Manieristische Anspielungen treibt Arcimboldo in "Terra". - © Vaduz-Vienna
Manieristische Anspielungen treibt Arcimboldo in "Terra". - © Vaduz-Vienna

Sie hingen von Anfang an zusammen: die Familien Habsburg und Liechtenstein - und damit auch die wechselvolle Geschichte ihrer Sammlungen. Das Fürstentum feiert heuer sein 300-jähriges Jubiläum und gab 400 Jahre Kunstgeschichte mit 200 Meisterwerken bis Juni an die Albertina, um in zwei Ausstellungen seine reichen Schätze präsenter in der Öffentlichkeit zu machen als im Stadt- und Gartenpalais Liechtenstein, wo sie nur mit angemeldeten Führungen und Events zugänglich sind.

Zum einen sind von der späten Gotik mit einem oberrheinischen Meister von 1340 bis zu Hans Makart Gemälde und Skulpturen zu sehen, die zu zwei Drittel in den letzten Jahrzehnten erworben wurden, zum anderen, in den
Tietze-Galleries, Aquarelle des Biedermeier von Rudolf von Alt über Moritz Daffinger, Peter Fendi bis zu Josef Kriehuber, der die fürstliche Familie nach 1800 porträtierte. Im Klassizismus hatten die Besitzerin der Albertina, Erzherzogin Marie Christine, und eine Prinzessin aus dem Hause Liechtenstein einen Briefwechsel über Immanuel Kant und die Aufklärung.

Quentin Massays legt in seinen "Steuereintreibern" besonderen Wert auf Gestik und Mimik. - © Vaduz-Vienna
Quentin Massays legt in seinen "Steuereintreibern" besonderen Wert auf Gestik und Mimik. - © Vaduz-Vienna

Die Sammlungen erlebten damals glückliche Zeiten, von der auch städtische Museen profitierten. Im 20. Jahrhundert jedoch gab es Verluste durch Krieg, Beschlagnahme von Ländereien und Kunstwerken im Osten und die nötige Flucht nach Vaduz 1938. 1967 ging noch Leonardo da Vincis Porträt der Ginevra de‘ Benci nach Washington - ein unwiederbringlicher Verlust. Doch sind die letzten Neuerwerbungen einer Büste des Marc Aurel von Antico (Pier Jacopo Alari-Bonacolsi), eines großen Gemäldes von Jacob Jordaens oder, wie im Katalog zu finden, auch eines Francesco Barbieri (Guercino) neben der bekannten Reihe an erstklassigen Gemälden von Peter Paul Rubens, die schon Fürst Adam Andreas I. im Barock erwarb, sehr erfreulich. Hauptaugenmerk ist dabei die Rekonstruktion und Ergänzung der einstigen Konvolute, und nicht mehr ein Bezug zur Kunst der Gegenwart, wie damals im Biedermeier, als sich beide Herrscherhäuser ganz dem bürgerlichen Geschmack anschlossen und ihre Häuser auch erstmals für das Publikum zugänglich machten.

Anspielungen und Scherze

Die Liechtensteins haben jetzt die letzte fürstliche Sammlung auf Wiener Boden, seit die Harrachs ihr Stadtpalais verkaufen mussten und die Kunstwerke nach Rohrau gingen. Die "Mona Lisa" der Sammlung ist die "Venus vor dem Spiegel" mit einem Schwarzen als Pagen von Rubens, eine kaum noch transportable Arbeit auf einer dünnen, gebogenen Holzplatte, die nur für die kurze Reise aus der Rossau eine Genehmigung bekam. Daneben ist aber auch Frans Snyders "Liegende Löwin" bemerkenswert und, zeitlich davor, vor allem Giuseppe Arcimboldos "Terra". Eine Erde, die sich als Porträtkopf im Profil aus lauter Tieren zusammensetzt, und mit Schafsbalg am Hals auf das Goldene Vlies verweist, ist eine symbolische Anspielung besonderer Art, da es sich wohl um das Porträts eines Habsburgers in Anspielung auf die antiken "Grillen" handelt.

Besondere Scherze baute auch Pieter Brueghel der Jüngere in seine biblischen Geschichten ein, und Quentin Massays "Steuereintreiber" zeigen hoch emotionale Gestik. Hans von Aachens "Diana und ihre Nymphen" aus dem Umfeld Kaiser Rudolfs II., setzt manieristische Besonderheiten fort - ebenso verfährt Hermann Posthumus in seiner Ruinenlandschaft. Neben Historienbildern sind es viele Porträts, besonders von Frans Hals und Anthonis van Dyck - Stillleben, Veduten und die besonderen Bronzeskulpturen des Adrian de Vries nicht zu vergessen.

Über Antonio Canovas Büste der Paolina Borghese, Schwester Napoleons, und die Erinnerung, dass die Habsburger mit den Liechtensteins gegen den Kaiser der Franzosen ins Feld zogen, mündet der Parcours bei den bekannten Mädchenporträts Friedrich von Amerlings und den vielen besonderen Gemälden des Revolutionärs von 1848, Ferdinand Georg Waldmüller. Den Ausklang bildet der 2014 erfolgte Ankauf von Makarts "Tod der Kleopatra", ein Bild von 1875, das der Künstler immer in seinem Atelier behielt. Neben den Kahn Galleries sind die Aquarelle der Biedermeierzeit eine Fortsetzung des ohnehin schon üppigen Angebots, wobei auch die Palais der fürstlichen Besitzungen sowie die Porträts einzelner Familienmitglieder eine informative wie zu Konvoluten der Albertina erfreuliche Parallele und Erweiterung darstellen. Witzig wie modern dabei ist eine Schneeszene Friedrich Gauermanns, denn er zeigt sich beim albernen Herumtollen mit seinen Künstlerfreunden bei Miesenbach.