Leopold Kieslings "Mars und Venus mit Amor". - © Belvedere/J. Stoll
Leopold Kieslings "Mars und Venus mit Amor". - © Belvedere/J. Stoll

Ein politisch interpretiertes Kunstwerk des Klassizismus ist Leopold Kieslings (1770-1827) eilig erstellte Skulpturengruppe "Mars und Venus mit Amor", das 1809 aus einem qualitätvollen Block Carrara-Marmor in Rom geschaffen wurde. Der Oberösterreicher, der bei Johann Martin Fischer an der Akademie studiert hatte, wurde von seinem Gönner, Philipp Graf Cobenzl mit Maler Josef Abel und Architekt Pietro Nobile als Stipendiat ins Umfeld der bekanntesten europäischen Bildhauer, Antonio Canova und Berthel Thorvaldsen, geschickt. Er studierte diese Vorbilder wohl noch genauer als die noch nicht durch Napoleon nach Paris verbrachten Antiken.

Mit einem 1806 abgelieferten Modell wurde es, unter Aufsicht Canovas, ein Auftrag Kaiser Franz II. (I.) und entsprach ästhetisch wie in der damit transportierten politischen Interpretation genau den Geschmack der Zeit des Wiener Kongresses.

Mittig im Raum

Kuratorin Sabine Grabner rückt erstmals eine einzelne Skulptur mit lebensgroßen Figuren in den Mittelpunkt, die sie wie schon ab 1814 für die Besucher des Wiener Kongresses in besonderem Licht mittig im Raum inszeniert - nicht weit vom ehemaligen Rondell des Belvederes (heutigem Café). Mit vielen Stichen wird die das Werk umrankende Geschichte im ersten Raum erzählt - als Auftakt hängt das Ölporträt Friedrich von Amerlings von Kaiser Franz II. Längst sind der Bildhauer und die ehemalige Aufstellungsgeschichte vergessen, auch wie das Kaiserhaus den antiken Mythos von Venus, die mit Amor Mars vom Krieg abbringt, für sich nutzte. Die habsburgische Heiratspolitik erhoffte sich mit der Eheschließung der Tochter Franz II., Erzherzogin Marie Louise, 1810 mit Napoleon I. nichts Geringeres als Frieden in Europa.

Als "Friedensmal" ist schon die antike Laokoongruppe nicht erfolgreich gewesen, trotzdem behauptet die ältere panegyrische Literatur, Kieslings Werk sei extra für diese Hochzeit geschaffen worden. Dass dem nicht so ist, kann im Katalog genau nachgelesen werden. So passt tatsächlich Klemens Wenzel Lothar Graf Metternichs böser Spruch über Österreichs "Anschmiegung an das triumphierende französische System" genau zur Mars bezirzenden Venus, die ihn mit ihrer Rechten umhalst und mit der Linken einen Palmzweig an seine Brust drückt, während der listige Amor ihm zu Füßen das Schwert entzogen hat.

Der Sieg der Liebe

Die romantische Blickführung bildet das Zentrum, der Sieg der Liebe löst die Gruppe vom Heroischen wie schon Canova mit seiner "Venus und Adonis"-Gruppe, dazu sieht Ingeborg Schemper Anregungen des Römers Pietro Finelli und seinem "Herkules und Dejanira"-Paar aus dem Jahr 1801.

Auch wenn die Nacktheit kritisiert wurde, blieb es Kieslings Meisterstück aus dem Jahr, in dem er eine Italienerin heiratete, noch vor der Hochzeit Napoleons. In Wien zurück, konnte er nur mit Grabmälern und Büsten anschließen. Die Bildhauerprofessur bekam Johann Nepomuk Schaller, der den Sockel mit Relief schuf, und die Aufträge in Rom wurden bald danach von den dortigen Mailänder Stipendiaten übernommen.

Ausstellung

Im Blick Leopold Kiesling

Sabine Grabner (Kuratorin)

Oberes Belvedere

Bis 12. Mai