Streifen mag man eben (und frau): Op-Art von Hildegard Joos ("Reduction"). - © Suppan Fine Arts
Streifen mag man eben (und frau): Op-Art von Hildegard Joos ("Reduction"). - © Suppan Fine Arts

Wie viel wiegt eine Sekunde?

(cai) Raum, das ist doch das Ding mit den drei Dimensionen. Wiegen sollte der selber aber eigentlich nix. Eh nicht. Behauptet auch keiner. Sonst hieße die Ausstellung, die sogar vierdimensional ist (ein vierdimensionales Raum-Zeit-Kontinuum in der Lukas Feichtner Galerie), ja "Schwere - Leichtigkeit des Raumes" und nicht "im Raum".

Wolfgang Becksteiner (sein Name hört sich irgendwie schwer an - wegen dem Stein drin) verblüfft die Besucher gleich einmal mit einem Zaubertrick. So was wie die schwebende Jungfrau, nur halt mit Beton. Okay, man sieht Schnüre (oder genau genommen Stäbe). Trotzdem: Wie hält der Beton an denen? Ein Metallgerüst in Quaderform, und in den Ecken hängen lässig die (vermeintlichen) Restln eines massiven Betonblocks herum. Warum fallen die nicht runter? Ultraleichtbeton? (Nein.)

Der Keller wird dann zur imposanten begehbaren Zeichnung. Ist mit einem schwerelosen Gewirr aus schwarz überzogenen Stahlstangen "vollgekritzelt". ("Als der Strich begann, den Raum für sich zu entdecken.") Ausgang kriegen die Linien ebenfalls: "If lines go outside for a while." Zuerst gräbt sich der Künstler mit der Fräse in ein Brettl hinein wie eine Armee Holzwürmer und nachher wildert er dieses für ein halbes Jahr aus. Lässt Wetter und Sonne den Rest erledigen. Ist es alt und grau genug (ein Porträt der Zeit?), hat das Bild wieder Hausarrest.

Musik ist sowieso dreidimensional (Surround-Sound und so). Und zugleich eine Scheibe. (Aus Vinyl, eine CD . . .) Hier ist jeder Ton eine Scheibe. Die rhythmisch aufgefädelten "Tonscheiben" (Ton ohne "Be") hat Siavosh Banihashemi wiederum mit der Flöte vertont. Und die Klänge (markant wie die sichtbaren Objekte) streifen jetzt gemeinsam mit dem Betrachter durch den Raum. (Und die Zeit.)

Lukas Feichtner Galerie
(Seilerstätte 19)
Wolfgang Becksteiner
Bis 8. Dezember
Di. - Fr.: 10 - 18, Sa.: 10 - 16 Uhr

Erst schauen, dann sehen