Madrid. An der Kasse im Espacio 5.1 bilden sich lange Schlangen. Die Ausstellung in der 5000 Quadratmeter großen Halle auf dem Madrider Ifema-Messegelände ist gut besucht. Hauptsächlich von Jugendlichen. Dabei kostet der Eintritt stolze 16,40 Euro. Doch sie wollen die Werke eines Künstlers sehen, der derzeit in aller Munde ist: Banksy!

Seine Kunst ist Millionen wert. Brad Pitt und Angelina Jolie gehören zu seinen größten Fans. Und der anonyme britische Street-Art-Künstler machte jüngst wieder mit spektakulären Aktionen von sich reden. Anfang Oktober versteckte er im Rahmen eines seiner berühmtesten Bilder "Girl with Ballon" einen Schredder. Als das Werk für mehr als eine Million Pfund auf einer Auktion bei Sotheby’s versteigert war, zerstörte es sich vor den Augen des entsetzten Publikums im Auktionssaal selber.

"Genie" oder "Vandale"?

Die Videoaufnahmen der Schredder-Aktion gingen um den gesamten Globus. Das halb zerschredderte Bild soll bereits sehr viel mehr wert sein als vor der Selbstzerstörung und wird ab Februar im Privatmuseum Frieder Burda in Baden-Baden ausgestellt.

Kurz vor Weihnachten verschenkte Banksy dann im Internet ein ferngesteuertes Miniatur-Flüchtlingsboot aus seinem Anti-Freizeitpark Dismaland. Die Skulptur dürfte auf dem Kunstmarkt mehrere zigtausend Euro wert sein. Doch wer das Gewicht der Skulptur richtig schätzte, bekam es kostenlos. Man musste für die Teilnahme an der Verlosung lediglich zwei britische Pfund an die Flüchtlingshilfe spenden.

Da Banksy keine Interviews gibt, ihn niemand kennt, kann jetzt spekuliert werden: Handelte es sich bei seinen beiden jüngsten Aktionen um eine erneute Kritik am Kommerz in der Kunstwelt und eine rein altruistische Unterstützung für die Flüchtlingshilfe? Oder steckt auch ein wenig Marketing in eigener Sache dahinter? Schwer zu sagen! Fakt ist: Die Kunstwelt will sehr wohl an Banksy verdienen.

Schon der Titel der Exposition in Madrid könnte marketingtechnisch kaum reißerischer sein - "Banksy: Genie oder Vandale?". Graffiti können natürlich Vandalismus sein. Doch längst steht außer Frage, dass Street-Art eine Kunst ist. Nach dem Besuch können die Zuschauer auf einem iPad dennoch wählen, ob Banksy für sie "Genie" oder "Vandale" ist. Kommunikativ, interaktiv, aber irgendwie auch Unsinn. Denn wer die 28 Originalwerke und 45 Reproduktionen und Fotografien seiner gesellschaftskritischen, teils hochpolitischen Werke sieht, kann kaum zum Urteil kommen, dass dieser kreative Rebell ein Vandale ist.