• vom 20.11.2018, 17:00 Uhr

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Update: 21.11.2018, 12:57 Uhr

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Streifen mag man eben (und frau): Op-Art von Hildegard Joos ("Reduction").

Streifen mag man eben (und frau): Op-Art von Hildegard Joos ("Reduction").© Suppan Fine Arts Streifen mag man eben (und frau): Op-Art von Hildegard Joos ("Reduction").© Suppan Fine Arts

Wie viel wiegt eine Sekunde?

(cai) Raum, das ist doch das Ding mit den drei Dimensionen. Wiegen sollte der selber aber eigentlich nix. Eh nicht. Behauptet auch keiner. Sonst hieße die Ausstellung, die sogar vierdimensional ist (ein vierdimensionales Raum-Zeit-Kontinuum in der Lukas Feichtner Galerie), ja "Schwere - Leichtigkeit des Raumes" und nicht "im Raum".

Wolfgang Becksteiner (sein Name hört sich irgendwie schwer an - wegen dem Stein drin) verblüfft die Besucher gleich einmal mit einem Zaubertrick. So was wie die schwebende Jungfrau, nur halt mit Beton. Okay, man sieht Schnüre (oder genau genommen Stäbe). Trotzdem: Wie hält der Beton an denen? Ein Metallgerüst in Quaderform, und in den Ecken hängen lässig die (vermeintlichen) Restln eines massiven Betonblocks herum. Warum fallen die nicht runter? Ultraleichtbeton? (Nein.)

Der Keller wird dann zur imposanten begehbaren Zeichnung. Ist mit einem schwerelosen Gewirr aus schwarz überzogenen Stahlstangen "vollgekritzelt". ("Als der Strich begann, den Raum für sich zu entdecken.") Ausgang kriegen die Linien ebenfalls: "If lines go outside for a while." Zuerst gräbt sich der Künstler mit der Fräse in ein Brettl hinein wie eine Armee Holzwürmer und nachher wildert er dieses für ein halbes Jahr aus. Lässt Wetter und Sonne den Rest erledigen. Ist es alt und grau genug (ein Porträt der Zeit?), hat das Bild wieder Hausarrest.

Musik ist sowieso dreidimensional (Surround-Sound und so). Und zugleich eine Scheibe. (Aus Vinyl, eine CD . . .) Hier ist jeder Ton eine Scheibe. Die rhythmisch aufgefädelten "Tonscheiben" (Ton ohne "Be") hat Siavosh Banihashemi wiederum mit der Flöte vertont. Und die Klänge (markant wie die sichtbaren Objekte) streifen jetzt gemeinsam mit dem Betrachter durch den Raum. (Und die Zeit.)

Lukas Feichtner Galerie
(Seilerstätte 19)
Wolfgang Becksteiner
Bis 8. Dezember
Di. - Fr.: 10 - 18, Sa.: 10 - 16 Uhr

Erst schauen, dann sehen

(cai) Man braucht hier vor allem eins. Oder am besten gleich zwei: Augen. Nicht zuletzt wegen der "Autobinären Stereobilder" vom Alfons Schilling (1934 - 2013). Um die voll auszukosten, muss man sich nämlich ein Prisma-Monokel vorhalten und derweil mit dem anderen Auge normal weiterschauen. Schaust du noch oder siehst du schon? (Den 3D-Effekt.) Durch den Rest der Ausstellung bei Suppan Fine Arts schlägt man sich zur Not aber auch mit einem Auge durch.

"Geometric Diversity" ist eine klug gehängte Schau zum Gustieren, die alte und neuere abstrakt-geometrische, analytisch-konstruktivistische Positionen spannend dialogisch versammelt und die zum Glück nicht so trocken ist wie dieser Satz. Op-Art (von "optical"): Ach, gibt’s Bilder, die nicht optisch sind? Die op-artigen sind jedenfalls besonders optisch. Täuschen mit irritierenden Mustern. Der Parade-Op-Artist Victor Vasarely (1906 - 1997) hat sich da etwa auf der Fläche einen Raum "zusammengewürfelt", auf den sogar ein Pirat mit Augenklappe reinfallen würde.

Sieben Männer und eine Frau - he, derselbe Frauenanteil wie im Haushalt der sieben Zwerge (12,5 Prozent)! Nicht, dass die Werke von Hildegard Joos (1909 - 2005) die schönsten im ganzen Land wären, alle übrigen hier also weniger sehenswert. Obwohl Joos’ Op-Art und ihre dynamischen "Verschiebungen" natürlich herausragend sind. Verspielter: ihre "Narrativen Geometrismen". Einen Spieltrieb haben andere auch. Herbert Bayer (1900 - 1985) baut aus Bauklötzen ein"Arab Village", Georg Salner (geboren 1958) legt ein 40-teiliges Puzzle, das irgendein System zu erklären scheint ("Isolation XL" - XL: extra large? 40 auf Römisch!), und Christian Hutzinger (Jahrgang 1966) spielt humorvoll mit der Balance in der perfekten Ordnung.

Dass die Geometrie eine Sprache ist, beweist Auguste Herbin (1882 - 1960), der Wörter in Farben und Formen übersetzt. Freilich für den Betrachter nimmer dekodierbar. Dafür erklärt "Blau" von Hermann J. Painitz (1938 - 2018) anschaulich die Caesar-Verschlüsselung und löst so sogar selbst das Rätsel, wo da das Blau versteckt ist: in den Buchstaben CMBV. Schauen macht Spaß und uns definitiv gescheiter.

Suppan Fine Arts
(Seilerstätte 3C)
Geometric Diversity
Bis 30. November
Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 14 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-20 17:10:25
Letzte Änderung am 2018-11-21 12:57:09


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