Den Augenblick

Ist der "Lady Burger" für Frauen oder Männer? Gemacht hat ihn ein Mann: Mel Ramos. - © Galerie Hilger
Ist der "Lady Burger" für Frauen oder Männer? Gemacht hat ihn ein Mann: Mel Ramos. - © Galerie Hilger

übersieht man leicht

(cai) "Das kann man alleine gar nicht machen. Du musst mindestens zu zweit sein." Und nachher war sein Studio sicher komplett nass, oder? - "Und rutschig."

Klingt nach viel Spaß, was der Robert Staudinger da getrieben hat. Nein, nix Unanständiges. (Das könnte man ja außerdem sehr wohl allein machen.) Seifenblasen hat er erzeugt. Große. Wie ein Straßenkünstler. Und fotografiert. War dabei wie immer experimentierfreudig. Hat mit der Drahtschlinge gezittert, eine Blase von einer zweiten beschnuppern oder gleich fressen lassen . . . Und wozu hat er manchmal einen dritten Mitspieler gebraucht? Für die Nadel. Fürs kontrollierte Zerplatzen. Ein Perfektionist eben.

Hm. Wie Seifenblasen schauen die "Bubbles" aber eigentlich überhaupt nicht aus. Eher wie fragile biomorphe Lebensformen aus Gelatine (oder zähflüssigem Glas oder aus Wasser), die durchs Weiß schweben und schwabbeln. Geschmeidig und transparent. In Grün, Rot, Blau, Gelb. Ja, wie hat er die Dinger eingefärbt? (Ich jedenfalls krieg daheim aus dem grünsten Badezusatz immer bloß weißen Schaum raus.) Am Computer! Fotos sind also nicht zwangsläufig fotorealistisch. Die können sogar extrem malerisch sein, während sie den Betrachter mit der atemberaubenden Schönheit der Vergänglichkeit, des Flüchtigen, überwältigen und ihm etwas zeigen, was er mit freiem Auge gar nicht sehen könnte: den Augenblick. Tschuldigung: "Illusionen des Augenblicks." (So heißt die Ausstellung.)

Im hintersten Winkel der zs art galerie stehen dann letzte Worte (zwei): "Ich behaupte." Hinterfotzig. Was behauptet er? Geht‘s hier in Wahrheit um was Gesellschaftliches? Um platzende Spekulationsblasen und so? (Die Finanz leidet bekanntlich an einer Blasenschwäche.) Staudinger: "Das ist jetzt kein politisches Manifest." Trotzdem.

zs art galerie

(Westbahnstraße 27 - 29)

Robert Staudinger, bis 11. Jänner

Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr

Dort sind sogar

die Zwerge riesig

(cai) Was macht eine Lady auf einem Mega-Cheeseburger? Nein, das ist keine Scherzfrage. Deshalb lautet die Antwort: Nix, weil eine Lady tut so was nicht? Falsch. Sitzen! (Wie hätte sie denn gelautet, wenn das eine Scherzfrage gewesen wäre?) Der, der die Dame aufs überdimensionierte Fast Food gesetzt hat, hat das aber eh nicht ganz ernst gemeint. Der hat sich ja gern ein bissl lustig gemacht über dieses "Sex sells" (und es dabei selber voll ausgekostet).

Der Anlass für die sinnliche Schau ist allerdings ein trauriger: "In Memory of Mel Ramos." In Memory. Der Pop-Art-Künstler, bekannt für seine gut gelaunten Nackedeis mit Promi-Gesichtern und für sein Product Placement, ist nämlich am 14. Oktober in Kalifornien verstorben. Ernst Hilger erinnert sich jetzt in seiner Innenstadtgalerie mit Lithografien (seit 1992 hat er die komplette Druckgrafik verlegt) und mit Gemälden, Lichtboxen und Plastiken an den "typischen Amerikaner". ("Wir vermissen ihn sehr.") Pin-up-Girls und Markenkult. (Wobei nicht die Briefmarken gemeint sind.) Und alles in XXXL: die Colaflasche, der Schokoriegel oder die süße Hommage an das Loch (der Donut). Doch in den USA sind ja angeblich sogar die Zwerge größer. Apropos Donut (das Runde mit dem Loch): Rundungen hat Ramos sichtlich geschätzt. (Und Gucklöcher.) Eine Blondine mit nur einer Rundung (einem krummen Rücken) macht einen besonders koketten Striptease: eine Banane. Aus der schält sich die "Miss Chiquita" heraus. Womit wir bei den Lightboxen wären (der Joseph Windisch schaut drauf, dass da handwerklich alles perfekt ist), wo sich aus dem gemalten Bild plötzlich ein Martiniglas herauswölbt. Oder eine Bananenschale so greifbar herausbaumelt, dass man sich echt zusammenreißen muss, sie nicht zu begrapschen.

Wenn die Uma Thurman, die gänzlich im 3D gelandet ist (auf einer Zuckerlrolle), einem dann provokant die Fußsohlen entgegenstreckt, ist das sowieso ein Test für die Selbstbeherrschung. Dass man sie nicht kitzelt. Nicht, dass Ramos die Männer völlig ignoriert hätte: Batman, Zorro . . . (Okay, das sind vielleicht nicht die Boys next door.)

Galerie Ernst Hilger

(Dorotheergasse 5)

Mel Ramos, bis 12. Jänner

Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 16 Uhr