Auch wenn ein Hakenkreuz nebst Taube aus dem Stephansdom wächst, war Attersee nie destruktiv, hat auch im 20er Haus erst einmal musiziert und 1982 seine "werkspur" hinterlassen wie den feuchten Schleim einer Schnecke, allerdings wird dieser blau über Torten und Brote gestrichen. Zuerst wollte er ATTERSEE wie EXPORT mit Versalien geschrieben, damit er im Hirn der Leute haften blieb. Dann kam er zu Biennalen und zur Documenta, 1991 wurde er Professor an der Angewandten, als gerade "Geknüpfte Wetter"-Teppiche nach seinen Vorlagen in Anatolien entstanden.

Bei aller Entgrenzung der Kunst zu Musik und Theater, Design und Bühnenbild, auch performativem Agieren vor Foto- und Filmkamera, bleibt das Segelsetzen meist im Bild, das Umspülen von schönen Frauenkörpern, Seepferdchen oder Hunden kann nach anfänglicher Malglätte mit abstrakten, blauen und weißen Farbflocken passieren. Welt verbessern wollte er nie, eher wie Epikur die Lust am geglückten Leben sichtbar machen. Mit kleinen Grotesken, Arabesken und operettenhaftem Kitsch, gelang es ihm, gegen den Heimatfilm und das propagierte Ende der Malerei zu protestieren. Zweimal übertreiben ins Plus und das wilde Malen kam in den 1980er Jahren bei der Nachfolgegeneration.

Eckige Regenbogen

Filmisch empfängt der Künstler seine Gäste: Zuerst ein Schild, dann eine Ansage, schließlich schwebt er mit Hund am Tellerschiff über den See. 2011 ist das Atelier immer noch seine "Feuerstelle" an Ideen, auf gleichnamiger Collage kleckst es gewaltig um sein ausgeschnittenes Fotoselbst in Jung vor der Staffelei und Damen paaren sich mit Bären. Immer noch fällt der "österreichische Stolz" (früher Plakatslogan von Attersee und Pichler), als politisch inkorrekt auf, so 2018 durch ein Skihaserlplakat für den Semmering.

Gibt es da bei allem Transgendern doch die primär männliche Sicht mit fleischlichen Durchstoßungen und Zungenspaltungen als Zierde? Zu den frühen "Schwuchtelbildern" wurde Attersee angeregt durch die türkische Transe Zeki Müren, dabei und mit dem Blick auf Roy Black fällt ein Vorhang, der den Phalluskult in kleinen Dosen zulässt. Wer stichelt, bleibt jedenfalls politisch.

Auch wenn das "Vagina Objekt" neben dem Würfel-BH leider nicht mehr befingert werden kann, ist sein Innenleben klar: Es verbirgt was. Daneben gibt es die Vorschläge für eckige Regenbogen in Trauer und auch ein Verwursten von Motiven. Eine Sinnenflut, die vielleicht zu stark in die Gegenwart fließt, aber durch viele Vitrinen und grafische Zyklen, die noch nie ausgestellt waren, ein Ort für Themeninseln, an denen Kunstdiktate abprallen.