Dokument eines gemeinsamen Wegs: Maria Lassnigs Porträt von Arnulf Rainer. - © Maria Lassnig Stiftung
Dokument eines gemeinsamen Wegs: Maria Lassnigs Porträt von Arnulf Rainer. - © Maria Lassnig Stiftung

Ein Foto aus dem Jahr 1949 zeigt Maria Lassnig und Arnulf Rainer in Lassnigs Atelier in Klagenfurt. Durchmisst man den großen Ausstellungsraum des Kunstmuseum Lentos, gelangt man zu einem Foto der etablierten Künstler im Jahr 1999, von Rainer übermalt. Der Weg durch eine nahezu labyrinthartige Schau beschreibt das Frühwerk von Lassnig und Rainer, ihre verwobenen Biografien, ihre fünfjährige Liebesbeziehung, ihre künstlerischen Einflüsse aufeinander - und die Trennung ihrer Wege Mitte der 50er Jahre.

2019 wäre Maria Lassnig 100 Jahre geworden, Arnulf Rainer hat in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag. Die Lentos-Schau "Lassnig Rainer. Das Frühwerk" startet einen Ausstellungsreigen, der mit Lassnig-Personalen in München und Amsterdam fortgesetzt wird. In Linz werden 120 Werke der beiden aus den frühen Jahren zwischen 1948 bis 1960 gezeigt. Von teilweise parallel laufenden surrealistischen, abstrakten und auch kubistischen Entwicklungen bis zum Ausprägen unverkennbarer Stile und künstlerischer Sprachen.

Gegenseitige Unterstützung

Arnulf Rainer war 1945 mit dem Fahrrad vor den russischen Besatzungssoldaten von Baden nach Klagenfurt geflohen. Maria Lassnig erhielt im selben Jahr ihr Diplom an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und bezog danach ein Atelier in Klagenfurt. Kurz darauf erhitzt ein Kunstskandal das Kärntner Publikum: Eine Aktdarstellung von Lassnigs damaligem Gefährten Michael Guttenbrunner wird als Pornografie bezeichnet.

Rainer besucht 1947 die Ausstellung mit dem Gemälde, 1948 kommt es zum ersten Treffen der beiden, und eine intensive Beziehung beginnt. Lassnigs Klagenfurter Atelier ist Treffpunkt für zahlreiche Künstler und Literaten. Die späten 40er Jahre in Österreich sind eine künstlerische Wüste, das Künstlerpaar prägt den Aufbruch in die Moderne mit und öffnet durch seine Reisen nach Paris die Türen weit nach Westen, erklärt Peter Pakesch von der Maria-Lassnig-Stiftung. Die 2015 entstandene Stiftung hat die Ausstellung maßgeblich mit Werken, Fotos und Dokumenten unterstützt, die ausgestellten Werke Rainers kommen aus der Lentos-Sammlung.

Auf Maria Lassnigs Seite lässt sich ihr Weg von ersten abstrakten Selbstporträts und Frauendarstellungen über den Surrealismus, die ersten Körpergefühlszeichnungen verfolgen. Das gemeinsame Künstlerkollektiv Hundsgruppe ist ebenso dokumentiert. Gegenüberstellungen von Lassnig und Rainer zeigen, wie sehr sie sich phasenweise stilistisch nahe waren.

1954 ging diese komplizierte Künstlerbeziehung auseinander. Bevor Lassnig Anfang der 60er Jahre nach Paris ging, fiel es ihr schwerer als Rainer, in Wien Fuß zu fassen. Rainer stellte damals bereits mehrmals in der Galerie nächst St. Stephan aus. 1960 bekam schließlich auch Maria Lassnig eine Einzelschau in St. Stephan, bei der sie aus Protest einen Schnurrbart trug, ein "ironischer und zugleich bitterer Kommentar, welches Geschlecht man in den Nachkriegsjahren besser mitbringt, wenn man in der Kunstszene reüssieren will", heißt es im Katalog. In ihrem Tagebuch von damals nennt sie sich "Mario Lassnig".

Mit Lassnigs Aufbruch nach Paris, New York und Berlin trennen sich die Wege von Rainer und Lassnig. Rainer habe in den letzten Lebensjahren von Lassnig noch versucht, mit ihr gemeinsam im Badener Rainer Museum auszustellen, erzählt er: "Es hat leider nicht mehr geklappt, leider ist es nicht mehr dazu gekommen." Die erste große Doppelausstellung der beiden findet nun im Jubiläumsjahr 2019 im Lentos statt.

Geschichte der Fotografie

Ein Foto-Porträt von Maria Lassnig findet sich auch im Untergeschoß des Lentos. Hier wurde parallel zur Rainer-Lassnig-Schau die Ausstellung "Fotografie" eröffnet. Rainer Iglar und Michael Mauracher vom Fotohof Salzburg haben aus der reichhaltigen Fotosammlung des Museums eine Geschichte der Fotografie herausgearbeitet: von einem der Erfinder der Fotografie, William Henry Fox Talbot (1846) bis zu Massimo Vitali (2000) und Herwig Kempinger (2004).