(cai) Man braucht hier vor allem eins. Oder am besten gleich zwei: Augen. Nicht zuletzt wegen der "Autobinären Stereobilder" vom Alfons Schilling (1934 - 2013). Um die voll auszukosten, muss man sich nämlich ein Prisma-Monokel vorhalten und derweil mit dem anderen Auge normal weiterschauen. Schaust du noch oder siehst du schon? (Den 3D-Effekt.) Durch den Rest der Ausstellung bei Suppan Fine Arts schlägt man sich zur Not aber auch mit einem Auge durch.

"Geometric Diversity" ist eine klug gehängte Schau zum Gustieren, die alte und neuere abstrakt-geometrische, analytisch-konstruktivistische Positionen spannend dialogisch versammelt und die zum Glück nicht so trocken ist wie dieser Satz. Op-Art (von "optical"): Ach, gibt’s Bilder, die nicht optisch sind? Die op-artigen sind jedenfalls besonders optisch. Täuschen mit irritierenden Mustern. Der Parade-Op-Artist Victor Vasarely (1906 - 1997) hat sich da etwa auf der Fläche einen Raum "zusammengewürfelt", auf den sogar ein Pirat mit Augenklappe reinfallen würde.

Sieben Männer und eine Frau - he, derselbe Frauenanteil wie im Haushalt der sieben Zwerge (12,5 Prozent)! Nicht, dass die Werke von Hildegard Joos (1909 - 2005) die schönsten im ganzen Land wären, alle übrigen hier also weniger sehenswert. Obwohl Joos’ Op-Art und ihre dynamischen "Verschiebungen" natürlich herausragend sind. Verspielter: ihre "Narrativen Geometrismen". Einen Spieltrieb haben andere auch. Herbert Bayer (1900 - 1985) baut aus Bauklötzen ein"Arab Village", Georg Salner (geboren 1958) legt ein 40-teiliges Puzzle, das irgendein System zu erklären scheint ("Isolation XL" - XL: extra large? 40 auf Römisch!), und Christian Hutzinger (Jahrgang 1966) spielt humorvoll mit der Balance in der perfekten Ordnung.

Dass die Geometrie eine Sprache ist, beweist Auguste Herbin (1882 - 1960), der Wörter in Farben und Formen übersetzt. Freilich für den Betrachter nimmer dekodierbar. Dafür erklärt "Blau" von Hermann J. Painitz (1938 - 2018) anschaulich die Caesar-Verschlüsselung und löst so sogar selbst das Rätsel, wo da das Blau versteckt ist: in den Buchstaben CMBV. Schauen macht Spaß und uns definitiv gescheiter.

Suppan Fine Arts
(Seilerstätte 3C)
Geometric Diversity
Bis 30. November
Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 14 Uhr