Die Maler des 19. Jahrhunderts widmeten sich in besonderer Weise der Landschaftsmalerei, die nach der Romantik in Österreich zwei wichtige Phasen durchlief: den Realismus der Biedermeierzeit mit dem revolutionären Ferdinand Georg Waldmüller und die "Stimmungsimpressionismus" genannte Phase ab 1860, einer von Frankreich und Holland inspirierten Gegenrichtung zum Historismus. Dabei ist auch eine Verbindung mit dem Einzelgänger der Kunstgeschichte, William Turner, zu bemerken: das Arbeiten der Künstler im Freien.

Turner versuchte als Erster, die Naturkräfte von direkter Anschauung zu übertragen, und ließ sich bekanntlich am Mast eines Schiffes im Schneesturm anketten. Seine Sehnsucht nach dem Erhabenen der Natur war den Österreichern aber fremd, sie fingen lieber alltägliche Szenen ein und brachen mit klassischen akademischen Kategorien. Arkadische Gefilde im Süden mit mythologischen Motiven wichen dem Blick auf einen banalen Krautgarten oder auf Huflattich im Hinterhof.

Auf Dorfplätzen und im Seebad

Es gab dabei Einzelgänger wie Anton Romako, der schon im ersten Saal der Ausstellung "Wege ins Freie" neben den berühmten Gemälden von Waldmüller durch besondere Gestaltung einer Fichte mit Flechten in "Nebel im Hochgebirge" auffällt. Romako ist dann auch am Ende der Ausstellung mit einer Ansicht von Paestum vertreten, wobei er die antiken Tempelruinen ganz beiläufig in die Landschaft einbettet, denn für die Bildung einer Idylle war sein Temperament ungeeignet. Die moderne Sicht ohne große Erzählung beginnt aber mit den sozialkritischen Themen, die Waldmüller in seinen "Vorfrühling im Wienerwald" wie auch in seine "Unterbrochene Wallfahrt (Die kranke Pilgerin)" nach 1850 einbaute. Seine Praterbäume sind zwar noch im Atelier ausgeführte Gemälde, die allerdings auf Skizzen vor Ort zurückgehen; ebensolche im Freien angelegte kleine Ölstudien von Felsenformen hat Friedrich Gauermann neben durchkomponierten Alpenvorlandidyllen mit Getier angefertigt.

Doch der Weg mit der Staffelei ins Freie kam erst durch die französische "Schule von Barbizon" in Gang, die bis nach Ungarn in die "Schule von Szolnok" einwirkte. 1830 schon prägten Maler wie Jean-Baptiste Camille Corot den Begriff der "Paysage intime", ihre einfachen Motive können auch Arbeiter auf Dorfplätzen sein wie bei August von Pettenkofen. Der eigentliche Impressionismus hat nur wenige österreichische Maler direkt in Paris erfasst wie Theodor von Hörmann und den Offizier und Maler Otto von Thoren.

Seine locker gemalte "Skizze zum Seebad bei Trouville" dient als Signet der Ausstellung, auch wenn der Künstler, der in Ungarn meist Ochsen und Bauern malte, nur Insidern bekannt ist. In Österreich spricht man heute eher vom "Stimmungsrealismus". Emil Jakob Schindler war der hiesige Corot in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, er rezipierte die Niederländer (Haager Schule) und gründete eine Schule in Schloss Plankenberg bei Neulengbach: Dort malten Olga Wiesinger Florian, Marie Egner und Carl Moll im Freien oder übertrugen ihre direkt skizzierten Wald-, Wiesen oder Mühlen-Ansichten im Atelier auf die Leinwand. Auch die zweite, heute bekannte Gründerin einer Akademie für Frauen, die - wie auf einem Foto überliefert - mit Kinderwagen ihre Malutensilien in den Prater schob, war mit Schindler kurz durch eine Ateliergemeinschaft verbunden: Tina Blau. Sie arbeitet schon in den Niederlanden im Freien und behielt diese Praxis auch bei, wie an ihren vielen kleinformatigen Holztäfelchen gut nachzuvollziehen. Das Museum Leopold besitzt aus dem erweiterten Kreis um Schindler in Plankenberg auch Werke von Eugen Jettel, Robert Russ und ein besonderes "Apfelbäumchen" von Josef Ribarz; von Hugo Darnaut wurde das Schloss nach dem frühen Tod Schindlers übernommen. In der angeschlossenen Schau "Verborgene Schätze II" kann man die gelungene Restaurierung der kleinen Holzplattenbilder Blaus bewundern, die für zahlreiche Werke von Albin Egger-Lienz bis Otto Wagner als Pate fungieren.