Drei Positionen zu neuer Videoinstallation, die mit verschiedenen Strategien auch das Nachdenken über Medien wie Film, Fotografie und Performance kombinieren, sind mit Gerard Byrne im Hauptraum der Secession, mit Klara Lidén in der Galerie im Keller und mit Gudrun Holzfeind im Grafischen Kabinett zu finden.

Der durch Biennalen und die Documenta 13 bekannte irische Künstler Byrne spielt nicht nur mit Displayformaten, er bedient sich auch alter Techniken früher Medienkunst und Kybernetik. Zahllose Bildschirme, ein Kabelsalat, selbst von der Decke des Hauptraums mitgespeist, bringen eine Bilderflut in verwirrendem Takt und Ton. Es ist eine aus 70 künstlerischen Arbeiten zusammengesetzte Mehrkanal-Videoinstallation, die einen großen Gegensatz bildet zu ruhigen Schwarzweißfotografien und einem Film über das 2017 geschlossene Biologische Museum in Stockholm. Überstimulierung kämpft gegen ruhiges Abfahren eines Dioramas mit erstarrten Tieren in einer künstlich eingefrorenen Natur, die von einer Malerei hinterfangen, die wissenschaftliche Ästhetik des 1893 eingerichteten Museums über die Wildnis Skandinaviens überliefert. "Upon the living and the dead" bringt auch den Untertitel in Samisch zur 2016 erstellten Filmarbeit.

Heidrun Holzfeind versetzt uns mit zwei Videoinstallationen, betitelt "the time is now", in alternative Lebenswelten Japans nahe von Tokio, wo das Experimentalmusikerpaar Toshio und Shizuko Orimo, das seit 1981 als Gruppe IRO vor allem als Aktivisten der Friedens- und Antinuklearbewegung tätig ist, mit Musik und schamanistischen Zeremonien ihr koreanisches Musiktheater "Punk Kagura" in besonderen Räumen vorführen. Die ganz sachlich, aber mit viel poetischer Energie aufgenommenen Videofilme zeigen ein Waldgebiet und eine modernistische Architektur, die als auf den Kopf gestellte Pyramide des Architekten Takamasa Yosizaka die Symbiose dieser Menschen mit der Natur besonders akzentuiert. Kritik an der westlichen Konsumgesellschaft und Aufruf zur Befreiung von Abhängigkeiten wird verstärkt durch die Auffassung der Performance als magischer Akt. Die Ruhe der Rituale und die eigenwillige Musik der beiden Protagonisten auf Flöten, Trommeln und Schellen zieht mit der Landschaft und Betonarchitektur tatsächlich magisch vorüber, eine begleitende Schallplatte lässt die pantheistische Weltanschauung auch zu Hause mit vier Stücken, die in dem Seminarhaus und auf dessen Dach gespielt werden, nachhallen.

Die Installation von Klara Lidén im Keller holt noch einmal mit einem Panoramablick aus, diesmal mitten in einer anonymen Stadt, vielleicht Berlin. Von einem bewachsenen Dach aus werden die Filme auf ummantelte Baustellenzäune projiziert. Die minimalistische Stadtmöblierung lässt uns nicht entspannt durchflanieren, sondern einen bestimmten Parcours wählen. Als hängende Skulpturen werden Kanister zu Beleuchtungskörpern, in einem Video aber springt ein Mann aus dem Eiskasten eines kargen Küchenblocks in den Raum und unterbricht die fast unerträglich kühle Atmosphäre. Dreimal Animation zum Überleben durch Kunst in Zeiten wie diesen.