Balthus’ "Träumende Thérèse" (Ausschnitt). - © Fond. Pierre Gianadda
Balthus’ "Träumende Thérèse" (Ausschnitt). - © Fond. Pierre Gianadda

Madrid. Thérèse Blanchard sitzt auf einem Stuhl - träumend, selbstvergessen. Sie hat die Augen geschlossen. Die Beine sind leicht gespreizt, sodass ihr roter Rock hochgerutscht ist und einen Blick auf ihre blütenweiße Unterwäsche gewährt. Zu ihren Füßen schleckt eine Katze Milch aus einem Napf.

Balthasar Klossowski de Rola (1908-2001) bringt den Betrachter dieser erotischen Szene in die unangenehme Situation eines Voyeurs. Voyeuristische Szenen sind in der Kunst ein Klassiker. Das ist nicht das Problem. Doch der als Balthus bekannte französische Künstler malte Thèrèse Blanchard 1938, als das Modell gerade einmal 13 Jahre alt war.

Ist das nicht Kinderpornografie? Darf man so etwas noch zeigen? Auch wenn es sich um das Gemälde eines international renommierten Künstlers wie Balthus handelt? Pedro Tarquis meint Nein. "Wir sprechen hier über die Sexualisierung von zu schützenden Kindern." Aus diesem Grund nahm sein Verband, die Evangelische Allianz Spanien, Kontakt zum Madrider Thyssen-Bornemisza Museum auf, in dem das Gemälde "Thérèse, träumend" seit Dienstag im Rahmen einer großen Balthus-Retrospektive gezeigt wird.

Debatte um Grenzen

"Wir verteidigen die künstlerische Freiheit. Aber hier werden Minderjährige gegen ihren Willen in erotische Wunschobjekte erwachsener Zuschauer verwandelt", sagt der Sprecher der christlichen Vereinigung. Man wolle keineswegs das Gesamtwerk des Künstlers in Frage stellen. So habe man das Museum auch nur gebeten, die Bilder mit klaren pädophilen Inhalt nicht auszustellen.

Eine Antwort erhielt man nicht. So machte man den Antrag öffentlich. Mit Erfolg. "Wir hätten zwar gerne eine Debatte ausgelöst, die über die Freiheit der Kunst und Kreativität hinausgeht und sich mehr auf die Bedeutung des Schutzes von Minderjährigen in unserer Gesellschaft und Kultur konzentriert", meint Pedro Tarquis. Immerhin ist die Ausstellung seit Tagen Thema in Spaniens Medien. Sie löste gerade unter dem Eindruck der jüngsten Pädophilen-Skandale in der katholischen Kirche in Spanien große Diskussionen über die Grenzen der Kunst aus.

Balthus lasziven Mädchenbilder - und speziell die Darstellungen von Thèrèse Blanchard, die der Künstler gleich zwölf Mal malte - lösten bereits früher immer wieder Polemik aus. Auch 2016 gab es im Wiener Kunstforum rund um die damalige Balthus-Retrospektive große Kontroversen. Im vergangenen Jahr forderten 11.000 Personen in einer Online-Petition das Metropolitan Museum in New York auf, das Bild nicht mehr auszustellen.