Was bedroht die Zeichner?

Es ist nicht nur die Angst vor dem Shitstorm, sondern auch, dass Karikaturen immer mehr zum kostenfreien Gemeingut werden. Jeder will witzige Zeichnungen sehen, aber das Verständnis, dass ein Zeichner auch bezahlt werden sollte, wird immer seltener. Leider sparen Zeitungsredaktionen heute auch bei den Zeichnern. Dabei ist eine Zeichnung ein gezeichneter Leitartikel.

Wenn man sich den Diskurs in den Sozialen Medien anschaut, hat man das Gefühl, die Gesellschaft wird immer humorloser.

Diese Entwicklung ist wirklich sehr schade. Ich würde mir mehr Gelassenheit wünschen und die Möglichkeit, Diskurs wieder zulassen zu können. Auch andere Meinungen haben ihre Existenzberechtigung. Man muss nicht sofort mit Klage drohen oder beleidigend sein. Man kann nicht Humor mit Beleidigung und Hetze gleichsetzen.

Wenn jetzt Millennials unvorbereitet ins Karikaturmuseum Krems gehen, könnte das doch fast traumatisierend wirken, so wie Deix etwa mit Sexualität umging.

Das ist absolut richtig. Ich bin auch sehr froh, dass Deix eine wichtige Säule ist, weil er eben so viele Zeichnungen auch unter der Gürtellinie gemacht hat. Deix war aber dabei immer ein Menschenfreund. Er hat sich zwar lustig gemacht, hat aber die Menschenwürde nicht angetastet. Das ist auch das Geheimnis seiner Beliebtheit. Wenn Deix alles ungeschönt zeigt, ist das auch eine Vorgabe für die Jungen. Mich stört bei den jungen Menschen manchmal, dass sie zwar genau wissen, welche von 14 Geschmacksnuancen in Schokolade sie bevorzugen, aber den Willen zum Dialog haben sie nicht. Wir haben die Bereitschaft zum Gespräch verloren. Aber der Witz holt uns alle wieder runter und gibt ein Thema vor.

Ausstellung: "A echta Deix - Unvergessen!"

"Keine Katzen! Keine Tschick! Keine Zumpferln und Dutteln! Ab jetzt nur noch Heiligenbildchen!" Mit diesen Himmels-Regeln von Petrus höchstselbst hat Manfred Deix in der Zeichnung "Karikaturistenhölle" von Thomas Wizany wohl nicht gerechnet. Das Blatt ist Teil von "Deix & Friends", einer kleinen Schau in der Schau im Karikaturmuseum Krems. Hier kann man sehen, wie Deix auch auf andere Karikaturisten wie Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz oder Wilbur ausstrahlt und wie diese auf seinen viel zu frühen Tod 2017 reagierten. In der benachbarten großen Tribute-Ausstellung "A echta Deix - Unvergessen!" (seit Samstag noch bis 9. Februar 2020 im Karikaturmuseum Krems) werden mehr als 150 Werke, Skizzen, Fotos und kommentierte Cartoons gezeigt. Der Grafiker, Cartoonist, Musiker und leidenschaftlicher Dichter Manfred Deix war Mitbegründer des Karikaturmuseums Krems im Jahr 2001. Die Untiefen und Bodenlosigkeiten der österreichischen Seele lotete das Enfant terrible der heimischen Karikaturisten-Szene schonungslos aus. Die von ihm dargestellten Typen wurden als "Deix-Figuren" vom pickeligen Buben bis zum geifernden Alten sogar in den Duden aufgenommen, wobei für den schadenfrohen Betrachter natürlich immer die anderen gemeint sind. Die Schau hat einige Höhepunkte zu bieten, etwa den Zyklus "Die sieben Todsünden", die mit Liebe zum Detail zum ganz großen Wurf anheben. Auch das fast schon traditionelle Erotik-Eck zur Hebung der Zumpferl-Quote darf in der Schau nicht fehlen.