450 gegen 150 in einem Abstand von 500 – eine (Un-)Gleichung zu Beginn. In diesem Jahr wird an den 500. Todestag eines der bedeutendsten Universalgenies und epochalen Künstlers erinnert – Leonardo da Vinci. Im November 2017 wurde das Gemälde "Salvator Mundi", das ihm nach kontroversen Hin und Her von Experten zugeschrieben wurde, im Auktionshaus Christie’s in New York für mehr als 450 Millionen Dollar versteigert. Im Auftrag des saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman, der die Trophäe der neueröffneten Louvre-Dependance in Abu Dhabi als Highlight und Besuchermagnet zur Verfügung stellen wollte. Das Christus-Motiv entsprach jedoch nicht den streng-islamischen Werten der saudischen Königsfamilie.

Daher sprang Abu Dhabis Mohammed Bin Zayed, der unwissentlich bereits bei der Auktion gegen den Prinzen geboten hatte, in die Bresche und tauschte das umstrittene Werk gegen einen akzeptierten Wert, eine Luxusjacht, ein. Das war ein Jahr nach dem Hammerschlag, im November 2018. Seitdem verliert sich die Spur des vermeintlichen Da-Vinci-Gemäldes, das bereits im September 2018 in der Louvre-Filiale hätte präsentiert werden sollen. Ein Mysterium, das den renommierten Kunstkritiker und Pulitzer-Preis-Gewinner, Jerry Saltz, in einem Interview in seiner Theorie bestätigt: "Wenn Bin Zayed endlich seine Trophäe hat und enorm stolz darauf ist, warum zeigt er sie nicht?", fragt Saltz, um ungehend selbst eine harsche Antwort zu geben.

"Wahrscheinlich ist er draufgekommen, dass der da Vinci nichts weiter als ein aufgepepptes, wertloses Stück Müll ist!" Die Frage, ob das teuerste Gemälde öffentlich zu sehen sein wird, bleibt unbeantwortet. Nicht nur bei dieser kostspieligen Wertediskussion spielt Jerry Saltz eine Rolle, sondern auch im Leben der jungen italienischen Künstlerin Vera Girivi, die ihre kleinformatigen Gemälde um 150 Euro verkauft. Aber davon später.

Wilde Spielart

Der Kunstmarkt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Langjährige Beobachter erkennen darin die wildeste und unberechenbarste Spielart der freien Marktwirtschaft und stellen beispielsweise – klassisch kapitalistisches bis neoliberales Denken – den überschaubaren Materialaufwand, die geringen Herstellungskosten für das Malen und den praktischen Nutzen eines Bildes einem erzielbaren Millionenertrag gegenüber. Ohne zu hinterfragen, ob oder welche gesellschaftlichen, sozialen oder politischen Positionen zeitgenössische Künstlerinnen oder Künstler mit ihrem Werk einzunehmen oder zu vermitteln versuchen. Sind diese idealistischen, vielleicht naiv-romantischen Werte heutzutage obsolet und geht es tatsächlich nur mehr um Rekordpreise, die bei Auktionen oder Kunstmessen erzielt werden? Zählt die Idee des Werks, die künstlerische Qualität nichts mehr? Welche Faktoren bestimmen heute den (Markt-)Wert der Kunst?