Als Adolf Loos 1910 seine Maxime "Ornament und Verbrechen" gegen den Wiener Jugendstil losließ, bedachte keiner die Folgen künstlerischer Enthaltsamkeit einer männlich und weiß dominierten Avantgarde für die nächsten Jahrzehnte. 1945 war mit dem Siegeszug der Abstraktion, der Minimal-Art und Konzeptkunst - ähnlich der Nachkriegsarchitektur - mit westlicher Kulturdominanz Farbe und Ornament aus der Kunst verbannt. Doch in New York formierten sich in den 1970er Jahren Gegner dieser Enthaltsamkeit, die neben der Pop-Art sensibel auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorboten des Neoliberalismus reagierten. Ihre von einem Künstlerloft ausgerufene Bewegung nannte sich "Pattern and Decoration"; dabei waren viele Künstlerinnen, die Textil und Keramik einsetzten, handwerklich aufwendig collagierten mit sinnlicher Farbenvielfalt bis zum Kitsch, aber einen weltweiten Blick auf Volkskunst warfen. Orient und islamische Motive waren so beliebt wie die autochthon-indianischen Muster. Und doch waren es eine Gruppe weißer Künstler, die über den Tellerrand ihrer Hochkunst hinausblickten und auch als Performer ihren Standpunkt verteidigten.

Mangel an Stil?

Kritiker Hal Foster sah darin das Problem des Pluralismus und beschimpfte die Werke als "promisk", mit Mangel an Stil. Die feminine Note störte ihn wie die globale Erweiterung des Blicks. Doch auch die "Pattern and Decoration"-Bewegung hatte ihre Kritikerin, die Kunsthistorikerin Emy Goldin, die gegen männlichen Geist und Kunstfortschrittsparole antrat - im Katalog ist ihre erweiternde Sicht auf Muster, Raster und ausscherende Wiederholung, über Matisse und Warhol hinaus, nachzulesen. Das Sammlerehepaar Peter und Irene Ludwig erkannte in der Polemik gegen die misogyne Hochkunst des Westens vorausschauende Momente; sie erwarben große Werkblöcke, die aus Aachen und Wien im Herbst vereint nach Budapest als zweite Station weiterwandern. 43 Jahre und 11 Monate nach dem ersten Zusammentreffen der Künstler im New Yorker Loft von Robert Zakanitch gibt es derzeit ein gesteigertes Interesse an dem Thema, denn neben den Ludwig-Sammlungsstationen sind in Museen von Genf und Dijon (Schweiz und Frankreich) ähnliche Ausstellungen geplant.

Dabei kennen wir neben Pop-Art-Größen wie Andy Warhol die Namen Miriam Shapiro, Robert Kushner, Valerie Jaudon, Joyce Kozloff, Ned Smith, Richard Kalina, Kim MacConnell oder den bereits genannten Zakanitch kaum, doch sie agierten als eine feste Gruppe, bei Teamwork fällt der Starkult Einzelner weg. Damit vertraten sie einen heute gängigen Künstlertypus. Das große Interesse an der "Pattern and Decoration"-Bewegung könnte zudem an handwerklicher Feinarbeit gegen die Dominanz digitaler Medien liegen, an der Entdeckung feministischer Avantgarden und dem sentimentalen Blick auf eine damals durchwegs positive Sicht des Globalen und des Fremden. Die strikten Parameter der Moderne wurden gebrochen, zu trivialer Form femininen Ornaments kam der Kitschruf. Wo alles erlaubt und kunstfern, braucht es ständige Diskussionen um das Dekorative, die von der Gruppe auch veranstaltet wurden. 50 Jahre nach der Volkskunstverherrlichung durch den Blauen Reiter hatte sich eine globale Perspektive entwickelt.