• vom 22.11.2018, 17:38 Uhr

Kunst

Update: 22.11.2018, 17:51 Uhr

Ausstellungskritik

Das wirre Gebilde Leben




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Kunstraum Nestroyhof präsentiert Fritz Steinkellners neue Werkgruppen zum Thema "Was kommt".

Ausschnitt aus "Dastehen"(2015/16). - © Philipp Steinkellner

Ausschnitt aus "Dastehen"(2015/16). © Philipp Steinkellner

Immer wieder einmal taucht der 1942 in Kärnten geborene Fritz Steinkellner als ein konsequent künstlerische Medien Überschreitender mit neuen Arbeitsexperimenten auf. Diesmal im Kunstraum Nestroyhof mit zwei Werkserien: Zum einen großformatige Bilder zum Thema "Was kommt" im Sinne der Hinterfragung des Zufallsfunds realer Alltagssituationen, zum anderen beweglich hängend montierte, gegenstandslose Collagen mit dem Titel "Neue Überlegungen - variabel".

Steinkellner wurde nach seinem Akademiestudium in den 1970er Jahren mit besonderen Siebdrucken bekannt, die architektonische und landschaftliche Elemente abstrahierend vereinten und thematisch Umbrüche des Surrealismus in postmoderne konzeptuelle Untersuchungsfelder sichtbar machten. Dabei war er bei aller Eigenwilligkeit den Untersuchungen Bruno Gironcolis, Walter Pichlers und auch Max Peintners oder sogar Francis Bacon - zwischen Malerei und Objekt, aber auch zwischen Malerei und optischer Wissenschaft - nahe.

Information

Ausstellung

Fritz Steinkellner: Was kommt

Christine Janicek (Kuratorin)

Kunstraum Nestroyplatz

Bis 5. Jänner

Heute erstaunen die Inhalte der monumentalen Gemälde aus den letzten beiden Jahren, da sie auf den ersten Blick scheinbar Alltägliches widerspiegeln, doch sehr schnell umspringen in künstlerische Grundfragen von Perspektive, Komposition, Einsatz von Rückenfiguren, Wechsel von Malerei, Grafik und Fotografie. Geometrische Raumlinien liegen über zufälligen Versatzstücken von Fundmaterial aus Foto-Magazinen. Immer ist das Machen vom Handwerklichen, die Situation im Atelier, das Abdrücken des Auslösers einer Kamera oder das Collagieren von Steinkellners sogenannten Fingerprints mit dem wilden Wechsel zwischen Medien und Techniken verbunden.

Neben der Aufgabe, diese räumlichen Umspringeffekte und Selbstbefragungen der künstlerischen Tätigkeit in ein eigenes Konzept umzuwandeln, bleibt aber zum witzigen Wortspiel "verzetteln" ein hoher sinnlicher Anteil des Pinselstrichs und kleine illusionistische Täuschungseffekte an der Oberfläche: Die Offenheit seiner Kunstauffassung verschlüsseln Steinkellners Bildfindungen jedoch zu Rätseln. Die im oberen Raum von der Decke hängenden Collagen vereinen die verzettelten Grundkonzepte von Farbstiftproben auf kreisförmigen Papieren mit der Form von Paletten, die als ausgeschnittene Aquarelle auf malerisch dunkler Ölmalerei fixiert sind. Die Jute ist nicht auf Keilrahmen gespannt und Perfektion der Überlappung passiert mittels Magneten statt Klebstoff - auch hier ergeben sich Fragen nach Raumplastiken, die wie die großformatigen Bilder auch architektonische Maßeinheiten als Zitate mit sich führen. Die perfekte Verschmelzung von Konstrukten, auch Zitate aus Lehrbehelfen künstlerischer Forschung mit allen Brüchen einer unkontrollierbaren Welt, in der wir immer wieder Ordnungen suchen, die aber baldigem Zerfall preisgegeben sind, hat schon Kristian Sotriffer als Steinkellners Wagnis beschreiben, auf ständig unerforschtes Terrain vorzudringen.

Anstatt einem markigen Stil für Kunstmarkt und Wiedererkennbarkeit in der Kunstszene zu erzeugen, bringt er uns das Machen und die Bildfindung als Denkform näher.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-11-22 17:49:32
Letzte Änderung am 2018-11-22 17:51:35


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