• vom 07.02.2019, 07:30 Uhr

Kunst


Ausstellung

"Es sind schlechte Zeiten für Zeichner"




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Von Bernhard Baumgartner

  • Cartoonisten finden sich im Schussfeld zwischen Shitstorm und Sparzwang, warnt Karikaturmusem-Chef Gusenbauer.


© Landessammlungen NÖ/C. Fuchs © Landessammlungen NÖ/C. Fuchs

Krems. Gottfried Gusenbauer ist Direktor des Karikaturmuseums Krems und Kurator der neuen Deix-Ausstellung zum 70. Geburtstag, den das Ausnahmetalent nicht mehr erlebt hat. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" warnt Gusenbauer vor den Gefahren des Korrektheitsdenkens und den ökonomischen Zwängen, die es heute fast unmöglich machen, dass ein Künstler wie Manfred Deix Erfolg hat.

"Wiener Zeitung:" Ihr Haus hat seit Jahren eine Dauerausstellung zu Manfred Deix im Angebot. Warum machen Sie nun eine Deix-Sonderschau?


Gottfried Gusenbauer: Es ist zweieinhalb Jahr her, dass Manfred Deix verstorben ist und er hätte jetzt seinen 70. Geburtstag gefeiert. Wir möchten ein Zeichen setzen, dass Deix unvergessen ist, gerade auch in der Karikaturlandschaft. Zudem sehen wir, dass sich viele junge Künstler auf Deix beziehen. Diesen Einfluss, diese Ausstrahlung wollen wir zeigen und mit einem neuen Konzept einen weiteren Schritt gehen. Wir zeigen die Verbindung zu den Kollegen und starten daher mit "Deix & Friends" ein ganz neues Format. Wir wollen den Zuschauern ganz neue Seiten der Karikatur zeigen. Ganz im Sinne von Billy Wilder, der einmal die "ekelerregende Gemütlichkeit" als Charakteristikum für Deix nannte.

Gottfried Gusenbauer.

Gottfried Gusenbauer.© KMK Gottfried Gusenbauer.© KMK

Deix ist nach wie vor ein Künstler, der das Publikum gegen den Strich bürstet. Worauf muss man sich gefasst machen?

Man kann sich darauf gefasst machen, dass wir wirklich die besten der besten Cartoons zeigen. Wir haben in den Sammlungen mehr als 600 Arbeiten, darunter ganz großartige Zeichnungen. Wenn man sich das ansieht, kann man erkennen, dass Deix - wie man so schön sagt - nichts ausgelassen hat. Es gibt kein Tabu, das Deix nicht gebrochen hätte. Das ist natürlich eine Vorgabe, gerade für die heutige Zeit. Denn wir leben in einer Welt, in der sich jeder Zeichner überlegen muss, ob er für ein Sujet verklagt wird oder einen Shitstorm erntet. Deix hat es vorgelebt: keine Tabus! Das sollte man verfolgen.

Inwieweit ist es heute überhaupt noch möglich, wie Deix zu sein?

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Ich bin zum Beispiel sehr für die MeeToo-Bewegung und bin auch absolut dafür, Political Correctness zu leben. Aber es passiert eben heute immer mehr, dass Karikaturisten plötzlich mit Meinungen konfrontiert werden, die unglaublich sind. Eine Karikatur ist naturgemäß immer eine Überzeichnung oder ein Spiel mit Stereotypen. Das kann man doch nicht als Beleidigung gegen den Menschen oder gar ganze Gruppen auslegen. Die Übertreibung, die eine Karikatur ausmacht, ist gewollt und legitim. Und dennoch finden sich Zeichner zunehmend im Clinch mit Redaktionen, die sich fragen, ob man so was drucken darf. Früher gab es da vielleicht in seltenen Fällen eine Diskussion, heute ist es schon fast Standard, eine Zeichnung vor dem Druck mehrfach zu prüfen. Unlängst hat mir eine Zeichnerin aus der Türkei erzählt, dass sie es sich lieber sechsmal überlegt, ob sie eine Zeichnung publiziert. Es sind einfach keine guten Zeiten für Karikaturisten und sie werden auch immer schlechter. Es war noch nie so leicht, Menschen im Netz zu beleidigen. Umso mehr brauchen wir engagierte Zeichnerinnen und Zeichner im öffentlichen Diskurs. Wir müssen diese Leute hegen und pflegen. Und da kommen auch wir vom Karikaturmuseum ins Spiel. Wenn es schon kein Geld gibt, sollte es wenigstens Anerkennung geben.

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Schlagwörter

Ausstellung, Krems, Deix

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-06 16:24:09
Letzte Änderung am 2019-02-06 16:48:59



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