Duett zu dritt

(cai) Zwei Frauen und ein Mann. Nein, nix, was nicht jugendfrei wäre. Bloß eine Ausstellung. Drei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Positionen treffen sich im Artemons Contemporary zu einem nicht unspannenden Dialog zu dritt. Also zu einem Trialog.

Franziska Maderthaner malt. Und das wie gewohnt mitreißend und sinnlich. Farbräume mit Fenstern. Naturgewaltig (oder eigentlich kunstgewaltig) fließt die pure Farbe abstrakt durch einen stimmungsvollen Realismus. Bernhard Tragut malt ebenfalls. Okay, seine Skulpturen an. Aus dem Stoff, aus dem klassischerweise die Heiligen und Madonnen sind (Lindenholz), schnitzt er den modernen Menschen. (Den Homo sapiens? Den auch.) In originellen Situationen. Einer wird in den Geburtskanal zurückgesaugt. Oder in ein Wurmloch? (Witzig.) Eine Frau kann fliegen und: übergibt sich? ("Fliegen ist gar nicht so schwer, aber die Landung . . .") Die Figuren wirken oft ein bissl verloren. Wenn sie in irgendwelchen Riesenblüten hocken, die aber wenigstens nicht versuchen, sie zu fressen.

Irene Andessner malt - und jetzt werden viele sicher ergänzen: nicht. Weil das ist doch die mit diesen perfekt gemachten fotografischen Selbstporträts als jemand anderer. Das ist sie hier zwar eh auch. Reinszeniert das Selbstporträt der Malerin Gwen John. Baut einen Sessel daraus. Oder klont sich im Video "Cyberface REN" (1998) neun Mal. Wird zur Replikantin mit Defekten. Doch dann ist da plötzlich ein malerisches Werk. Aus den 1980ern. Etwa dieses Selbstporträt als - sie selber. Trotzdem könnte das Bild fast ein Max Weiler sein (dessen Schülerin sie war). Nur halt ohne Landschaft, dafür mit Gesicht. Gar nicht übel. Nicht, dass das buntere, expressivere nicht noch besser wäre.

Artemons Contemporary
(Opernring 21)
Irene Andessner, Franziska Maderthaner und Bernhard Tragut, bis 23. Februar

Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 16 Uhr

Koordinaten des Erinnerns

(cai) Der Ausstellungstitel könnte sachlicher nicht sein: "M 48° 15’ 24.13’’ N, 14° 30’ 6.31’’ E." Und die meisten werden ihn jetzt wohl auch völlig emotionslos gelesen haben. Jedenfalls ohne dabei an den Holocaust und die Nazi-Gräuel zu denken. Weil sie einfach noch nicht gewusst haben, dass das die Koordinaten von Mauthausen sind.

"Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch", hat Theodor W. Adorno gemeint. Und der Marko Zink findet eben, dass es nicht okay ist, nach Mauthausen . . . zu fahren und in der dortigen KZ-Gedenkstätte Selfies zu machen. Sich aufzuführen wie ein Tourist beim Sightseeing. Mit seinen eigenen Fotografien (zu sehen in der Galerie Michaela Stock), auf denen ganz bestimmt nirgends sein Gesicht drauf ist, will er dem Ort quasi die Würde zurückgeben. Be- und misshandelt dafür den noch unbelichteten analogen Film. Kocht ihn, kratzt, stanzt, setzt ihn Chemikalien aus. Am Ende sind die Farben ausgebleicht wie verblasste Erinnerungen. Und manchmal könnte man fast denken, die Zeit hätte die Fotos so zugerichtet und nicht die Kunst.

Gerade die Auslöschung macht hier oft die Dinge erst sichtbar. Tintentod-Spritzer leuchten wie das Luminol am Tatort, das Blutspuren wieder "ans Licht" bringt. Und in "Die Ansicht" erzeugt ein schwarzes Loch eine so unwiderstehlich starke Gravitation, dass es sämtliche Blicke aus der Umgebung anzieht. Also die Blicke der Galeriebesucher. Ein blinder Fleck beim Betrachten der heimatlichen Geschichte? Oder starrt die Geschichte uns an mit ihrer Pupille? Und wenn das Innere einer Baracke für 500 Personen 500-mal fotografiert und dann in ein Raster hineingepfercht wird, bekommt die unmenschliche Zahl plötzlich 500 Augenpaare, die ins Nichts schauen. Eine vielschichtige, intensive Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit, die nicht verjährt. Ab dem 10. April wird die Fotoserie in Mauthausen gezeigt.

Galerie Michaela Stock
(Schleifmühlgasse 18)
Marko Zink, bis 2. März
Di., Mi.: 16 - 19, Do., Fr.: 11 - 19, Sa.: 11 - 15 Uhr