Und zum Glück ist er Fotograf und kein Maler. In den Louvre reinzumarschieren, die "Mona Lisa" in der Besenkammer zu verstecken und dafür einen Capor hinzuhängen, wäre weitaus schwieriger. Und illegaler. Hochkomisch, aber auch ein bissl traurig.

Galerie Straihammer und Seidenschwann
(Grünangergasse 8/3)
Karl Vonmetz und H. H. Capor,
bis 24. November
Di. - Fr.: 13 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-11-13 16:28:20
Letzte Änderung am 2018-11-13 16:42:31


Bildende Kunst

Claudia Larcher

Geboren 1979 in Bregenz, 2001- 2005 Studium Medienübergreifende Kunst bei Prof. Bernhard Leitner, Universität für Angewandte Kunst... weiter




Fotografie

Catharina Freuis

Geboren 1985 in Wien; 2004- 2011 Studium der Bildenden und Medialen Kunst, Fotografie, an der Universität für Angewandte Kunst Wien... weiter




Fotografie

Nina Rike Springer

Geboren 1976 in Klagenfurt; 2001- 2007 Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien und an der Bauhaus-Universität in Weimar; zahlreiche... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Unwägbarkeiten von Körper und Klang
  2. Martha, Martha, du entschwandest
  3. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
  4. In der Kraftkammer
  5. Mit Furor zum Feuerzauber
Meistkommentiert
  1. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
  2. Led Zeppelin: Als das Luftschiff fliegen lernte
  3. Martha, Martha, du entschwandest


Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913


Werbung