Man kann auch einmal eine Pause einlegen. Ein hervorstechendes Merkmal der Kunstmesse Arco war über Jahre die Präsentation von Gastländern und ihrer jeweiligen zeitgenössischen Kunstszene. Meistens funktioniert das auch gut bis hervorragend. Die Kunst-Verantwortlichen der Länder wissen den Standort und die gebotene Plattform in der spanischen Hauptstadt mit ihren renommierten Museen und Kulturinstitutionen - abseits der Messe - zu schätzen und erarbeiten gemeinsam Konzepte, die die Kreativität und Lebendigkeit der Szenen nachhaltig vermittelt. Das ist beispielsweise Mexiko, Kolumbien oder auch Österreich vortrefflich gelungen. Bei manchen, wie bei Russland, endete es aufgrund mangelnden Interesses von Seiten offizieller Stellen desaströs. Um sich weitere Desaster zu ersparen, hat sich die Arco im letzten Jahr eine Einladungspause gegönnt und präsentiert heuer mit Peru wieder eine in europäischen Landen weithin unbekannte Kunstszene.

Sauer, süß und bitter

Daher finden sich innerhalb der 38. Ausgabe der Kunstmesse unter den 203 Galerien aus 31 Ländern auch eine von Sharon Lerner vom Lima Art Museum kuratierte Sektion mit 24 peruanischen Künstlern von 15 Galerien. Lerner ist die Zusammenstellung relativ klug angegangen, der Handelsplattform einer Kunstmesse marktkonform entsprechend. Sie hat keine Gesamtschau mit einzelnen Künstlerpositionen kuratiert, sondern hinter jeder, jedem gezeigten Künstlerin und Künstler steht unmittelbar eine Galerie, die die einzelnen Stände auch betreuen. So können Sammler und Interessierte unmittelbar Auskunft über Arbeit und Preise erfragen und müssen nicht lange danach suchen, wo der Künstler nun vertreten ist. Vielleicht etwas frech, aber eben passend zum Anlass einer Verkaufsmesse.

Ins Auge stechen etwa die intensiven Aquarelle von Rita Ponce de León (2200 Euro), die filigranen Skulpturen von Ishmael Randall-Weeks sowie die poppigen Arbeiten der 84-jährigen Teresa Burga, der Avantgardistin konzeptueller Medienkunst ihres Landes. Oder die großformatigen Zeichnungen - schreienden Schlagzeilen von Zeitungen ähnlich - eines Fernando Bryce, der mit seinen historischen Panoramen globale Ideologien und Utopien beschreibt und anprangert. Die gezeigten Positionen erinnern an den Cocktail Pisco Sour: Der Drink mit der peruanischen Nationalspirituose Pisco (eine originäre Form eines Weinbrands) balanciert zwischen Säure und Süße (Kritik und Anpassung), hat ordentlich Kraft durch den hochprozentigen Weinbrand, wird wiederum etwas kalmiert durch geschüttelten Eischaum - aber als Abschluss kommen doch einige Tropfen Bitterlikör hinzu.