Der erste Blick zurück ins Jahr 1966 auf den schönsten Mann Wiens, erinnert an die schmalspurige Aufnahme der Pop-Art in dieser Stadt. Nur Christian Ludwig, der sich seit diesem Jahr Attersee nannte, etwas später Martha Jungwirth und Peter Pongratz, gehören zu den wenigen Ausnahmen, die Otto Breicha "Alpenpop" nannte.

Andy Warhol wählte Kühe für eine Tapete, Attersee nimmt seine "Entwürfe für kosmetische Operationen" von 1968, um für die Ausstellung das Stiegenhaus im Belvedere 21 neu zu tapezieren. In einer Ecke wird so radikal wie damals, die hehre Kunst weggespült durch Flaschenetiketten, Schi und Geschirr; für seine üppigen Werbe- und Designobjekte ist der Künstler oft gerügt worden.

Kitsch und Camp, über den im fernen Amerika Susan Sontag schrieb, brachte hier die wenig konsumorientierten Gemüter noch ordentlich zum Kochen.

Sinnlichkeit und Ironie

Attersee, der sich nach dreifachem Staatsmeistertitel im Segeln zunächst zur Musik hingezogen fühlte und dann in der bildenden Kunst landete, studierte bei Eduard Bäumer an der Angewandten. Er gab sich als Popstar und tat so, als ob es schon einen nennenswerten Kunstmarkt gäbe. Seine Leitmotive versuchte er in allen Medien zu verbreiteten, teils comicähnlich, teils mit einschneidender Art, in Collagen und durch Objekte wie das "Attersteck".

Letzteres brachte Bild-Resultate wie den "Fingerimbiss". Nackt und mit Spiegelei-Höschen inszenierte sich der Künstler auf Fotoserien, als "Kapitän schön", samt Buchstabenprothese, lockerte er früh die Geschlechterrollen. Den direkten Draht zur Sinnlichkeit konnten später Künstlerinnen wie Sarah Lucas als Inspiration aufnehmen: Das Ei, auch auf der Brille und im Bild wanderte bei ihr an die Brust. In aller Ironie lag aber die Intention, Sinnloses über das Erhabene zu heben, gegen hohen Kulturanspruch zu "wettern".

Den Ausstieg aus der Malerei vollzogen andere. Mit den existentialistisch von der Nachkriegszeit geprägten Aktionisten verband den Flüchtling aus Bratislava weniger als mit den Wortakrobaten der "Wiener Gruppe", an guten Musiktagen spielt er bis heute mit Gerhard Rühm an zwei Klavieren. Der Atterseemusik, oft mit Freunden, hat Kuratorin Britta Schmitz zu Recht einen eigenen Raum gewidmet, denn das hedonistische Dilettieren treibt wie das eigenwillige Wortspiel spielerisch die Malerei an. Dort kann man im Liegen "Rampi, Rampi" hören, die Ode an die Rampensau, die auch in neuer CD Edition aufgelegt wurde.