• vom 07.12.2018, 07:30 Uhr

Kunst

Update: 07.12.2018, 13:22 Uhr

Art Basel

Vorweihnachtlicher Kunsthotspot: die 17. Art Basel und die Art Week in Miami, Miami Beach




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Von Christof Habres

  • Vorweihnachtlicher Kunsthotspot: die 17. Art Basel und die Art Week in Miami.

Im Kunstrausch: Die Petzel Gallery zeigt im Hintergrund das Rekordbild von Maria Lassnig.

Im Kunstrausch: Die Petzel Gallery zeigt im Hintergrund das Rekordbild von Maria Lassnig.© Art Basel/PG Im Kunstrausch: Die Petzel Gallery zeigt im Hintergrund das Rekordbild von Maria Lassnig.© Art Basel/PG

Miami Beach. Der plötzliche Temperatursturz hat die meisten Besucher und Galeristen der VIP-Preview der Art Basel sprichwörtlich kalt erwischt. Als sich nach Ende des Eröffnungstages der Kunstmesse Heerscharen von Sammlern und Kunsthändlern vom Convention Center zur Willkommensfeier ins nahegelegene Bass Museum aufmachten, herrschten für das sonnenverwöhnte Miami Beach frostige Temperaturen. Derart frostig, dass einige Sammler und Kuratoren auf das Anstehen vor dem kürzlich renovierten, zeitgenössischen Museum verzichteten und in die umliegenden - auch gut gekühlten - Bars und Restaurants flüchteten.

Der unterkühlte Empfang der Kunstliebhaber zum Start der 17. Ausgabe der weltweit bedeutendsten Kunstmesse hat Symbolcharakter. Die Zeiten der überhitzen Kaufabschlüsse, wo alle großen Deals innerhalb der ersten Stunden erledigt werden mussten, gehören der Vergangenheit an. Nun sehen sich Interessierte eher mit der diplomatischen Aussage konfrontiert, dass man mehr Zeit habe, eingehender über Kunstwerke und Künstler zu diskutieren, weil sich der Besucherandrang am Tag der Preview in Grenzen gehalten habe, wie es eine Galeristin aus Madrid formulierte.


Preisschlachten
Aber zurück an den Anfang der Art Week in Miami. Noch vor wenigen Jahren reichte die Dauer des montäglichen Fluges von Frankfurt nach Miami gerade einmal aus, um sich im voll besetzten Flieger mit der anreisenden Kunstmischpoche aus Europa halbwegs auszutauschen, wie eine Expertin eines großen Auktionshauses konstatierte. Heuer entstiegen Kunst-Aficionados relativ erfrischt den Fliegern aus Zürich, München oder Frankfurt, weil sie aufgrund der geringeren Buchungslage viel mehr Beinfreiheit und Platz zum Schlafen hatten.

In Miami Beach erwartete sie das neue Messezentrum: Nach zwei Jahren Umbau erstrahlt der Austragungsort im neuen Design der Stararchitekten Herzog und de Meuron. Aus dem 1950er-Jahre-Shabby-Chic ist ein großzügiges, helles Messezentrum auf der Höhe der Zeit entstanden. Die Stadtregierung von Miami Beach hat dafür, auf Betreiben der Messe Schweiz, mehr als 500 Millionen Dollar investiert.

Zu den Highlights des Eröffnungstages: Selbstverständlich reüssieren Galerien weiterhin mit ausgezeichneten Arbeiten beim internationalen Sammlerpublikum. Wie zum Beispiel Thaddaeus Ropac mit einem Baselitz um 900.000 Euro, Carolina Nitsch mit einer Zeichnung von Tracy Emin um 390.000 Euro, die Kasmin Gallery mit einem Frank Stella um 3,8 Millionen Dollar oder Petzel Gallery mit einer Arbeit von Maria Lassnig um 550.000 Euro. Eine neue Rekordsumme für die österreichische Künstlerin, nachdem erst vor knapp einer Woche beim Auktionshaus im Kinsky mit 504.000 Euro ein Rekord vermeldet wurde.

Ein sehr interessantes Beispiel, inwieweit aktuelle Museumsausstellungen die Präsenz und Preisgestaltung einer Künstlerin bei einer Kunstmesse beeinflussen, zeigt sich beim Werk der bolivianisch-amerikanischen Künstlerin Donna Huanca. Die noch laufende, beeindruckende und ausgezeichnete Ausstellung der 1980 in Chicago geborenen Künstlerin im Unteren Belvedere in Wien wurde für sie zu einem prägenden Referenzprojekt. Großflächige, ungemein intensive Arbeiten der Künstlerin sind nicht nur in renommierten Privatsammlungen wie jener der Rubells in Miami zu bewundern, sondern Leinwände der Künstlerin sind bei der Messe auch bei anerkannten Galeriengrößen zu entdecken - wie Peres Projects aus Berlin oder der Londoner Simon Lee Gallery. Eine internationale Resonanz, die auch - moderat - Einfluss auf die Preisgestaltung genommen hat, wie Nick Koenigsknecht von Peres Project eingesteht: "Wir haben die Preise etwas angehoben. Aber auch im Hinblick darauf, um anstehende Projekte mit der Künstlerin realisieren und finanzieren zu können", erklärt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Wobei die Preise für ihre Arbeiten (Großformate 285 x 220 cm um 50.000 Euro, kleinere Formate um 25.000 Euro) bei deren Qualität im Umfeld einer internationalen Kunstmesse wie der Art Basel fast als Mezzie zu bezeichnen sind.

17. Art Basel Miami Beach

Convention Center, bis 9. Dez.
Info: www.artbasel.com




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-06 17:04:59
Letzte Änderung am 2018-12-07 13:22:41


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