Adolf Frohner befasste sich mit der Fotografie als Gegenposition zur Malerei. - © Frohner
Adolf Frohner befasste sich mit der Fotografie als Gegenposition zur Malerei. - © Frohner

Während der Aufarbeitung des Archivs von Adolf Frohner durch Kuratorin Elisabeth Voggeneder wurde sichtbar, dass sein Interesse an der Fotografie stark war und eine ganze Reihe von Variationen des Dialogs zwischen
Kamera und malerischem Prozess behandelt, wie bei ande-
ren Malern seiner Generation, etwa Gerhard Richter oder Francis Bacon.

Pornographie und Rosenblätter

Zuerst ließ sich Frohner - ähnlich wie Bacon - durch meist schockierende Fotos aus Magazinen zu figuralen Kompositionen anregen. Doch auch Fotos der Werke von Künstlern wie Jean Dubuffet, Alberto Giacometti oder auch Hermann Nitsch kombinierte er in der Collage "Tag und Nacht" 1984, gemischt mit historischen und pornografischen Aufnahmen und roten Farbrinnen. In dieser aktionistischen Collage folgte Frohner der junge Heinz Cibulka, bevor er mit seinen Fotogedichten bekannt wurde. Sein "Rosenbild" von 1976 ist eine der wenigen erhaltenen bildsprachlichen Reihen auf Stoff, die das erotische Foto eines befreundeten Modells mit Naturmaterialien wie Rosenblättern zu einem lyrischen Ganzen verbinden.

Frohner war seit den 1960er Jahren nach seinem kurzen Intermezzo beim Abendakt von Herbert Boeckl an der Akademie ständig mit einer Kiev-88-Kamera unterwegs. Er suchte Anregungen im Alltag, vor allem, frei nach Leonardo da Vincis Anweisung, sich an Mauern Inspiration zu holen, wie auch der Fotopionier Brassai, der die geritzten oder mit Graffitis bemalten Wände in Paris zum Hauptmotiv wählte.

Frohner übertrug seine Aufnahmen von Rissen, Sprüngen, Flecken aber auch gesprayten Figuren auf die Leinwand oder ins Bildrelief. Es ist eine Wiedergabe der Fotografie mit Mal-Akzenten - wie um 1965 etwa im "Wandbild Arena", das die Illusion einer verwitterten, geritzten und wie zufällig bearbeiteten Wand nachahmt.

Die verschwommenen Grenzen zwischen Realität und Bild, aber auch die experimentellen Prozesse des Machens interessieren Künstler bis heute - so ist etwa Andreas Dworaks Gummidruck-Serie "Gothic" von 2006
eine Wiedergabe der verfalle-
nen Schlosskapelle Pottendorf mit Wandzeichen der Jugendkultur. Im Werkblock "Verletzungen" von Gerhard Kaiser kommt eine melancholische Note ins Spiel, die dagegen in Fritz Simaks "Gelatinesilbermalerei Nr. 2, 3 und 7" von 1975 nicht zu finden ist.

Zeit und Licht

Simaks Einstieg als Musiker und Kunsthistoriker in die Fotografie war damals ein experimenteller, die wie informelle Aktionsmalerei wirkenden Werke sind "Chemigramme", die Silbergelatine wird als Malmittel am Fotopapier eingesetzt, der Moment der Aufnahme wird in eine prozessuale Zeitdimension verschoben. Die Zeit beschäftigte Simak dann in weiteren Serien, die der Verwandlung von Lichtsituationen und minimaler Bewegung oder Zerlegung eines Objekts gewidmet sind.

Nicht zuletzt hat Voggeneder auch Arnulf Rainers Umgang mit Malerei auf Fotografie mit ein-
bezogen, da er wie Frohner und Cibulka dem Aktionismus nicht nur generationsmäßig nahestand. Dabei sind "Igel" oder "Hobelspäne" aber bis heute unbekannte Überarbeitungen von fotografierten Höhlenwän-
den und Erdstrukturen mit Ölkreiden.

Ausstellung

Fotografie und Malerei im Werk von Adolf Frohner

Elisabeth Voggeneder (Kuratorin)

Frohner Forum Krems

Bis 7. April