Krems. Krems an der Donau wird gemeinhin nicht mit übertriebener architektonischer Avantgarde assoziiert. Die Stadt, die sich gerne als das Tor zum Weltkulturerbe Wachau inszeniert, steht normalerweise für Revitalisierung der historischen Substanz und nicht für kühne Neuentwürfe. Aber nun ist "das Ufo", "die Haifischflosse" oder "das Segel", wie man das Gebäude in Krems bereits amüsiert nennt, gelandet. Der etwas mehr als 20 Meter hohe, in sich verdrehte Kubus (mit grauen Zink-Schindeln verkleidet) wird an diesem Wochenende als neues Heim der NÖ Landesgalerie eröffnet. Es ist vorerst ein Pre-Opening, in dem das noch leere Gebäude im Vordergrund stehen soll. Erst am 25. Mai wird mit dem "Grand Opening" eröffnet.

Die Zahlen sind beeindruckend: vier Etagen, 3000 Quadratmeter Ausstallungsfläche, unterirdische Gänge zur Kunsthalle gegenüber und zum Karikaturmuseum gleich daneben. Kostenpunkt: 34 Millionen Euro. Die neue NÖ Landesgalerie gilt als Schlussstein der Kunstmeile Krems, das letzte noch fehlende Puzzlestück in dem Geflecht aus einer ganzen Reihe von Museen und Bildungseinrichtungen, die hier in den vergangenen 20 Jahren konsequent errichtet und entwickelt wurde. Ihren Besuchern stehen nun auf engsten Raum mehr als ein halbes Dutzend Museen und fast ein Dutzend Veranstaltungsräume auf genau einer Meile (1,6 Kilometern) zwischen dem Steiner Tor in Krems und dem Kremser Tor in Stein zur Verfügung.

Zugpferd Karikaturmuseum

Und das wird man nützen. Kombitickets sollen die Besucher von einer Institution in die andere locken. Zugpferd ist dabei nach wie vor das Karikaturmusem in dem von Architekt und Zeichner Gustav Peichl errichteten Bau gleich neben der neuen "Landmark". Es ist das Museum mit den meisten Besuchern in Niederösterreich, aufgrund des breitenwirksamen Zugangs durchaus auch solche, die normalerweise ihre Freizeit nicht in einem Kunstmuseum verbringen würden. Auf sie, die hunderttausenden Besucher des Weltkulturerbes Wachau, aber durchaus auch auf die mittlerweile fast 10.000 Studenten der Donau-Universität aus 96 Ländern hat man es abgesehen, die typischerweise vielfach im Jahr zu ihren geblockten Lehrveranstaltungen anreisen und dann abends auch einmal Zeit für Kultur haben.

Tatsächlich hat Krems zwar demografiebedingt 1986 die Volksabstimmung über die Landeshauptstadt deutlich gegen St. Pölten verloren, in der Realpolitik hat Krems jedoch die kulturellen und kulinarischen Teile des Projekts "Landeshauptstadt" bekommen: Kunst, Kultur und Wissenschaft, konzentriert auf einem campusähnlichen Areal zwischen Krems und Stein, in dessen Ensemble nur noch die berüchtigte Strafanstalt Stein ein gewisser Störfaktor ist.