Satanismus? Nein, Physik. Allein Spannung hält die Edelstahlbänder von Karl Vonmetz zusammen. - © Galerie Straihammer & Seidenschwann
Satanismus? Nein, Physik. Allein Spannung hält die Edelstahlbänder von Karl Vonmetz zusammen. - © Galerie Straihammer & Seidenschwann

Zebras tragen keine Karos

(cai) Ordnung - ist das nicht bloß was für Zwangsneurotiker? Oder gibt’s auch eine zwangsneurotische Unordung? (Ja, bei mir daheim.) Und ist Ordnung nicht sowieso das halbe Chaos? Ein bissl dürfte das wie mit der Henne und dem Ei sein. Was war zuerst da? Nicht, dass die Ordnung das Chaos legen und ausbrüten würde, um dann selber daraus zu schlüpfen. Oder warum eigentlich nicht? Was, wenn das Chaos einfach eine komplexere Form der Ordnung wäre? Eine höhere Ordnung?

Esther Stocker (eine Schwarzweißmalerin - manchmal sogar mit Grautönen) hat sichtlich Freude an den Ausnahmen von der Regel: "Systemlosigkeit lässt sich nur durch Systeme beschreiben. Sie ist Teil des Systems." Oder wie Peter Krobath das in seiner Galerie vor einem ihrer Rasterbilder formuliert hat: "Im Prinzip ist das a komplett geordnetes Bild. Wenn net die Unordnung drin wär." (Ist nicht die ganze Welt ein Raster? Aus Längen- und Breitengraden?) Taumelnde konzentrische Quadrate, Streifen rutschen ab. Und ein Muster hat das alte Zebraproblem. (Nur dass Zebras halt keine Karos tragen.) Also schwarzer Raster auf Weiß oder lauter weiße Quadrate auf Schwarz? Na ja, da die Quadrate anfangen, aus ihrer Ordnung rauszubröckeln: weiße Quadrate auf Schwarz. Problem gelöst.

Sogar die Fehler sind makellos. Präzise Störungen der Perfektion. (Sind das dann überhaupt Fehler?) Und sorgen für Bewegung auf der Fläche. Für dynamische Raumillusionen. Für Spannung und geile Irritation. Raum und Bewegung holt Stocker aber auch viel direkter aus der gerasterten Fläche raus. Indem sie sie wie Papier zerknüllt und förmlich in die Galerie hineinwirft. Theoretisch als Sitzmöbel verwendbar. In der Praxis hab ich mich allerdings wie eine Vandalin gefühlt. Wie jemand, der einen Fehler macht, der nicht perfekt ist.

Galerie Krobath
(Eschenbachgasse 9)
Esther Stocker, bis 20. November
Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr

Kunst ist echt nix für Schwächlinge