Es ist kein Zufall, dass die vier Galerieräume der Kunsthalle mit der von Andreas Hoffer kuratierten Schau "Perrine Lacroix. Kontext(e)" an vorangegangene Ausstellungen in dieser Institution erinnert, etwa an die Installation von Inés Lombardi 2015. Beide Künstlerinnen arbeiten im Feld der künstlerischen Recherche und abstrakt-geometrischer Konzepte, Lacroix kam dabei 2017 ein Monat durch das Artist-in-Residence-Programm nach Krems und es ist dies das erste Ausstellungsprojekt einer geplanten Serie, das dem internationalen Austausch entspringt.

Als die aus Lyon stammende Lacroix vor ihrer Reise Krems im Computer mit Google-Bildersuche eingab, stieß sie auf abstrakte Farbflächen, die erst nach einige Zeit historische Fotos freigaben, die sich auf den Zweiten Weltkrieg beziehen. Am 6. April 1945 wurden die eben freigelassenen Gefangenen der Haftanstalt Stein neben der Kunsthalle von den Nationalsozialisten bei der sogenannten "Kremser Hasenjagd" verfolgt und getötet. Lacroix baute die Farbflächen als Leerstelle dieses historischen Sündenfalls doppelt ein. Sie bemalte eine Mauer im Kremser Stadtpark mit "Google search: Avril 45 Krems" und bezog das Kremser Publikum mittels eines Workshops vor der Eröffnung auch in Form von Tafeln in ihre Ausstellung mit ein. Es wurden subjektive Kommentare wie "Time", "Chaos", "Stille" auf Schilder geschrieben und von den Beteiligten bei der Eröffnung getragen, danach an eine Wand gelehnt neben Filmen der Künstlerin abgestellt, die ihre Recherchen dokumentieren.

"Künstlerische Forschung" steht auch am Anfang der Schau mit der am Galgenberg oberhalb der Stadt gefundenen "Venus" aus der Steinzeit, die wohl eine Schamanin darstellt, jedoch durch ihre tänzerische Pose auch populär als "Fanny" (Anspielung auf die berühmte Balletteuse Fanny Elßler) bekannt ist. In Originalgröße duckte Lacroix die Figur des kulturellen Erbes dreifarbig aus und lässt sie in Vitrinen rotieren.

Hierarchielos demokratisch

Dahinter "in progress" folgt die Dokumentation des großen Umbaus der Kunsthalle auf Fotos, die auf Rigipsplatten gedruckt sind, die an der Wand oder auf kleinen Wagen stehen, ganz wie beim Auf- und Abbau einer Schau. Das Bild soll sich selbst repräsentieren, als "Mise en abyme" oder "Bild im Bild"-Phänomen, das Werner Hofmann theoretisch interessierte, den Kurator der ersten Schau von 1995. Immer wieder, auch in den Videos, taucht die leere Säulenhalle der ehemaligen Tabakfabrik auf, im Film "Exit" sieht man die Bauarbeiter hinausgehen.

Davor ist einer der Räume Lina Bo Bardi gewidmet. Vor 50 Jahren hat die italienische Architektin im modernen Museum von São Paulo die Zwischenwände entfernt und alle Objekte gleichwertig auf Glasstelen in Granitsockel ausgestellt - eine nachhaltige Präsentation, da hierarchielos demokratisch wie kaum eine davor oder danach. Sie war ebenso im Fokus von Lombardis Moderne-Recherchen: deshalb und auch wegen der klaren Formen und Lichtprojektionen die Assoziation mit dem Werk dieser Künstlerin. Als Gegenstück dient der Raum "Leopold", der sich mit der Sammlung des Habsburger Erzherzogs Leopold Wilhelm allein mit Lichtspuren ebenso spannend auseinandersetzt.