Genf. Die nähere Beschreibung als "Salon d’Art" stand sofort fest: "Das Messeformat sollte etwas Überschaubares wie Privates mit einem Hauch Exklusivität haben", erzählt der Gründer von der Konzeptionierung der Art Genève, Thomas Hug, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Ich wollte auf keinen Fall mit den großen, hektischen Kunstmessen rund um den Globus konkurrieren - eine Messe als weltoffenes, vielfältiges und gastfreundliches Wohnzimmer, schwebte mir vor!" Daher wurden zu den ersten Ausgaben ab 2012 auch nicht mehr als 25 bis 35 Galerien von der fünfköpfigen Jury zugelassen. Doch der Erfolg und die Nachfragen brachten ein Umdenken bei den Organisatoren und der Leiter Thomas Hug mit sich. "Vor drei Jahren haben wir das Kontingent auf 80 bis 90 internationale Galerien erweitert", erläutert Hug. "Aber das ist das absolute Maximum, denn wir wollen auf keinen Fall unsere Identität und Menschlichkeit verlieren. Dass der hier gepflegte, direkte wie intensive Dialog zwischen Galerien und Sammlern verloren geht, müssen wir unbedingt vermeiden!"

Spannende Mischung

Thomas Hug weiß, wovon er spricht. Der gebürtige Genfer, der für ein Musikstudium nach Berlin gezogen und dort in die überaus lebendige Kunstszene eingetaucht ist, hat einige Jahre selbst die zeitgenössische Galerie "Coma" mit Musikprogramm geführt. "Relativ schnell haben wir an großen Kunstmessen rund um den Globus teilgenommen und dabei die Vor-, aber auch die Nachteile kennengelernt", beschreibt er seine Entscheidung, nach der Rückkehr in die Schweiz, eine überschaubare, intime und elegante Messe ins Leben zu rufen. "Selbstverständlich stellt Genf als wohlbestallte Stadt und ihr Umfeld, mit vielen internationalen Banken und Institutionen einen relativ guten Platz für eine Kunstmesse dar, aber nichtsdestotrotz musst du erst eine spannende Mischung von Galerien hierher bekommen - und das nicht nur für ein Antreten", unterstreicht er die Aufgaben der Art Genève.

Das Ausstellerfeld kann sich - bemessen am Umfang der Messe - wirklich sehen lassen: Von globalen Superstars wie Gagosian, Hauser & Wirth, Continua, Pace, Kamel Mennour oder Marlborough bis zu kleineren, bemerkenswerten Galerien wie Marie-Laure Fleisch (Brüssel), Nicola von Senger (Zürich), Exile (Wien) oder Christine König (Wien) erstreckt sich das Spektrum. Doch damit nicht genug. Ergänzt wird die Präsentation nicht nur durch den Pad ("Pavillon des arts et du design"), sondern auch durch sehenswerte, seriös kuratierte Sonderschauen von Institutionen wie dem Genfer Mamco ("Musée d’Art Moderne et Contemporain" - mit einer gerade laufenden, großartigen Ausstellung der Künstlerin Mai-Thu Perret), dem Kunsthaus Baselland oder der Versicherungsgenossenschaft Mobilière, die auch zu Beginn der Messe einen mit 30.000 Franken dotierten Preis für junge Schweizer Künstlerinnen und Künstler vergeben hat (Preisträgerin 2019: Maya Rochat).

Ein Hauptteil des Erfolges der Art Genève liegt sicherlich auch im Charakter der Sammlerschaft, für die die Messe zum fixen Bestandteil für Kunstkäufe geworden ist. Hier trifft der Besucher nicht auf großen, weltweit agierenden Sammler, die teilweise schon in den ersten Minuten einer Kunstmesse hektisch um bestimmte Künstler und deren Werke feilschen. Hier wird auch nicht mit Rekordpreisen in Millionenhöhe geprahlt, sondern das Preisniveau bewegt sich großteils auf einem moderaten Niveau, bei ansprechenden Qualitäten.

"Die Sammler hier sind profunde Kenner der Materie, verfügen über ausreichend Geld und pflegen oft schon seit Generationen ihre Liebe zur bildenden Kunst. Die erstandenen Arbeiten hängen dann auch in ihren Salons", erzählt die Wiener Galeristin Christine König von ihren Erfahrungen bei der Art Genève. "Für uns ist es hier ein ganz tolles Pflaster!", ergänzt sie, die von Anfang an teilgenommen hat, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Und es ist nicht nur die ältere Sammlergeneration, sondern es kommen immer mehr junge Menschen, meist im Bankgeschäft, zu uns und interessieren sich für zeitgenössische Kunst. Im Gegensatz zur oberflächlichen Goldgräberstimmung in London oder New York vor einigen Jahren - vor dem kapitalen Börsencrash - lassen die sich hier sehr gerne beraten - und fallen somit nicht auf funkelnde, aber kurzzeitige Talmi herein", führt König, die heuer ihr 30-jähriges Galerienjubiläum feiert, weiter aus.

Ableger in Monte Carlo

Ihr Erfolgslauf bei der Genfer Messe hat sich auch heuer fortgesetzt. Bereits am Eröffnungstag konnte sie Arbeiten von Andreas Duscha, Thomas Hartmann, Adel Abdessemed (Zeichnung um 85.000 Euro) und Thilo Jenssen (Werke zwischen 1200 und 10.000 Euro) verkaufen.

Zurück zu Direktor Thomas Hug: Der Erfolg der Kunstmesse hat auch darin gemündet, dass es seit zwei Jahren einen Ableger in Monaco gibt. "Die Art Monte Carlo folgt dem gleichen Prinzip - ein kleiner Salon d’Art mit einem schönen, abwechslungsreichen Programm", berichtet er. Ein zusätzliches Projekt, das ihn weiter auf Trab hält und in viele Destinationen. Vermisst er manchmal die Musik? "Ich spiele ja noch in einer Popband - ,La Stampa‘. Wir nehmen regelmäßig neue Songs auf und produzieren auch CDs", erzählt er mit einem Lächeln von seinem Nebenjob. "Und als Entspannung vom Messetrubel spiele ich fast jeden Tag Klavier - für mich eine perfekte Ergänzung zur Kunstwelt!"