Einblick in den XE: Diplomarbeit von Barbara Stöhr. - © A. Messinger
Einblick in den XE: Diplomarbeit von Barbara Stöhr. - © A. Messinger

Die gründerzeitliche Substanz des Ladenlokals Eschenbachgasse - Ecke Getreidemarkt von 1872 ist seit 20 Jahren zerstört, als es für die Computerbranche umgebaut und danach von einem Geschäft für Brautmoden abgelöst wurde. Eigentlich sollte es als Ersatzquartier in den Jahren der Sanierung des Akademiegebäudes am Schillerplatz genützt werden, doch die nötige Adaptierung brachte eine Einsturzgefahr der Decke zum Vorschein und nahm eine längere Bauzeit in Anspruch. Dafür wird der dem Haupthaus nahe Ausstellungsraum nach einer Investition von rund 200.000 Euro auch nach Rückkehr der Formats Xhibit langfristig genutzt werden. Architekt Ulrich Huhs hat die fast 390 Quadratmeter auf zwei Geschoßen mit zentraler Wendeltreppe und funktionalen Einbauten in heller Farbskala gestaltet, im Keller blieben einige Fenster erhalten, weitere 130 Quadratmeter mit Blick auf den Getreidemarkt kommen noch dazu.

Verband mit Galerienszene

Im universitären Kontext wird hier nicht nur die Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft bedient, sondern werden auch kuratorische Experimente Platz finden. Zudem gibt es für die zweimal jährlich stattfindenden Ausstellungsrundgänge zur Sichtung der Abschlussarbeiten (Jänner und Juni) eine öffentliche Wahrnehmung im Verband mit der Galerienszene in der Eschenbachgasse. Ein jeweiliges Jahresthema vernetzt die verschiedenen Formate, 2019 lautet dieses: "Künstlerische Auseinandersetzungen mit Ökonomien des Wissens". Es soll auch in den Folgejahren aktuelle gesellschafts- und kunstpolitische Diskussionen einbeziehen. Die Xhibit-Ausstellungsreihe wird seit Jahren aufgrund von Einreichungen durch eine Kommission ausgewählt, wobei der Kontext zu Bildungsfragen und ihre kritische Reflexion wichtig ist. Ideenaustausch bietet auch die Reihe Xposit, in der drei Absolventen, diesmal Miae Son, Sophie Pölzl und Jessyca R. Hauser die Gelegenheit für einen ersten Auftritt bekommen. Professoren einiger Fachbereiche bestimmen die Auswahl mit und auch hier gibt es 2019 ein Jahresmotto, nämlich die auf die historische Land Art reflektierenden Begriffe "Sight and Non-Sight".

Im März starten dann drei thematische Ausstellungen, Programmierung und Koordination aller Projekte liegt seit den Sommermonaten in den Händen von Stephanie Damianitsch, die zuvor in der Kunsthalle Krems und im Leopold Museum als Kuratorin mit Gegenwartskunstpersonalen wie Elfie Semotan oder Berlinde de Bruyckere sehr erfolgreich war. März bis Mai werden die Kuratorinnen Véronique Boilard, Andrea Haas, Nina Hoechtl und Julia Wieger kollaborative feministische Praxisfelder unter dem Titel "Dunkle Energie" beleuchten. Im Sommer geht es mit "Field Within" weiter, die wissenschaftliche Nachbardisziplinen wie Anthropologie und Ethnologie mit dezentraler Perspektive in die künstlerische Forschung rückt. Dabei bringen die Kuratoren Mariel Rodriguez und Catalina Ravessoud neben Performance Video, Installation, Fotografie auch kulinarische Untersuchungen in das "Feld im Inneren". Ab Oktober wird die "Schule für Bildhauerei" einen historischen Blick auf seine Spezialisierung werfen, einbezogen die Geschichte der Gebäude im Prater. Viele kuratorische Beiträge, unter anderem von Simone Bader oder Jakob Krameritsch, versprechen jedenfalls eine kritische Reflexion und subversive Positionen über Sonderstatus oder sozialromantische Idylle.

Virulente Fragen

Den Auftakt bilden diverse Abschlussarbeiten von der Graphic Novel über fotorealistische Malerei, Kurzspielfilm, Video und Videoanimation, bis zu einer interessanten kulturhistorischen Installation von Zoe DeWitt über die österreichische Schmuckkünstlerin Cissy Zoltowska. Die Mischung junger Positionen mit einem ambitionierten internationalen Programm lässt an diesem Ort einen besonderen Beitrag zu virulenten Fragen der Gegenwartskunst erwarten. Besonders nach Schließung der privaten Foundations, des TBA 21 und der anderen Nutzung des MUSA während der Umbauphase des Wien Museums wird dies ein Hotspot für junge Kunst mit Blick auf die etablieren Positionen in der Secession.