Madonna mit unverhofftem Begleiter: Dürers "Maria mit der Meerkatze", um 1498 . - © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
Madonna mit unverhofftem Begleiter: Dürers "Maria mit der Meerkatze", um 1498 . - © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien

Albrecht Dürer (1471-1528) dient meist zu Ostern als Bilderlieferant - schließlich hat er ein legendäres Aquarell eines Feldhasen geschaffen. Auf seinen Holzstichen hat er jedoch bevorzugt religiöse Themen behandelt, und so eignet sich die derzeitige kleine, aber feine Ausstellung vom Kupferstichkabinett der Akademiegalerie im Theatermuseum für eine Weihnachtsgeschichte. "Frühe Druckgrafiken von Albrecht Dürer" setzt nach der italienischen Reise des Künstlers 1495 an und endet 1500. Mit einer Ausnahme: Das Titelblatt von 15 Holzschnitten der "Apokalypse" (1497/98) entstand erst zur zweiten lateinischen Ausgabe 1511. Kurator René Schober beschränkt sich auf 32 Holzschnitte und 25 Kupferstiche, da er platzbedingt keine Gesamtschau der mehr als 500 in der Akademie aufbewahrten Druckgrafiken Dürers bieten kann.

Heilige Familie mit Libelle

Zu sehen sind etwa eine Madonna mit Kind und Krone auf der Mondsichel, die dem schreibenden Johannes als freundliche Erscheinung seiner apokalyptischen Visionen zur Seite gestellt werden, aber auch zwei weitere Mariendarstellungen mit Jesusknabe und Tieren: Sie gehören zu den ersten mit dem Monogramm AD signierten Erfindungen, die Dürer 1495 und 1498 mit Stichel auf Kupferplatte zeichnete. Sie gehen über die Weihnachtgeschichte zeitlich hinaus, da sie schon die Flucht nach Ägypten vor den Schergen des Herodes erzählen. Die "Heilige Familie mit der Libelle", in Strichführung und Körperplastik noch unsicher, situiert Maria in eine Landschaft um Nürnberg, wohl in Rücksicht auf die Käuferklientel. Das Insekt im Vordergrund rechts kann weniger gut gedeutet werden als der angekettete Affe auf dem Stich "Die Madonna mit der Meerkatze". Darin sitzt Maria wieder auf einer Rasenbank, diesmal ohne Josef dahinter und auch ohne Trinität am Himmel, aber dafür vor einem turmartigen fränkischen Fachwerkbau in einer stürmischen Flusslandschaft.

Die Meerkatze und der Sturm deuten das Böse der zukünftigen Passion an. Affen sind in der spätmittelalterlichen Symbolik aber nicht nur negativ zu deuten, man hielt sie als Haustier. Sie können auch den "Affen der Natur" bezeichnen, womit der die Realität nachahmende Künstler gemeint ist. Dabei handelt es sich um eine neue Inspiration, die auf die Antike zurückgeht und der moralischen Deutung des Mittelalters zuwiderläuft. Die erste Blüte der in großer Verbreitung auch für bürgerliche Kreise erschwinglichen Druckgrafik gelang dem Künstler durch seinen Paten, den Verleger Anton Koberger. Vorbilder in der modernen Technik waren Martin Schongauer aus Colmar und Andrea Mantegna aus Mantua, dessen Antikenrezeption den neuen Renaissancestil beflügelte. Berühmt wurde Dürer durch die von Mantegnas Figurenideal beeinflusste "Apokalypse", die er 1496 in Holz zu schneiden begann und 1498 erstmals publizierte.