• vom 12.02.2019, 16:23 Uhr

Kunst

Update: 12.02.2019, 16:57 Uhr

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Zerbrechender Raum und ängstliche Dosen




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  • Aktuelle Austellungen bei Krobath und Gans.

Müssen sich nicht fürchten, die Getränkedosen. Leer zu sein, ist nicht das Ende. Von Sabine Christmann werden sie ja gemalt. - © Galerie Gans

Müssen sich nicht fürchten, die Getränkedosen. Leer zu sein, ist nicht das Ende. Von Sabine Christmann werden sie ja gemalt. © Galerie Gans

Zerbricht der Raum, wenn er runterfällt?

(cai) Der Raum ist sowieso nur Einbildung. Nicht der Raum generell. Der von der Galerie Krobath zum Beispiel ist schon echt. In den kann man schließlich hineingehen. (Und es gibt da nicht bloß einen einzigen.) Aber der auf der Leinwand, der ist lediglich eine optische Täuschung. Weil Bilder bekanntlich flach sind. Und die Malerei ist eine Scheibe. Denn wäre sie eine Kugel, dann wäre sie ja eine Skulptur. (Und eigentlich sind’s zwei Ausstellungen. Von zwei Wienerinnen. Nicht, dass die nix gemeinsam hätten. Klare Linien und Flächen . . .)

Information

Krobath Wien
(Eschenbachgasse 9)
Theresa Eipeldauer und Rosa Hausleithner
bis 22. Februar
Di. - Fr.: 11 - 18, Sa.: 11 - 15 Uhr

Galerie Gans
(Kirchberggasse 4)
Sabine Christmann, bis 2. März
Di. - Fr.: 12 - 18, Sa.: 12 - 15 Uhr

Theresa Eipeldauer - der Titel ihrer Schau ist so rätselhaft, wie es ihre Siebdrucke auf Leinwand sind: "A/O/I." Erinnert ein bissl an die berühmten Vokale der Habsburger. Ans "AEIOU". "Alles Erdreich ist Österreich untertan." Beziehungsweise "Austria erit in orbe ultima". (Österreich ist auf der Welt das Allerletzte? So ähnlich.) Und "A/O/I"? Kurz für "Arrangement of incidents". Anordnung von Vorfällen/Zwischenfällen/Störfällen. Also nix mit Austria oder Weltherrschaft. Mit großer Präzision entwirft die Künstlerin mysteriöse Objekte, denen man durchaus eine Funktion zutrauen würde, die man aber nicht wirklich einordnen kann. Könnten manchmal genauso gut Restln sein. Material, das beim Zuschneiden der eigentlichen Form übrig geblieben ist. Und gern kippt die 3D-Illusion ins Unmögliche. Wiederholungen, Variationen, Irritationen. Und Flimmer-Effekte bringen Bewegung rein.

Und Rosa Hausleithner? Kommt von der Bildhauerei her und malt. Konstruiert spannende, dynamische - abstrakte - Räume mit zersplitterter Perspektive. Kontrastreich bunt. Den Augen und dem Hirn wird jedenfalls garantiert nicht fad beim Versuch, sich in den Bildwelten der beiden Künstlerinnen zurechtzufinden.

Die Angst der Dose vor dem Pfft

(cai) Zeig mir deinen Mist und ich sag dir, wer du bist. Was Sabine Christmann malt, ist jedenfalls für den Müll. Nein, nicht ihre Bilder, die sind natürlich für die Wand (und hängen derzeit in der Galerie Gans). Und es wäre definitiv ein Verbrechen, sie wegzuschmeißen. (Wieso? Seit wann ist Banausentum strafbar?) Die Motive hab ich gemeint. Okay, das meiste davon kann man eh recyceln: die leeren Getränkedosen und -flaschen. Die Plastiksackerln gehören allerdings in die Restmülltonne. Aber die sterben sowieso gerade aus.

Moderne Vanitas-Stillleben? Die den Menschen (Tschuldigung, den gibt’s ja eigentlich nimmer in der Konsum- und Wegwerfgesellschaft), die also den Konsumenten an seine Vergänglichkeit erinnern? (Oder zumindest an die Vergänglichkeit seiner Produkte?) Schließlich ist in den Einwegbehältern meistens nix drin. Nix mehr drin. (Außerdem haben die kohlensäurehältigen Limonaden ihr gesamtes CO2 freigesetzt. Das Molekül des Bösen, diesen Klimakiller.)

Auf einer neutralen weißen Bühne arrangiert die Malerin ihre Akteure. Sucht sich aus ihrem Fundus sorgfältig die passende Besetzung zusammen, die (farblich) harmoniert. Die Massenware spielt dann freilich nicht Theater. Eher Leben. Wird beseelt. Kennen Sie den, wo sich eine Theaterbesucherin bei ihrem Begleiter über die schlechte Akustik aufregt und der antwortet darauf: "Ja, jetzt riech ich’s auch."? Und in diesen sinnlichen Gemälden hört man eben das Rascheln der Sackerln, wenn man ganz genau hinschaut. Weil Sabine Christmann es gemalt hat. Kein glattes, plakatives Product Placement ist das, sondern eine weiche, atmosphärische Malerei, wo die banalen Dinge Smalltalk machen, flirten, schüchtern sind. Und das ist "Nicht alltäglich" (Ausstellungstitel). Schweben (auf dem eigenen Spiegelbild) tun sie obendrein. Sind das überhaupt noch Stillleben oder bereits Gruppenporträts?





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-12 16:36:25
Letzte Änderung am 2019-02-12 16:57:22



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