Krems. Es ist ein Museumsbau, der in der Reihe bekannter Archiskulpturen steht, also selbst ein Kunstwerk darstellt: die von marte.marte architects (Bernhard und Stefan Marte) nach 2015 einstimmig gewonnenem Wettbewerb ab 4. Juni 2016 in Krems errichtete Landesgalerie Niederösterreich.

Während einer kleinen Unterbrechung 2017 stießen Archäologen unter dem Bau auf den alten Hafen. Bernhard Marte verriet im Zuge der Podiumsdiskussion zur architektonischen Voreröffnung seine Vorliebe, auf historischem Terrain und nicht etwa über einer ehemaligen Tankstelle zu bauen. Tatsächlich haben marte.marte 2010 schon mit dem Freilichtmuseum der Römervilla Rankweil einen besonderen Fund umbaut. Es ist auch nicht ihr erstes Museum, und derzeit bauen sie auch in Berlin für die Kultur.

Schiffsbug mit Dreheffekt

Der schon als Schiffsbug und mit anderen Spitznamen bedachten Bau in Krems, dessen Betonwände mit 7200 Titan-Zinkschindeln ummantelt sind, ist eine tanzende Skulptur (Direktor Christian Bauer). Im Vergleich mit dem für Bilbao geschaffenen bekannten Museum von Frank Gehry unterscheidet sich der gedrehte Pyramidenstumpf aber nicht nur durch seine kompakte Form und Größe - 32 mal 32 Meter unten gehen in gedrehte 30 mal 30 Meter im dritten Obergeschoß über - sondern durch seine klaren und ruhigen Innenräume. Donau aufwärts zu öffnet sich oben eine Terrasse, in Richtung Stein nur ein dreieckiges Fenster mit Blick auf die alte Dachlandschaft.

Die Öffnung nach außen im Erdgeschoß ist für die auch als elegante Brückenbauer bekannten Architekten charakteristisch: Es sind große vertikal gegliederte Fensterbögen. Im Inneren gibt es keine zerklüfteten Faltungen der Decken oder verspielte Details, eher unerwartet fallen auch die spitzen Ecklösungen und überhängenden Wände kaum auf, obwohl außen der Dreheffekt dominiert und die ganze Umgebung städtebaulich verändert.

Was machen marte.marte anders als die Generation Gehry, Hollein und Co.? Zur "Landmark" und großen Geste außen, kommt innen die minimalistische Gliederung durch zwei Schächte links und rechts der Mitte. Darin eingebaut sind zwei Stiegenhäuser und Liftanlagen, die, gleichzeitig stützend, alle vier Geschoße über
der Erde gliedern. Zudem besitzt die Landesgalerie im Kellergeschoß einen White Cube von 800 Quadratmetern zur Kunsthalle hin unter der Straße. Dieser ist im Moment bis Ende März mit der begehbaren Lichtinstallation "Matrix XII Krems" von Erwin Riedl besonders akzentuiert. Der Bilbao-Effekt als Super-Fotomotiv will sich höchstens von der Ferne eines Donauschiffs gesehen einstellen, für das Gebäude selbst entdeckte Dietrich Neumann,
Architekturprofessor der Brown University, die Unmöglichkeit, es von irgendeiner Seite in seiner Wirkung ganz zu erfassen.