Männlich: der "Malerhocker" von Tone Fink. (Ja, eh: Hocker, der.) - © Galerie Ulrike Hrobsky
Männlich: der "Malerhocker" von Tone Fink. (Ja, eh: Hocker, der.) - © Galerie Ulrike Hrobsky

Wozu hat man

denn zwei Hände?

(cai) Diesen Text tippe ich gerade mit dem rechten und dem linken Zeigefinger. Asynchron. Nicht, dass das irgendwen interessieren oder gar beeindrucken würde. Das ist schließlich keine Kunst. Das wäre nicht einmal eine, wenn ich das mit allen zehn Fingern könnte. Und blind. Was hingegen der Martin Tardy macht (noch dazu mit links, doch vor allem mit links und rechts - gleichzeitig), das ist schon eine. Eine Kunst. Weil das kann garantiert nicht jeder.

Der Wiener (Jahrgang 1992) nimmt in jede Hand einen Stift und skizziert dann beidhändig einen männlichen oder weiblichen Akt. Oder ein Gesicht. Ohne abzusetzen. Zwei durchgehende Linien voller kinetischer Energie. Vor Publikum macht er das auch. Und in einem Video im Internet kriegt er die zwei Linien sogar mit einer Hand hin. In der zwei Bleistifte zappeln wie Essstäbchen. Als schwerer Legastheniker hat er sich sowieso immer leichter bildlich als schriftlich ausgedrückt. He, hat nicht der Michelangelo die Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle ebenfalls mit beiden Händen gemalt und war womöglich deshalb bereits nach viereinhalb Jahren fertig? Ja, allerdings hat der abgewechselt. Vermutlich. Und natürlich will ich das Hilger Next nicht mit der Sixtinischen Kapelle vergleichen. Obwohl man Tardys imposante Leiber fast genauso andächtig bestaunt.

Da zeichnet einer also quasi mit sich selbst um die Wette. (Und hat dabei zwei linke Hände. Was gut so ist. Weil er ja an sich Linkshänder ist.) Oder eigentlich ist das mehr wie ein Paarlauf zweier Tintenstifte, die immer wieder voreinander davontanzen. Erstaunlich realistisch und anatomisch korrekt. Die Einlinienzeichnungen aus Draht haben aber logischerweise weniger Schmiss. So, mit dem rechten Zeigefinger drücke ich jetzt die Taste mit dem Punkt.

Galerie Hilger Next

(Absberggasse 27)

Martin Tardy, bis 23. Februar

Do. - Sa.: 12 - 18 Uhr

Kunst ist

was für Kinder

(cai) Kaum zu glauben, dass er am ersten Jänner 75 geworden ist, der Fink. Fink - wie in "Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar"? Nein, natürlich wie in Tone Fink. Und der ist vielleicht flugunfähig (wohlgemerkt: vielleicht), aber dafür hebt seine Phantasie dauernd ab. Treibt sich bei den lustigen "Grastänzern" und "Luftwesen" herum.