Die von Elisabeth Schmuttermeier und Gastkurator Christian Witt-Döring gestaltete Ausstellung zu "Koloman Moser. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann" umfasst nicht nur etwa 500 Exponate, sie behauptet auch, dass die Kunstgeschichte einige Fehler gemacht hat, wenn es um Moser ging. So müsste eigentlich von "Quadratlmoser" und nicht "Quadratlhoffmann" als Spitzname für die besondere Verwendung dieser Form in der Wiener Werkstätte ab 1903 die Rede sein, denn wie an vielen Gegenständen des Alltags von Geschirr bis zur Blumensäule zu sehen, verwendete er sie häufiger als der gelernte Architekt Josef Hoffmann.

Absage an den Historismus

Moser studierte noch im Historismus Malerei und kehrte 1907 nach seinem Ausstieg aus der Wiener Werkstätte und vor allem aus dem Gedanken des Gesamtkunstwerks, das er mit den Secessionisten vertrat, um jeden Alltagsgegenstand mit Schönheit aufzuladen, wieder zur Malerei zurück. Diese beiden Aspekte sieht man am Anfang der Ausstellung, die auch mit der These einer Absage an den Historismus durch die junge Avantgarde aufräumt. Denn Moser, Klimt oder Hoffmann wollten keineswegs die Qualität von Entwurf und Ausführung sowie den Umgang mit edlen Materialien ersetzen durch Industrialisierung und eine Kommerzialisierungswelle am Ende der "Ringstraßenzeit". Ein Brief Mosers an den Fürsten Liechtenstein als Mäzen gibt sogar eine Berufung der jungen Künstler auf die Qualitätsfrage des Kunsthandwerks im Historismus preis.

Ein frühes Porträt des Künstlers von 1995 zeigt Moser keck als Mitbegründer des Siebener-Clubs, daneben die noch realistisch malenden Gustav Klimt und Franz Matsch. Das erste Kapitel umfasst also die Studienzeit und den Übergang von der "Makartzeit" in die Gründungsphase der Secession, wobei Moser vor allem als innovativer Grafiker tätig war. Nicht nur die Publikation "Ver Sacrum" ist von ihm geprägt, auch die Findung der Schrift für die Secession. Dabei ist er ein "Gigant" in der Wahl einer besonderen Proportion zwischen Bild- und Schriftblock. Moser schuf 2500 kleine Entwürfe für Plakate, Bucheinbände oder Vignetten, die den besonderen Einfluss der englischen Arts & Crafts-Bewegung verraten. Auch seine ersten Stoffe für die Firma Backhausen erinnern an William Morris.

Koloman Mosers "Frommes Kalender" aus 1899. - © MAK
Koloman Mosers "Frommes Kalender" aus 1899. - © MAK

Doch wie sein spezielles Fischdesign - besonders für einen bislang unbekannten Schrank aus dem Museum in Budapest und später wiederkehrend in seinen Tunkpapieren - oder in Entwürfen für private Auftraggeber wie den Kunstbuchverlag Fromme, dessen Kalender er alljährlich entwarf, ist der Künstler neben der strengen Grundform enorm kreativ im Detail. Die Entscheidung von hunderten kleinen, teils sehr modernen Entwurfszeichnungen auszugehen und sie an schrägen Zwischenwänden unter Plexiglas nur mit Magneten angeheftet als eine Art Labor- oder Ateliersituation zu präsentieren, ermöglicht dem Publikum die Genese bis zur Ausführung von ganzen Möbelwänden nachzuvollziehen.

Kaum bekannter männlicher Akt

Damit unterscheidet sich die Schau von den letzten Präsentationen in Wien und New York, die Moser mehr mit seinen Hauptwerken abzuhandeln versuchten. Nachdem er das strenge Ornament der Wiener Moderne mitgeprägt hatte und sich in zahlreichen Aufträgen für die Wiener Werkstätte austoben konnte, verlässt er diese Vereinigung schon 1907 wieder, um sich monumentalen Glasfenstern für Otto Wagners Kirche am Steinhof zu widmen. Wagner betrieb auch Mosers Berufung als Professor an die Kunstgewerbeschule, wo er neben Malerei ein breites Spektrum des endlich gleichwertig geltenden Kunstgewerbes abdeckte; auch seiner Schule ist ein Kapitel gewidmet und weist schon ins Jahr 2020 voraus, in dem das MAK sich auch den Frauen der Wiener Werkstätte in einer Schau widmen wird.

Als Schlussakkord sind seine flach angelegten Frauenakte, an Ferdinand Hodler erinnernde Landschaften um 1913, Stillleben und ein bislang kaum bekannter männlicher Akt mit an der Stirn aufgestütztem Arm zu sehen - ähnlich dem bekannten anonymen Foto, das Moser in bewegter Pose auf einem Sessel sitzend zeigt.