Zufall und Licht sind die Themen von Nicolas Jasmin, etwa in "Dudes (Du Bon Usage, Des Images)". - © Belvedere, Wien
Zufall und Licht sind die Themen von Nicolas Jasmin, etwa in "Dudes (Du Bon Usage, Des Images)". - © Belvedere, Wien

Nach mehr als zwei Jahrzehnten, in denen Nicolas Jasmin als Videokünstler unter dem Pseudonym N.I.C.J.O.B. in Wien bekannt war, stellt er erstmals seit den späten 1980er Jahren wieder konzeptuelle Malerei-Serien im Untergeschoß des Belvedere 21 aus.

Der 1967 in Toulouse geborene Jasmin studierte Malerei bei Arnulf Rainer an der Wiener Akademie und lebt hier seit 1988. Bereits 1989 formulierte er im damaligen Institut für Gegenwartskunst, von dem neue Ideen ihren Ausgang nahmen, sein "Painting Dogma". Das Regelwerk besteht aus vier Punkten, die gleichzeitig die Parameter seiner Arbeit darstellten. Sie schrieben vor, die Leinwand nie völlig zu bemalen, den Fluchtpunkt durch eine Münze festzulegen, Sackleinen als Untergrund zu benützen und dieses Dogma innerhalb von 25 Jahren auch wieder zu brechen.

Ramponierte Leinwände

Nachdem Jasmin von 1994 bis 2008 für den bekannten Konzeptkünstler und Maler Walter Obholzer im Atelier tätig war, hat er sich eine eigene künstlerische Identität lieber mit Videofilmen aufgebaut und sich als N.I.C.J.O.B. schnell einen Namen gemacht. Auch wenn die Aneignung von Werken oder Formen anderer Künstler und der enorm expandierende Bilderfundus des Internets in beider Werken eine große Rolle spielen. Die Filmsequenzen, die Obholzer in die Malerei übersetzte, nahm er aus der Populärkultur. In den Videos erhielten sie ihre eigene Note durch Manipulation, Schneiden, den Einsatz von Loops und seinen Impetus, immer der Symbolik bis auf den Grund nachzuspüren. Heute, in der wiedergefundenen Malerei, spielt all das - die Musik, die Arbeit als Discjockey, das früh verkündete Dogma - weiter eine tragende Rolle. Allerdings wird sein früherer Einsatz von verschiedenfarbigen Grundierungen und von Ölfarbe nun durch Pigmente auf Acrylbasis aufgetragen und mittels Einsatzes eines Lasers völlig verwandelt. Das Wegbrennen von Farbschichten durch die gebündelten Lichtstrahlen erzeugt je nach eingesetztem Vorbild ein meist geometrisch abstrakt erscheinendes Gemälde.

Die zufällig durch zu tiefes Einbrennen ramponierten Sackleinwände zeigt er mit diesen Werkserien allerdings nicht. Während die Fotografie als Lichtzeichnung gelten kann, sind Jasmins Malereien Zufallsprodukte, die der Laser von den ausgehenden Strukturen und Farbschichten nach dem Abtragen überlässt.

Zuweilen trägt der Künstler dann am Rand wieder einen farbigen Fingerabdruck auf, während die Mitte fast weiß bleibt. Einmal greift er auf ein frühes Bild von Maria Lassnig zurück, dann sind es Referenzen an das schwarze Quadrat von Malewitsch bis Ad Reinhardt oder die Dominanz des Rasters im Minimalismus, es kann aber auch nur eine hingeworfene Geste der Pinselschrift sein. Nur wird diese persönliche Note mittels Laser maschinell erzeugt - eine strategische Erweiterung der gemalten "Brushstrokes", die Roy Lichtenstein als Ironisierung des abstrakten Expressionismus in den 1960er Jahren produzierte. Da folgt entfernt auch Jasmins Serie der "Dudes (Du Bon Usage, Des Images)", wo der durch Laser erzeugte Schriftzug gleichzeitig auch involvierte Wortspiele zulässt. Die drei Sprachen des Künstlers (Französisch, Deutsch, Englisch) sind da wichtig, in einer anderen Serie ist es die Liste der gesammelten Schallplatten von Robert Smithson.

Zufallsprodukte

Den Ausstellungsraum hat Jasmin mit dem Architekten Thomas Osterwinter durch schräge Zwischenwände und ein Bündel an Stützen neu strukturiert und die Klarheit konterkariert, wie es auch sein Laser durch Zufall macht. Ab und zu können durch das Abtragen der Farbschichten zufällige rauchhafte Figuren und Gesichter im Raster oder den übernommenen Formen auftauchen, das nennt er dann alchemistisch, es könnte auch als Verweis auf Leonardos Sfumato herhalten oder auf frühe Geisterfotografie.

Im Eingangsbereich hängt eines der frühen Dogma-Bilder "o.T. Viennese Green" von 1990. Die verwendete Farbe als Konzept geht bis in den Titel, selbst wenn man dabei an die alten Verdaccio-Grundierungen Michelangelos denken könnte. Jasmins Konzept ist tatsächlich heute weniger dogmatisch als früher. Es kann plötzlich auch um politische Inhalte gehen.