Auch wenn schon mehrmals die Hoffnung bestand, Kunst von Frauen nicht mehr weiter von der männlichen Kreativität isolieren zu müssen, bleibt der Tatbestand, dass der Kunstmarkt und die Tourismusindustrie patriarchal strukturiert sind. Es ist also notwendig, auch historisch auf die verdrängten Positionen der Kunstgeschichte hinzuweisen. Im Fall bekannter Künstlerinnen der Jahrhundertwende bis 1938 ist das Vergessen auch Politik gewesen und durch ihre Vertreibung ins Exil, leider auch Ermordung in Konzentrationslagern mitbegründet.

Malen mit Korsett

Sabine Fellner stützt sich als Kuratorin von "Stadt der Frauen" auf einige vorangegangene Ausstellungen wie 1911 in der Secession, fand aber heraus, dass Gustav Klimt bereits in die erste Kunstschau 1908 ein Drittel Künstlerinnen integrierte. Sie stützt sich auf eigene wissenschaftliche Ergebnisse der letzten Jahrzehnte sowie jene von Sabine Plakolm-Forsthuber, die sie wie die Spezialistin Silvie Aigner im Katalog integrierte. Architektin Silvia Merlo überzeugte mit ihrer Auffassung eines gewichtigen Auftakts und so stehen die Bildhauerinnen Teresa Feodorowna Ries, Elza Kövesházy-Kalmár und Ilse Twardowski-Conrat neben den in der Secession ebenso früh gezeigten Malerinnen Broncia Koller-Pinell und Elena Luksch-Makowsky am Beginn einer chronologischen Konzeption.

Malende Hausfrauen? Elena Luksch-Makowsky: "Ver Sacrum. Selbstbildnis mit Sohn Peter", 1901. - © Johannes Stoll, Belvedere, Wien
Malende Hausfrauen? Elena Luksch-Makowsky: "Ver Sacrum. Selbstbildnis mit Sohn Peter", 1901. - © Johannes Stoll, Belvedere, Wien

Trotz Aufnahme in die Kunstgewerbeschule ab 1868 waren die Malerei- und Bildhauerklassen noch nicht zugänglich und Künstlerinnen mussten privaten Unterricht nehmen, das Arbeiten am Stein war wie das Malen im Freien von Korsett und bodenlangen Röcken behindert und Aktzeichnen tabu. Ries stellte schon 1899 in der Secession aus und als Gäste (in Künstlervereinigungen wurden Frauen nicht aufgenommen) kamen sie auch ins Künstlerhaus, den Hagenbund, den Salon Pisko oder die Galerie Miethke.

Sie schlossen sich zusammen, zuerst in einer Gruppe von acht, ab 1910 im Verband bildender Künstlerinnen, VBKÖ, als Aktmodelle baten sie ihre Stubenmädchen und Verwandte, privat zu stehen. Die Kritik war meist hämisch, im Fall von Ries wurde bemängelt, dass sie aus dem schönen Marmor derartige Hexenfratzen hämmerte, doch es war vor allem die Nacktheit und das lüsterne Lächeln der Figuren, was gegen damalige Sittenvorstellungen stieß. Die Bilder von Koller-Pinell sind bis zum vorletzten Saal zu finden, da sie nicht nur bekannt war, früh angekauft wurde von der Staatsgalerie, sondern im Alter von 61 Jahren noch bei der gerade 20-jährigen Erika Giovanna Klien weiterstudierte.