Es gab früher die Formate "Junge Szene" in der Secession oder "Lebt und arbeitet in Wien" in der Kunsthalle; nun setzt das Belvedere 21 fort in einem Blick auf die in Wien virulente Szene von Künstlern unter 35. Die Kuratoren Luisa Ziaja und Severin Dünser haben dazu zwölf Projekträume eingeladen, in denen die junge Szene präsent ist, im Wechsel von drei Wochen ihre Programme in drei locker eingebauten offenen Räumen zu präsentieren, anfangs sind das Bar du Bois, New Jörg und Ve.Sch, am 22. März gibt es eine weitere Midissage mit One Mess Gallery, Pferd und Sort. Woher weht also der frische Wind und welche neuen Tendenzen gibt es in schon lange nicht mehr festzulegenden Stilrichtungen? Was für Gemeinsamkeiten zeigen sich außer die Reaktionen auf eine unsichere Gegenwart?

Die zwölf Künstlerinnen und sechs Künstler nennen sich frei von Allüren Generation Remix, dabei ist vor allem eine neue Subjektivität spürbar, es macht sich ein Rückzug in private, manchmal fantastisch bis romantisch anmutende Themen breit - so bei Marc Alexandre Dumoulin, der sich auf Jean Genets Poesie wie auf den Kitsch bezieht, auf barocke Bildformate wie Nachstücke, auf ein Wandeln zwischen perfekter Maltechnik und Amateurhaftigkeit, Lust an Morbidität und Akrobatik.

Abkehr von Neuen Medien

Widersprüchliches bleibt wie in der Malerei von Melanie Ebenhoch, die aus einem ornamentalen Raster als Künstlerin blickt, ein Klavier und seine Tastatur dem Betrachter nahe rückt und auch den alten Voyeurismus anspricht. Dagegen verhandelt Matthias Noggler die Gruppenbildung, egal ob es ums Trinken, Drohnenfliegenlassen im Park oder Klubszenerien geht, die in unheimliches Licht und Perspektive getaucht werden oder ins Abstrakte kippen.

Edin Zenun untersucht naiv modernistisch anmutende Fragen von figuraler oder abstrakter Komposition: Er konzentriert sich auf Ölmalerei und Ölkreide und hinterfängt die teils kleinformatigen Werke mit einem tonigen Anstrich - das mutet altmodisch an wie die allgemein sichtbare Rückkehr zu Materialien wie Ton, Sand und Textil. Es ist eine Abkehr von oder besser Gegenreaktion zu den Neuen Medien. Jedoch wird auf die Neuen Medien reagiert, sie werden zitiert, in Malerei übersetzt oder sogar mit Stoffen und Fellen verhängt wie die Monitorgruppe von Philipp Timischl, auch wenn durch eingeschnittene Löcher Reste von Film sichtbar bleiben.

Auf die große Ratlosigkeit durch die Bilderflut reagiert Nana Mandl, dabei werden Bilder aus Werbung und Internet mit alten Techniken und Fundgegenständen zu großen Wandcollagen und Assemblagen verbunden - die Künstlerin ist auch im Kollektiv Club Fortuna tätig.

Antike und Kabelbinder

Geblieben sind virulente Genderfragen, jedoch ohne "Queerriot" wie im Stadtraum noch als Graffiti zu finden. An sich ist die heroische Geste auch in der neuen Malerei zu verfolgen; die postkonzeptuellen Strategien, die oft ironisch sozialpolitische Thematik verhandelten, sind fast verschwunden. Dafür macht sich eine Reflexion auf die 1970er Jahre breit. Neben Teamwork ist fast allen das Handwerk und das Rückübersetzen in Materialien wie Ton, Sand, Jute, das Arbeiten mit Porzellan und Stoff wichtig - Stichwort "individuelle Mythologien" eines Harald Szeemann, man könnte aber auch an die Arte Povera denken.

Sympathisch ist der wenig aufdringliche Umgang mit dem Wissen, dass auch das Neue schon immer da war: antike Vasenformen aus Karton, verbunden mit Kabelbinder und eingestrichen mit Sandfarbe. Birke Gorm verbindet somit Altes, auch die Handschrift, Jute und den Fleiß der Ameise mit Slogans aus Online-Communitys. Das disparate Gestänge ist weg, die neuen Objekte Angelika Loderers untersuchen Maulwurfsgänge als Gussform. Direkte Kritik am Bildschirm kommt durch die Malerei von Maureen Kaegi oder Lukas Posch, wobei aber Körper, Nervensystem und Korallen und wie bei vielen anderen auch neue Fragen an die Naturform mitschwingen.